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Integration im Wohnzimmer

Burgdorf Integration im Wohnzimmer

Ilsabe Bartels-Kohl und ihr Mann Wolfgang empfangen alle 14 Tage im eigenen Wohnzimmer Flüchtlinge aus Syrien, die einstweilen in der Mehrzweckhalle in Schillerslage untergekommen sind.

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Miteinander
im Gespräch: Die Musik
pädagogin Ilsabe Bartels-Kohl (rechts) und
ihr Mann Wolfgang Kohl empfangen in ihrem Wohnzimmer alle 14 Tage Gruppen junger Flüchtlinge
aus Syrien.

Quelle: Joachim Dege

Burgdorf. Am Dienstagabend war es wieder soweit: Pünktlich um 19.30 Uhr stehen der Jurastudent Mahamad Ghandour, der Journalist Yousef Alkuraisch und der angehende Bauingenieur Abdulmajed Altarchan vor der Haustür und klingeln. Es ist nicht das erste Treffen dieser Art, das dem gegenseitigen Kennenlernen und Verständnis dient und auf eine Begegnung beim Neujahrsempfang des Ortsrates von Schillerslage Anfang Januar zurückgeht.

Bartels-Kohl, die eine private Musikschule betreibt, mit ihrem Mann eine der Säulen des Kulturvereins Scena bildet und darüber hinaus den Kleinen Chor leitet, der mit dem Bonhoefer-Oratorium als eine Art Burgdorf-Botschafter durch Deutschland tourt und im Herbst sogar in New York auftritt, spielte beim Neujahrsempfang in Schillerslage auf. Dort kam sie dann mit Asylbewerbern ins Gespräch. So intensiv, dass sie die Männer zu sich einlud.

Sieben nahmen die Einladung an, kamen zu Fuß von Schillerslage zum Försterberg, berichtet Bartels-Kohl. Sehr gesellig sei es zugegangen. Sie selbst habe Chopin an der Orgel gespielt. Ihre Gäste hätten arabische Musik vom Handy abgespielt. Man habe gemeinsam gesungen und getanzt. „Wir haben sie als nette Menschen kennengelernt, die sich freuen, wenn man ihnen Gelegenheit gibt, ihnen näher zu kommen.“

Inzwischen haben sich die jungen Syrer in zwei Gruppen aufgeteilt, kommen alle zwei Wochen vorbei. Bei den Treffen üben sie ihr erlerntes Deutsch, berichten aus ihrer Heimat, erzählen vom Schicksal ihrer Familien. Drei von ihnen haben sich bereits dem Kleinen Chor angeschlossen.

Als sei sie selbst erstaunt, wie leicht Integration funktioniert, sagt Bartels-Kohl: „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal einen Menschen aus Aleppo in meinem Wohnzimmer haben würde.“

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