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Sprachhelfer und Behördenlotsen

Burgdorf Sprachhelfer und Behördenlotsen

Den Weg ebnen in eine Ausbildung oder Arbeit – darin sieht das Jobcenter die wesentliche Herausforderung, die es bei der Integration von Flüchtlingen zu bewältigen gilt. Deshalb finanziert die Behörde zwei Projekte im Mehrgenerationenhaus und bei der Diakonie.

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Die neuen Sprachhelfer aus dem Mehrgenerationenhaus und ihre Unterstützer.

Quelle: Bismark

Burgdorf. „Eigentlich können wir Flüchtlingen erst dann eine Leistung anbieten, wenn das Asylverfahren abgeschlossen ist. Das aber ist zu spät“, beschreibt Dietmar Lange, Geschäftsführer des Jobcenters in der Region Hannover, weshalb seine Behörde jetzt die Kooperation mit den Institutionen eingeht. Sie mussten sich wie das Burgdorfer Mehrgenerationenhaus (BMGH) um den Zuschuss bewerben. „Wir legen großen Wert auf die Kultur- und Sprachvermittlung“, sagt BMGH-Leiterin Ursula Wieker – bislang übernahmen ehrenamtliche Muttersprachler die Aufgabe, den Geflüchteten das Leben in Burgdorf zu erklären. „Nun können wir mit Hauptamtlichen arbeiten und zum Beispiel verbindliche Sprechzeiten der Sprachhelfer anbieten“, sagt Wieker.

Welche Behörde übernimmt welche Aufgabe? Wie läuft der Kita-Betrieb ab? Wo finde ich einen Praktikumsplatz? Jede Anfrage ist anders, jeder Lebenslauf und Start ins Berufsleben ebenfalls, weiß Heide Raupers aus Erfahrung, denn sie kümmert sich vor allem darum, einen Praktikums-, Ausbildungs- oder Arbeitsplatz für die Flüchtlinge zu finden. Sie profitierten vor allem von dem guten Netzwerk in Burgdorf mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten. Die BBS gehöre ebenso dazu wie der Nachbarschaftstreff, die Diakonie oder die Sozialarbeiter der Stadt. „Jeder kennt die Schnittstellen und kann dort andocken“, sagt Raupers.

So sind die Sprachhelfer zu erreichen:

Khalil Al Moghrabi, Techniker aus Syrien, arabisch: Telefon (01 52) 15 35 32 46, donnerstags von 15 bis 18 Uhr und freitags von 10 bis 13 Uhr.

Samad Najm, Jurist aus Afghanistan, dari: Telefon (01 52) 15 33 95 45, montags von 14 bis 16 Uhr und dienstags von 16 bis 18 Uhr.

Mehari Abraham, Meeresbiologe und Lehrer aus Eritrea, tigringe: Telefon (01 52) 15 32 04 17, montags und mittwochs jeweils 16 bis 18 Uhr.

Kagan Bölen, deutsch-türkischer Wirtschaftswissenschaftler, türkisch: Telefon (01 51) 15 07 97 36. Während der Sprechstunden oder per E-Mail info@bmgh.de können Interessierte auch individuelle Begleitungen vereinbaren.

Duo agiert als Behörden-Lotsen

Knapp 15 Formulare, jedes von ihnen eine Din-A4-Seite groß und doppelt bedruckt, nimmt David Summann in die Hand: „Das sind nur die Vordrucke, die Flüchtlinge für das Jobcenter ausfüllen müssen“, sagt der Sozialarbeiter der Diakonie. Darin fragt die Behörde unter anderem den Ausbildungs- und Berufsweg ab, aber auch die Kosten für die jetzige Unterkunft inklusive Energiepass oder Einnahmen, beispielsweise für vermietete Immobilien.

„Das vermag kein Flüchtling allein zu beantworten“, weiß Sozialarbeiterin Imke Fronia aus Erfahrung. Im Gegenteil: Oft fehlten die grundlegendsten Dokumente wie eine Geburtsurkunde. Und: Hinzu kämen zu diesen Formularen weitere, darunter von der Krankenkasse, von Kitas und Schulen, den Ausländerbehörden. „Die Akten füllen sich ganz schnell“, sagt sie und verweist auf die Hängeregistratur mit Papier-Dokumenten, das die Diakonie-Mitarbeiter neben der digitalen Variante immer noch pflegen. „Wir sehen uns deshalb als Lotsen in und zwischen den Behörden“, beschreibt Fronia ihre Arbeit. Das gelte nicht nur für Geflüchtete in Burgdorf, sondern auch in Uetze und Sehnde.

Wie das Mehrgenerationenhaus habe sich auch die Diakonie mit dem Projekt um den Zuschuss des Jobcenters beworben – und den Zuschlag erhalten. Seitdem fahren Fronia und Summann zu den Flüchtlingen in die Unterkunft, tragen die Informationen zusammen, beantragen Förderungen, sie begleiten die Familien oder Einzelpersonen zu Wohnungsbesichtigungen ebenso wie zu den Ärzten. Sie kümmern sich aber auch um die Zusammenführung von Familien (siehe Kasten) und helfen, eine Ausbildung oder Arbeit zu finden. „Das ist für uns der dritte Schritt“, sagt Summann – nachdem die Flüchtlinge einen Aufenthaltsstatus erhalten und sich beim Jobcenter gemeldet haben. „Beim Ankommen in den Kommunen helfen uns allen die Netzwerke“, sagt Fronia. Das gelte für Hauptamtliche wie für Ehrenamtliche, zum Beispiel im Nachbarschaftstreff und im BMGH.

Imke Fronia und David Summann sind telefonisch erreichbar unter (0 51 36) 89 73 40 und (0 15  77) 1 19 51 25. Eine offene Sprechstunde gibt es donnerstags von 16 bis 18 Uhr bei der Diakonie, Schillerslager Straße 9.

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Imke Fronia und David Summann begleiten Flüchtlinge durch den Behördendschungel.

Quelle: Bismark
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