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Der Herr der Räder: Jörg Datkewitz

Burgdorf Der Herr der Räder: Jörg Datkewitz

Eigentlich wollte Jörg Datkewitz im September 2015 nur ausgediente Räder seiner Familie an Flüchtlinge übergeben – daraus entwickelte sich eine wöchentliche Sprechstunde mit der Reparatur ungezählter Zweiräder.

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Der Herr der Räder: Jörg Datkewitz repariert, kontrolliert und kennzeichnet die Fahrräder für Flüchtlinge in der Stadt.

Quelle: Bismark

Burgdorf. „Integration funktioniert nicht, wenn die Leute nur Geld spenden“, ist der 48-Jährige überzeugt und fügt hinzu, die Flüchtlinge brauchten Ansprechpartner und etwas zu tun: „Langeweile ist ihr größter Feind.“ Und deshalb setzt der Burgdorfer, hauptberuflich als Wirtschaftsinformatiker bei einem großen Unternehmen angestellt, nicht nur auf die Mobilität, die die Fahrräder den Flüchtlingen ermöglichen, sondern auch auf Gespräche und gemeinsames Schrauben.

Wenn Datkewitz donnerstags zum Mehrgenerationenhaus kommt, warten dort bis zu 40 Flüchtlinge, deren Rad repariert werden muss. „Eigentlich wäre um 18 Uhr Schluss, doch meist bin ich erst gegen 22 Uhr zu Hause“, sagt der dreifache Vater. Denn es tue ihm in der Seele leid, Menschen ohne Hilfe wieder loszuschicken. „Gerade die Stillen und Leisen kommen oft zu kurz“, hat er beobachtet. Sie warten geduldig, bis Datkewitz die Kette, Gangschaltung, Bremse oder den Sattel repariert hat. „Die meisten Defekte gibt es bei der Beleuchtung und beim Fahrradständer“, weiß er inzwischen. Und er kann mittlerweile die Fachbegriffe für die Ersatzteile aus dem Schlaf – was die Bestellung deutlich erleichtert.

Neben der Reparatur kümmert sich der Burgdorfer, der eigentlich Maschinenbau studieren wollte und nun in der handwerklichen Arbeit seinen Spaß findet, auch um die Ausgabe von gespendeten Fahrrädern. Sie bringt er auf den richtigen technischen Standard, nummeriert sie und übergibt sie dann an Flüchtlinge – mehr als 260 Mal in den vergangenen Monaten. „Wenn die Leute sich mit glänzenden Augen bedanken, ist das einfach ein gutes Gefühl, das für die Arbeit entschädigt.“ Er profitiere aber auch von der Arbeit selbst: „Danach bin ich positiv ausgepowert.“

Einen Wunsch hat Datkewitz für die Zukunft: Er sucht eine Halle oder Garage als Werkstatt, in der er Ersatzteile und Werkzeug aufbewahren kann. „Außerdem könnte ich dort Flüchtlinge bei der Hilfe zur Selbsthilfe anleiten.“

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