Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
IGS fordert anständige Schulräume

Burgdorf IGS fordert anständige Schulräume

Die IGS hat Rat und Stadtverwaltung am Montag eine klare Ansage gemacht. Anlässlich eines Schulbesuchs konfrontierte die Schule Kommunalpolitiker und Stadtspitze mit ungeduldigen Forderungen nach anständigem Schulraum.

Voriger Artikel
Schüler sollen sich selbst trainieren
Nächster Artikel
Waldstadion des RSE wird Wahrendorff-Arena

IGS-Schüler halten Kommunalpolitikern und Stadtspitze Pappschilder entgegen, auf denen sie Wünsche an ihren Lebensraum Schule formuliert haben.

Quelle: Joachim Dege

Burgdorf. Die Schulgebäude, in denen die noch im Aufbau begriffene Integrierte Gesamtschule (IGS) zurzeit 254 Schüler unterrichtet, genügen in keiner Hinsicht den Anforderungen. Weder als Lebensraum, den der Ganztagsschulbetrieb für Kinder bedeutet, noch mit Blick auf die Pädagogik dieser Schulform und den Anteil von annähernd zehn Prozent sogenannter Inklusionsschüler mit besonderem Förderbedarf. Das hat die IGS dem Schulausschuss des Rates am Montagabend vermittelt, als die Kommunalpolitiker der Schule einen Besuch abstatteten.

Die Besichtigung der Schulräume hatte freilich etwas von einer ausgefeilten Theaterinszenierung. Die regieführende IGS überließ nichts dem Zufall, um dem Gremium den Eindruck zu vermitteln, dass nichts so sei, wie es die Kinder verdient hätten. Schulleiter Rudolf Alker begrüßte die Schulpolitiker im Kreis eines großen Teils seines Kollegiums und zahlreicher extra hinzugebetener Eltern und Schüler in den „schmuddeligen Räumen der IGS“.

Für das Donnerwetter, das Stadtspitze, Schulverwaltung und die Ratsmitglieder in ihrer Rolle als Schulträger anschließend über sich ergehen lassen mussten, übergab Alker an den Elternratsvorsitzenden Jörg Fröhlich. „Ich erwarte das Beste und nicht das Mindestmaß für unsere Kinder“, formulierte dieser den Anspruch der IGS. Davon sei man gegenwärtig meilenweit entfernt. Es herrsche drängende Enge.

Unterrichtsräume seien zu klein. Es fehle an Differenzierungsräumen. Für den Ganztagsbetrieb notwendige Freizeitbereiche seien glatt Fehlanzeige. Und der Altbau, den die IGS nach den Sommerferien von der Realschule übernimmt, sei ein einziger Sanierungsfall, dessen Instandsetzung nicht mehr länger aufzuschieben sei. „Fassen Sie endlich Beschlüsse, damit wir hier Planungssicherheit bekommen“, appellierte Fröhlich an die Mandatsträger im Rat.

Im Anschluss daran sah die IGS-Dramaturgie den Besuch einer Klasse vor, in der Sechstklässler den Politikern zuvor angefertigte bunte Papptafeln mit ihren Wünschen für ihre Schule entgegenhielten: bessere Luft, eine steuerbare Heizung, Spielgeräte auf dem Pausenhof, Differenzierungsräume und die Möglichkeit, an der Schule später einmal das Abitur ablegen zu dürfen – um nur einige zu nennen. Die Unterrichtsräume im Altbau, so war dort überdies zu lesen, seien keine, in denen Kinder gern lernten. Beim folgenden Rundgang durch den Altbau erfuhren die Politiker obendrein, dass die Gebäudewirtschaftsabteilung im Rathaus dort noch stets nur das Nötigste habe renovieren lassen.

Und so kam es zum kurzen Schlagabtausch der Argumente zwischen Elternvertreterin Beate Gottowik und Bürgermeister Alfred Baxmann (SPD). Gottowik forderte den „gleichen Standard für alle Schulen“ ein. Baxmann riet für den Altbau von größeren Investitionen ab, die in drei Jahren womöglich nicht mehr gebraucht würden: „Lassen Sie uns gemeinsam eine ordentliche Strategie entwickeln.“ Woraufhin Schulleiter Alker entgegnete: „Wir sind bereit zu Kompromissen. Wichtig ist uns, dass es endlich losgeht.“

Bis zum Mai, so verrieten Stadtrat Michael Kugel und Schulabteilungsleiter Henry Barm dem Schulausschuss, will die Stadtverwaltung dem Rat Pläne vorlegen, wie es mit der IGS-Neubau auf dem Areal der Prinzhorn-Förderschule weitergeht. Laut Alker sei mittlerweile absehbar, dass die Prinzhorn-Schule mitsamt Turnhalle abgerissen und an ihrer Stelle der IGS-Neubau hochgezogen wird.

Eltern wollen sich mitgenommen wissen

Die Elternschaft der IGS nutzte den Besuch der Kommunalpolitiker am Montag, um Dampf abzulassen. Mütter sprachen nach dem Rundgang durch das Schulgebäude in einer Aussprache mit dem Schulausschuss von erschütternden Zuständen. Sie fragten die Politiker auf den Kopf zu: „Wann passiert endlich etwas?“
Unangenehm berührt zeigten sich Eltern von angeblichen Architektenplänen, Unterrichtsräume im Keller des Altbaus einzurichten. In einem als Schülercafé genutzten Kellerraum verläuft ein dickes Heizungsrohr an der Wand, das nach Darstellung von Schulleiter Rudolf Alker eine Verletzungsgefahr darstellt. Das habe auch der Sicherheitsbeauftragte der Landesschulbehörde schon bemängelt.

Eine Mutter sprach aus, was viele dachten: „Wir sind beunruhigt. Wir haben die große Sorge, dass unsere Kinder in den Keller müssen.“ Andere Eltern zogen gar in Zweifel, dass die IGS überhaupt einen Neubau bekommen werde und nur hingehalten werden solle.

Diesem Eindruck trat der Schulausschussvorsitzende Hartmut Braun (Grüne) mit Nachdruck entgegen: „Die Alternativen Neubau oder Keller gibt es nicht. Es ist klar, dass der Neubau kommt.“ Woraufhin es freilich harsche Kritik an Rat und Stadtverwaltung setzte, die aus Sicht vieler Eltern viel zu viel Zeit ins Land streichen ließen, bis sie die IGS mit angemessenen Unterrichtsräumen ausstatte.

Die Stadtverwaltung wehrte sich. Man arbeite „mit Hochdruck“ an den Neubau-Plänen, versicherte Stadtrat Michael Kugel. IGS-Elternratsvorsitzender Jörg Fröhlich kritisierte aber, dass die Eltern in diese Planungen trotz Bereitschaft zur konstruktiven Mitarbeit nicht eingebunden seien, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt würden: „Ich fühle mich nicht mitgenommen.“

Günter Eggers, Vertreter der Eltern im Schulausschuss, versuchte zu vermitteln: Dass das alles so lange daure, sei schließlich auch ein Erfolg der Elternarbeit, die falsche Entscheidungen verhindert habe. Ausdruck dessen sei etwa die Nutzung des Grundschulneubaus am Berliner Ring durch Realschule und Gymnasium. Das erst habe der IGS die Luft verschafft, sich zu entwickeln.

Tag der offenen Tür

Wer wissen will, was eine Integrierte Gesamtschule ausmacht und ihren Schülern zu bieten hat, kann dies am Freitag 31. März, von 14 bis 17 Uhr in Erfahrung bringen. Zu diesem Termin lädt die Schule vor allem Eltern und Schüler der vierten Grundschulklassen zu einem Tag der offenen Tür ein. Diese erwarte ein Programm zum Anschauen und Mitmachen, heißt es in einer Mitteilung der Schule. Die Schulleitung will den Eltern in zwei Informationsrunden um 14 und um 16 Uhr Rede und Antwort stehen, erläutere das pädagogische Konzept, die Lernprofile und den Ganztagsschulbetrieb. Mehr noch: Um 14.45 Uhr werde der Oberstufenkoordinator der IGS Roderbruch aus Hannover in der kleinen Turnhalle berichten, was Schüler und Eltern in einer Gesamtschuloberstufe zu erwarten haben. Gleich nach der Begrüßung nähmen sich Stammgruppenscouts der Viertklässler an und führten diese zu den Schnupperunterrichtangeboten. Das gesamte Lehrerkollegium werde den ganzen Nachmittag für Gespräche zur Verfügung stehen. Der Förderverein der Schule biete den Besuchern Kaffee und Kekse an.

doc6u5q8hr18w6yl8c7hne

Fotostrecke Burgdorf: IGS fordert anständige Schulräume

Zur Bildergalerie
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6w9693nbndx2vzlwhz7
CDU zieht Hundesteuer-Antrag zurück

Fotostrecke Burgdorf: CDU zieht Hundesteuer-Antrag zurück