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Auf den Spuren der Großeltern

Burgdorf Auf den Spuren der Großeltern

Dem Leben ihrer Großeltern in Burgdorf spürt die Brasilianerin Nathalia Lukjanenko nach – für einen Film. „Viele Menschen in Brasilien kennen die Geschichte des Weltkrieges kaum", sagt sie. Anhand ihrer Familie wolle sie einen bislang unbekannten Aspekt des Krieges zeigen.

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Rudolf Bembenneck (links) und Bürgermeister Alfred Baxmann schauen sich mit Nathalia Lukjanenko alte Unterlagen aus Burgdorf und dem Lager Ohio sowie aktuellere Fotos der Familie aus Brasilien an.

Quelle: Bismark

Burgdorf. Beide Großeltern, erzählt Lukjanenko, stammten aus der Ukraine. Während sich der im westlichen Landesteil aufgewachsene Großvater Petro Lukjanenko freiwillig als Feuerschutzpolizist gemeldet hatte, wurde die im Osten der Ukraine lebende Großmutter Nina Drozdowa als Zwangsarbeiterin nach Deutschland verschleppt.

Die Wege der beiden kreuzten sich zu Beginn der Vierzigerjahre, nachdem Petro Lukjanenko mit der ukrainischen Kompanie der Feuerschutzpolizei nach Burgdorf verlegt wurde. Seine spätere Frau arbeitete zu der Zeit in der Möbelfabrik Voltmer, nach einer ersten Station in der Zuckerfabrik Lehrte. Das Paar heiratete am 7. März 1945, gut einen Monat danach kamen die englischen Soldaten in die Stadt.

Einen weiteren Monat später, am 14. Mai 1945, kam Sohn Hinadi (Genaidy) zur Welt. Er verbrachte die ersten Lebensjahre mit seinen Eltern im Lager Ohio, bis die Familie 1947 von Bremerhaven nach Brasilien emigrieren konnte. Am 16. Juni kam sie in Brasilien an. Dass auch Petro Lukjanenko im Lager Ohio aufgenommen wurde, lässt für Rudolf Bembenneck den Schluss zu, dass der Großvater der Filmemacherin seinen Dienst bei der Feuerschutzpolizei nicht angegeben hat.

Tatsächlich findet sich in späteren Dokumenten unter der Angabe des Berufs „Schauspieler“. Bembenneck und Nathalia Lukjanenko trafen sich am Montag, um über das Filmprojekt zu sprechen – schließlich recherchiert der ehemalige Pastor der St.-Pankratius-Gemeinde seit Jahren mit einem Arbeitskreis für ein Buch über das 
Lager und die damalige Zeit. Es soll am 31. August vorgestellt werden.

Ihren Großvater hat Nathalia Lukjanenko nicht mehr kennengelernt. Sie wurde 1992 geboren. Er starb 1982. Ihre Großmutter lebte bis 1996, wie die Brasilianerin beim Besuch im Rathaus sagte. Von ihr habe sie die Dokumente, Fotos und Unterlagen erhalten, die nun die Grundlage für die Recherchen bildeten. Dass darin ihr Großvater als Schauspieler aufgeführt sei, sehe sie als Möglichkeit an, beider Leben zu verbinden. „Als Filmemacherin mag ich Schauspiel und Geschichte gleichermaßen, das ergänzt sich in dem Fall einfach gut“, sagt die 25-Jährige.

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