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143 Kilogramm in zwei Jahren abgespeckt

Burgdorf 143 Kilogramm in zwei Jahren abgespeckt

Lars Rölecke ist stolz und fühlt sich wieder wohl in seiner Haut. Denn der Handballtrainer hat mächtig abgespeckt. Dank einer Magenoperation verlor er in nur zwei Jahren 143 Kilogramm seines Gewichts. Inzwischen treibt wieder Sport und hat ein Ziel vor Augen: Er will zurück ins Berufsleben.

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Lars Rölecke beim Training in der Realschul-Turnhalle mit der 4. Herrenmannschaft der TSV Burgdorf.

Quelle: Joachim Dege

Burgdorf. 240 Kilogramm brachte Rölecke noch vor zwei Jahren auf die Waage, bevor er sich zur Magen-Op entschloss. Ungefähr. So genau weiß er es selbst nicht. "Die normalen Hauswaagen zeigen ja das nicht mehr an. Die gehen ja nur bis 180 Kilo", sagt er. Heute wiegt er noch 97 Kilogramm. "Das hab' ich das letzte Mal mit 18 Jahren gewogen", erinnert er sich.

Dabei ist Röleke, der aus Celle stammt und in Nienhagen wohnt, seit jeher ein sportlicher Typ. Der Vater war Handballtrainer und Schiedsrichter. Er nahm seinen Sohn immer mit in die Turnhalle. Lars Rölecke, der heute selbst bei der TSV Burgdorf zwei Jugendmannschaften und eine Herrenmannschaft trainiert, wuchs daher von klein auf in den Handballsport hinein. In der Jugend spielte er in der Oberliga. Später bei den Herren in der Landesliga.

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"Ich war schon immer kräftig. Aber eigentlich nicht übermäßig dick", sagt der gelernte Fliesenleger. Erst als er 25 Jahre alt war, habe die ungezügelte Gewichtszunahme begonnen. Sein Vater hatte damals einen Schlaganfall, war danach halbseitig gelähmt. Rölecke verlor nicht nur seinen Handball-Mentor. Er blieb fortan daheim, im Elternhaus, pflegte den Vater, saß viel auf dem Sofa, wie er sagt, und ließ es sich schmecken.

Irgendwann hatte Rölecke 170 Kilogramm auf dem Kasten. Er unternahm mehrere Versuche abzunehmen, probierte es mit unterschiedlichen Diäten, schaffte es sogar runter auf 120 Kilo. Weil er aber keinen Sport mehr trieb, es auch gar nicht mehr konnte, schnellte sein Gewicht wieder hoch. Als der Vater dann 2011 starb, konnte er nicht mehr einfach zurück in den erlernten Beruf. Schon weil die Knie nicht mitspielten.

Rölecke kannte damals keinen Verzicht auf irgendwas. "Essen war das, was ich noch konnte." Dabei habe er sich durchaus wohl gefühlt. Er saß vor dem Fernseher, aß und trank. "Alles hinein", erinnert er sich. Weil er nach dem Tod des Vaters wieder gern einer Arbeit nachgehen wollte, suchte er das Jobcenter auf. Dort war dann nicht nur die Eingliederung in den Arbeitsmarkt das Thema, sondern auch sein Gewicht. Der Arbeitsberater gab ihm den Tipp, mal die Sprechstunde des Adipositas-Zentrums im Nordstadt-Krankenhaus in Hannover aufzusuchen.

2014 machte sich Rölecke das erste Mal auf den Weg. Dann sei alles ratzfatz gegangen. "Man guckt ja selber lange darüber weg. Aber ich konnte die verstohlenen Blicke in der Stadt nicht länger ertragen." Rölecke folgte dem Rat der Ärzte, ließ eine sogenannte Schlauchmagen-Op machen. Dabei verkleinerten die Chirurgen 2015 seinen bis dahin handballgroßen Magen auf die Größe eines Tennisballs.

"Man kann normal essen. Nur die Mengen sind klein", beschreibt Rölecke die Folgen. Wenn er früher bei einer einzigen Mahlzeit eine ganze Familienpizza zu sich genommen habe, so sei er heute schon nach einem Viertel einer normalen Pizza satt. Dazu lernte Rölecke, sich gesünder zu ernähren: viel Eiweiß, wenig Kohlenhydrate. Eine Einschränkung gibt es: So viel Gemüse und Salat, wie er an Vitaminen bräuchte, bekommt er mit dem verkleinerten Magen nicht in sich hinein. Darum deckt er den Bedarf mit Vitamintabletten.

Rölecke ist "noch nicht ganz glücklich, aber zufrieden". 82 Kilogramm ist sein Wunschgewicht, das er mit viel Sport erreichen will. "Früher bin ich 50 Meter gegangen. Dann brauchte ich was zum Hinsetzen oder Abstützen." Jetzt geht er viel spazieren, unternimmt lange Radtouren, trainiert bisweilen selbst mit, wenn er als Trainer mit B-Lizenz am Freitagabend die Übungseinheiten der vierten Herrenmannschaft der TSV Burgdorf leitet. "Im Januar will ich wieder voll angreifen", sagt Rölecke.

Vorher muss er nochmal in die Klinik zum plastischen Chirurgen. Der entfernt die überschüssige Haut an den Armen - die vierte Nach-Op dieser Art. Anschließend folgt erneut ein Aufbautraining beim Physiotherapeuten.  "Die Familie gibt mir Rückhalt. Ohne die hätte ich das nicht geschafft."

Im Sommer 2018 soll es dann auch endlich mit dem Job klappen. Die Arbeitsagentur wolle ihm die Umschulung zum Sozialversicherungsangestellten finanzieren. Rölecke spürt die Veränderung: "Man wird selbstbewusster. Ich traue mich wieder in Gesellschaft."

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