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Ist Otzes Kirchturm mehr als 550 Jahre alt?

Otze Ist Otzes Kirchturm mehr als 550 Jahre alt?

In Otze bahnt sich offenbar eine historische Sensation an: Der Turm der Kapelle ist wohl deutlich älter als bisher angenommen. Dieses Ergebnis zeichnet sich bei einer aktuellen bauhistorischen Untersuchung des Denkmals ab.

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Älter als bislang angenommen? Der Bauhistoriker Stefan Amt untersucht das Holz des Turms der Otzer Kapelle.

Quelle: Stefan Heinze

Otze. Stefan Amt von der Baudenkmalpflege des Bistums Hildesheim geht davon aus, dass es sich bei der aktuellen Trägerkonstruktion des Turms um die erste und einzige handelt. Diese soll um 1460 mit der Erweiterung der Kapelle auf ihre heutige Größe entstanden sein. Bisher hatten die Experten angenommen, dass der Kapellenturm in Otze im Laufe der Zeit neu gebaut wurde. 

In der Geschichtsbroschüre, die in der Kapelle ausliegt, heißt es: "Etwa 300 Jahre hielt der Glockenturm allen Stürmen und Wettern Stand, dann musste er erneuert werden. Die Gemeinde beschloss, einen größeren Turm mit Platz für eine weitere Glocke zu bauen. Es entstand der Glockenturm in seiner heutigen Gestalt. Er erreicht eine Höhe von 14 Metern."

Ob der Otzer Turm mit seinen zwei Glocken statt 250 mehr als 550 Jahre alt ist, wird jetzt mit einer dendrochronologischen Untersuchung geklärt. Dafür wird der Holzkonstruktion ein Bohrkern entnommen und an ein Fachlabor im Emsland geschickt. Dort wird die Stärke der Jahresringe des Holzes als Abbild des jeweiligen Klimas interpretiert und so über Vergleichswerte eine Bestimmung des Bauholzalters möglich. Das Ergebnis der Untersuchung soll schon in etwa einer Woche vorliegen. Weitere Merkmale für die zeitliche Einordnung sind die technische Ausführung der Holzverbindungen und die Verwitterung des Holzes.

Wenn die zeitliche Einordnung klar ist, wird der Turm von dem Team auch bereits neu vermessen worden sein. Schon jetzt steht nach Beobachtung von Amt fest, dass die konstruktiven Details des Turms in einer Dissertation von 1983 falsch beschrieben wurden. Auf Pläne aus jüngerer Zeit können die Bauhistoriker bei ihren Untersuchungen kaum zurückgreifen. Das Amt für Bau- und Kunstpflege der Landeskirche Hannovers hat aus den vergangenen 70 Jahren keinerlei Unterlagen über den Turm.

Amt hat bei seiner Untersuchung aber auch festgestellt, dass die Holzkonstruktion, die den Turm stabilisiert, in desolatem Zustand ist. Standsicher soll das Gebäude gleichwohl sein.15 von rund 70 Türmen dieser Art im Raum der Lüneburger Heide hat Amt bisher untersucht. „So vergammelt habe ich noch keinen gesehen“, sagt er nach ersten Erkundungen mit seinen beiden Assistenten, den Architekten Marcel Petri und Nils Ochtermann aus dem Münsterland. Das Holz der Konstruktion ist an einigen Stellen so morsch, dass es zerfällt, wenn man es nur anfasst.

„Standsicher ist er“, sagt Amt jedoch und verweist auf die in der Vergangenheit von innen ergänzten Hölzer und auch die Außenverkleidung. Das beruhigt Pastorin Susanne Paul, die sich zusammen mit den Kirchenvorstehern Karin Buchhholz und Holger Zielonka sowie der Küsterin und Kirchenführerin Doris Günther einen Eindruck vor Ort verschafft hat.

Angeregt wurde die Untersuchung durch vergleichbare Forschungen an einem Glockenturm in Kirchhorst. Die Kosten für die bauhistorische Erforschung in Höhe von rund 5000 Euro tragen im Wesentlichen die untere Denkmalschutzbehörde der Region Hannover und die Stiftung Baudenkmalpflege. Zu etwa zehn Prozent beteiligt sich die Martin-Luther-Gemeinde.

Außer in Otze und Kirchhorst gibt es in der Region Hannover nur noch in Helstorf bei Neustadt einen vergleichbaren Glockenturm. Die Otzer Kapelle ist das älteste Gotteshaus in Burgdorf und gilt selbst in Fachkreisen als bemerkenswertes Kulturdenkmal. Der östliche Teil der Kapelle soll schon im 14. oder Anfang des 15. Jahrhunderts erbaut worden sein.

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Fotostrecke Burgdorf: Ist Otzes Kirchturm mehr als 550 Jahre alt?

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