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Helfen statt im Lehnstuhl zu sitzen

Burgdorf Helfen statt im Lehnstuhl zu sitzen

Sie sagt, sie sei ein Zahlenmensch. Und sie kümmert sich um Menschen, deren Zahl anwächst in der Stadt: Carola Jackowski-Hohmann hat als Integrationslotsin einen jungen Flüchtling unter ihre Fittiche genommen. Das erklärte Ziel der 64-Jährigen ist es, ihrem Schützling den Weg in eine glückliche Zukunft in Burgdorf zu ebnen.

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Carola Jackowski-Hohmann kümmert sich ehrenamtlich um den aus der Elfenbeinküste stammenden Flüchtling Adams King.

Quelle: Joachim Dege

Burgdorf. Jackowski-Hohmann ist gelernte Steuerfachgehilfin und Bankkauffrau. 43 Jahre lang arbeitete sie bei der Sparkasse Hannover, zunächst am Schalter, später im Marketing und zuletzt in der Immobilienverwaltung. Vor eineinhalb Jahren ging sie in Rente. Seitdem hat sie Zeit. Zeit, um an einem Tag in der Woche die Buchhaltung eines kleinen Architekturbüros zu erledigen. Sehr viel mehr Zeit noch für einen in Burgdorf gestrandeten Menschen von der Elfenbeinküste.

Seit einem Jahr kümmert sich Jackowski-Hohmann aufopferungsvoll um die Belange von Adams King, der im Alter von elf Jahren seine Heimat in Westafrika verließ, um nunmehr 20-jährig und von der Flucht über Marokko und Italien traumatisiert in Burgdorf vielleicht eine neue Heimat zu finden. Auf dieser Etappe seines Weges, der kein leichter ist, begleitet die 64-jährige Hänigserin den Ivorer.

„Mein Patenkind“ nennt sie Adams King, den sie als wohlerzogen und grundehrlich, aber auch kapriziös beschreibt. Zu ihm kam sie eher zufällig. Eine Freundin sprach sie an und fragte, ob sie nicht einfach mal mitkommen wolle zum Internationalen Treff im Mehrgenerationenhaus. Gesagt, getan. „Mit Gänsehaut und guter Laune bin ich vom ersten Treffen nach Hause gefahren“, erinnert sich Jackowski-Hohmann, die für sich reklamiert, dass sie seit jeher mit großem Interesse und vorurteilsfrei auf Ausländer aller Art zugegangen sei. Das blieb Ursula Wieker, der Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses, nicht verborgen. Diese warb die Hänigserin schließlich als Integrationslotsin an.

Das erste Treffen mit dem Afrikaner fand in der Öffentlichkeit statt. Später nahm Jackowski-Hohmann Adams King auch mal mit nach Hause. Peu à peu lernte sie den 20-Jährigen besser kennen. Sie lehrt ihn, Deutsch zu sprechen, unterstützt ihn bei seinen Sportaktivitäten in der zweiten Fußballmannschaft des Heeßeler SV, hält den Kontakt zu den Lehrern der BBS, wo ihr Schützling eine Berufsvorbereitung absolviert. Sie nimmt Termine beim Anwalt wahr, wenn es das laufende Asylverfahren erfordert, erledigt allerlei Behördengänge, hilft beim Papierkram und hat ihm sogar eine eigene Wohnung in Heeßel besorgt.

Dabei sei es keineswegs so, dass das ehrenamtliche Lotsengeschäft einem nur Erfolgserlebnisse beschere, beschreibt die taffe Frau ihr Wirken. Adams Kings Status sei nach wie vor völlig ungeklärt, ein Ende seines Asylverfahrens auch zwei Jahre nach der Ankunft in Burgdorf nicht absehbar, ein positiver Ausgang nicht garantiert.

Jackowski-Hohmanns Exmann und ihr eigener, erwachsener Sohn sowie ihr Enkelkind ziehen den Hut vor ihrem Engagement, das Landessozialministerin Cornelia Rundt am 11. Juni mit einer Urkunde auszeichnete. Freunde und Nachbarn indessen fragten schon mal nach, warum sie sich das alles antut.

„Im Lehnstuhl sitzen und mein Leben Revue passieren lassen ist noch nicht“, entgegnet sie dann. Mehr noch: Jackowski-Hohmann hofft, dass andere es ihr nachtun und sich ihrerseits eines Flüchtlings annehmen, um diesem die Integration in die neue, fremde Welt zu erleichtern.

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