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Historiker suchen Zeitzeugen

Burgdorf Historiker suchen Zeitzeugen

Der Burgdorfer Geschichtsarbeitskreis will Licht in ein weithin unbekanntes Kapitel der Stadtgeschichte bringen und sucht dringend Zeitzeugen. Es geht um das Schicksal der Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter, die in den Jahren 1939 bis 1945 in Burgdorf und seinen Ortschaften gelebt haben.

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Rudolf Bembenneck (links) und Manfred Rehberg stehen vor dem Haus an der Lerchenstraße, in dem einst russische Kriegsgefangene untergebracht waren, in der Hand eine Abbildung des Gebäudes in der damaligen Zeit.

Quelle: Anette Wulf-Dettmer

Burgdorf. Um ein weitgehend realistisches Bild jener Zeit nachzeichnen zu können, braucht der Arbeitskreis auch viele persönliche Erinnerungen, denn Archivmaterial allein reiche dafür nicht. „Deshalb suchen wir Zeitzeugen“, sagt Arbeitskreismitglied Rudolf Bembenneck. „Jede Erinnerung, und sei es auch noch so ein kleines Fitzelchen, ist hilfreich.“ Bislang sei das Team meist nur zufällig auf Zeitzeugen gestoßen, viele meldeten sich nicht, „weil sie ihren Beitrag für nicht bedeutsam halten“, bedauert Bembenneck.

Einer dieser „stummen“ Zeitzeugen war bislang auch Manfred Rehberg, dabei lebte er als Kind in unmittelbarer Nachbarschaft zum Lager für russische Kriegsgefangenen im Haus Lerchenstraße 3. Das Gebäude war einst eine Scheune, dann Unterkunft für die Russen und ist heute ein Wohnhaus.

Seit drei Jahren forscht der Arbeitskreis in zahlreichen, auch internationalen Archiven, um mehr zu erfahren über die Lebensumstände der Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter sowie die Schicksale der etwa 1000 heimatlosen Menschen, die in Burgdorf gestrandet und bis 1950 im Lager Ohio an der Sorgenser Straße untergebracht waren.

Unterkünfte für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter gab es laut Bembenneck auch an der Uetzer Straße, in der Baggerkuhle der Reichsbahn, auf dem Gelände der Konservenfabrik, in der Kaserne zwischen Burgdorf und Sorgensen sowie in den Dörfern. Kaum Information hat der Arbeitskreis bislang über das Lager Gerabaldi für italienische Internierte.

Zur siebenköpfigen Gruppe gehören neben Bembenneck die Lokalhistoriker Dieter Heun und Heidi Rust, Peter Pfeiffenbring, Tobias Teuber, Harald Scherdin-Wendlandt aus Burgdorf und der Berliner Historiker Ralf Gräfenstein. Die Ergebnisse ihrer Nachforschungen wollen sie in einem Buch veröffentlichen.

Wer an der Dokumentation als Zeitzeuge mitarbeiten möchte, erreicht Bembenneck unter Telefon (05136) 879629.

Manfred Rehberg erinnert sich

Wenn die russischen Kriegsgefangenen um 6.45 Uhr auf der Schillerslager Straße antraten, war das für Manfred Rehberg, dessen Schule um 8 Uhr begann, das Wecksignal. „Denn alle trugen Holzschuhe und die waren auf dem Kopfsteinpflaster gut zu hören. Hinter den Männern ging der Herr Springmann, bewaffnet“, erzählt der heute 80-Jährige. Er wohnte damals mit seinen Eltern im Haus Schillerslager Straße 18. Circa 30 Russen seien in der Scheune Lerchenstraße?3 untergebracht gewesen, gesichert mit einem 3,50 Meter hohen Zaun. „Den hatten sie sich bei ihrer Ankunft im Winter 41/42 selbst bauen müssen“, erinnert sich Rehberg. Sie bauten sich auch Pritschen zum Sitzen und mussten nach zehn Stunden Arbeit ihr Essen selbst kochen. Im Zimmer hatten sie einen Ofen, gewaschen haben sie sich auf dem Hof. Sonntags blieben sie im Lager. „Als der Krieg zu Ende war, ließen die Russen uns Kinder mit auf den Autos fahren. Sie haben uns nichts getan, vielleicht auch weil ich sie im Krieg mit Zigaretten versorgt hatte.“ Wie der kleine Manfred das angestellt hatte, ist eine andere Geschichte ...

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