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Schulen setzen auf Quereinsteiger

Burgdorf Schulen setzen auf Quereinsteiger

Die Unterrichtsversorgung an Schulen liegt nach Angaben der Landesregierung aktuell bei 98 Prozent – der schlechteste Wert seit 15 Jahren, wie die Opposition im Landtag geißelt. Tatsächlich finden Schulen kaum mehr Personal, setzen daher verstärkt auf Quereinsteiger. Die IGS hat drei eingestellt.

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Quereinsteigerin in den Lehrerberuf: Die Tierärztin Valentina Ritz-Sedlacek unterrichtet
 an der IGS in Burgdorf die Fächer Biologie und Chemie.

Quelle: Joachim Dege

Burgdorf. Der Landtag beschäftigte sich am Mittwoch in einer Aussprache mit dem Unterrichtsausfall. IGS-Schulleiter. Rudolf Alker kann ein Lied davon singen. Seine im Aufbau begriffene Schule – es gibt bisher nur fünfte und sechste Klassen – bekommt jedes Jahr einen Jahrgang dazu, muss darum jedes Schuljahr aufs neue Kräfte rekrutieren.

Doch der Arbeitsmarkt sei weitgehend leergefegt, beschreiben Alker und seine Didaktische Leiterin Saskia Matschke die Situation. Seit einem halben Jahr seien keine Lehrer mehr für Grund-, Haupt- und Realschulen zu bekommen. Referendare würden noch vor der Prüfung vom Fleck weg engagiert. Schreibe die IGS einen Bewerber von der Liste an, die die Landesschulbehörde erstellt, bekomme sie in den meisten Fällen nicht mal mehr eine Antwort. Allenfalls eine Absage.

Weil Alker nicht nur Lehrer für die IGS einstellt, sondern auch für die auslaufenden Schulformen Hauptschule und Realschule, trifft ihn das Problem umso ärger. Immerhin: Neun neue Kräfte habe er gewinnen können fürs Neue Schuljahr an den drei Schulen, sagt er. Für die Fächer Religion sowie Werte und Normen an der Hauptschule habe sich aber niemand gefunden. Die Fächer fielen flach. Sorgen bereiteten auch die Fächer Englisch und Mathematik.

Das Zauberwort heißt Quereinsteiger. Alker hat drei eingestellt und ist überzeugt von deren Qualitäten: Kathrin Palandt (40) ist Sportwissenschaftlerin. Die Mutter arbeitete in einem Institut für Gesundheits- und Sporttherapie, fühlte sich unterbezahlt und wenig wertgeschätzt. Sie bot Gesundheitsmanagement in Betrieben und Gesundheitstage für Auszubildende an. Vor einem Jahr wandte sie sich ans Land, war dann ein halbes Jahr in Winsen/Aller als Feuerwehrkraft einsetzt. Jetzt unterrichtet sie an der IGS Sport.

Hochqualifiziert ist auch ihre Kollegin Valentina Ritz-Sedlacec (40). Die ist Tiermedizinerin, hat überdies ein Diplom in Biologie in der Tasche und im Fach Biochemie promoviert. Sie arbeitete an der Universität und in der Forschung. Nach der Familienphase erkannte sie, dass Schulen Bedarf an Naturwissenschaften haben. „Ich will ja auch, dass meine Kinder gut ausgebildet werden.“

Einen dritten Quereinsteiger konnte Alker für die IGS und die Realschule für Mathematik, Wirtschaft und Informatik gewinnen. Von anderen Lehrern unterscheidet die drei das Fehlen einer pädagogischen Ausbildung. Diese holen sie nun nach, sind dafür fünf Wochenstunden freigestellt.

Als Quereinsteiger helfe ihnen die Lebens- und Berufserfahrung, die sie außerhalb der Schule gewonnen hätten, sagen Palandt und Ritz-Sedlacek: „Die Kinder merken, dass wir Fachleute sind.“ Jedem Quereinsteiger steht ein Mentor zur Seite, der ihn berät.
Noch immer seien mehrere Stellen nicht besetzt, sagt Alker. Aber: „So können wir den Unterricht aufrechterhalten. Den Rest fangen wir über Mehrarbeit auf.“

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