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Ein Tête-à-Tête mit achtundachzig Tasten

Burgdorf Ein Tête-à-Tête mit achtundachzig Tasten

Ein Kammerkonzert im ganz besonderen Sinne war es, das die Besucher zum Abschluss der Saison der Burgdorfer Schlosskonzerte am Sonntagabend mit Vadim Chaimovich erleben durften.

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Vadim Chaimovich beendet die Saison der Burgdorfer Schlosskonzerte mit einem sehr berührenden Klavierrezital.

Quelle: Sandra Köhler

Burgdorf. Es mutete an wie ein Blick durchs Schlüsselloch: Als dürfe das Publikum Mäuschen spielen, während der litauische Pianist die Kompositionen erforscht, erkundet, sich zu eigen macht, selbstvergessen, ganz in sich aufgehend. Nicht etwa fehlender Präzision oder Meisterschaft war dieser Eindruck geschuldet. Ganz im Gegenteil. Chaimovich agiert spieltechnisch meisterhaft, ohne Virtuosität als Selbstzweck zu bemühen. Seine Genialität glänzt vielmehr besonders in den zarten, fragilen Momenten. Die hohe Konzentration, die Schlichtheit und Gradlinigkeit seines Spiels, die in großen Teilen sehr zurückhaltende Dynamik: All das sorgte für eine sehr dichte und intime Atmosphäre. Und für völlig andere Wahrnehmungen vermeintlich allzu bekannter Klänge.

Wie geradezu unmozärtlich Mozart klingen kann, erwies sich am Eingangsstück, der Klaviersonate in F-Dur KV 332. Mit feinem, leichten Anschlag, mitunter nur einem minimalen Streicheln der Tasten näherte sich Chaimovich dieser anspruchsvollen Komposition, die nur so strotzt vor Kontrasten. Nicht expressiv und pathetisch, sondern zurückhaltend aber transparent wechselte er von einer Stimmung in die andere. Als nehme er den Kanten die Schärfe, ohne dem Werk unrecht zu tun, ohne dessen Geist zu vernachlässigen. Es war vielmehr, als würden aus den so konträren Stimmungen einzelne Impressionen, die berechtigt nebeneinander stehen. Und die es verdienen, in der Stille nachzuhallen.

Impressionen, Stimmungsbilder: Genau das sind auch die Lyrischen Stücke Griegs sowie die Jahreszeiten, die Tschaikowsky nach Vorgaben des Musikzeitschriftenherausgebers Nikolai Bernard, komponierte, die Chaimovich im zweiten Konzertteil präsentierte: In Töne gegossene, komprimierte Empfindungen, changierend von schwerer, wärmeträger Melancholie wie in Tschaikowskys dem Juni zugeordneter Barkarole bis hin zum leichten, volkstümlichen Walzer Griegs.

Das offizielle Programm endete mit der Fantasie in fis-moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy, ein seltener dargebotenes, opulentes und anspruchsvolles Werk. Druckvoll, präzise, mit sichtlich Spaß am Spiel machte sich Chaimovich auch diese zwischen klassischer Sonate und der freierer Fantasie schwebende Komposition zu eigen. Leidenschaft muss nicht laut und brachial sein: Das Publikum danke ihm für diese Lehrstunde mit nicht enden wollendem Applaus, den Chaimovich mit zwei Zugaben quittierte.

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Vadim Chaimovich beendet die Saison der Burgdorfer Schlosskonzerte mit einem sehr berührenden Klavierrezital.

Quelle: Sandra Köhler

Von Sandra Köhler

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