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Lernen am E-Mobil gehört dazu

Burgdorf Lernen am E-Mobil gehört dazu

Die Zulassungszahlen von reinen Elektroautos oder solchen mit Hybridantrieb, also mit Elektro- und Verbrennungsmotor, sind weiter gering. Gleichwohl ist die Elektromobilität an den Berufsbildenden Schulen Burgdorf (BBS) ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung der Kfz-Mechatroniker geworden.

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Die Auszubildenden Lars Wicke und Alina Ohlendorf trainieren die Fehler-
diagnose am Motor eines Elektrofahrzeuges.

Quelle: Stefan Heinze

Burgdorf. Zwei Millionen Fahrzeuge mit Elektroantrieb im Jahr 2020 auf Deutschlands Straßen lautet das ehrgeizige Ziel der Bundesregierung. Doch 2014 waren von insgesamt 1,88 Millionen Neuzulassungen sieben großer deutscher Automarken laut einer Untersuchung des Center Automo- tive Research der Universität Duisburg-Essen keine 8500 Fahrzeuge mit Hybrid- oder Elektroantrieb. 43 Prozent davon haben zudem Hersteller und Händler zugelassen.

Für Alina Ohlendorf, Auszubildende bei der Üstra im ersten Lehrjahr, gehört die E-Mobilität aber gleichwohl zum Alltag. „Wir haben bei der Üstra mehrere Hybridbusse im Einsatz“, sagt sie. Mit deren Wartung und Reparatur möchte sie sich später auch auskennen. Der Lehrling Lars Wicke hat bei Regiobus immerhin schon einen E-Bus kennengelernt.

Christoph Falkner, Leiter des Bereichs Fahrzeug- und Metalltechnik an der BBS, erwartet zwar nicht, dass die Elektromobilität ein Renner wird. Aber auch wenn es nur wenige Fahrzeuge sind: „Die Monteure müssen kompetent daran arbeiten können“, sagt er. 25 bis 30 Steuergeräte für die Abstimmung von Motor, Getriebe, Bremssystem und anderen Komponenten sind heute schon in konventionell angetriebenen Fahrzeugen in einem Netzwerk verbunden. Das zu verstehen, Fehler zu diagnostizieren und zu reparieren, ist in den Grundlagen bereits Bestandteil der Ausbildung jedes Kfz-Mechatroniker-Lehrlings.

Rund 100 Azubis sind das derzeit im ersten Lehrjahr an der BBS. Jeder dieser Azubis soll später ein E-Fahrzeug spannungsfrei schalten und dann daran arbeiten, beispielsweise ein Kabel tauschen, können. Wegen der großen Konstruktionsunterschiede der Autos sind jedoch Aufbaulehrgänge für die einzelnen E-Fahrzeuge nötig.

Wer sich dann im letzten Halbjahr der Lehre auf die System- und Hochvolttechnik über 48 Volt spezialisiert, darf auch Leistungsmessungen am laufenden Motor machen und die Batteriespannung an der geöffneten Batteriezelle messen. Jeweils knapp 20 Schüler können zukünftig in System- und Hochvolttechnik einen Schwerpunkt setzen.

Damit die Schüler auch an E-Fahrzeugen arbeiten können, hat die Schule ein Elektroauto und eins mit Hybridantrieb angeschafft, dazu einen Hybridlastwagen. Bundesmittel machten die Anschaffungen im Gesamtwert von rund 180.000 Euro möglich.

Mini-Benziner schont Luft am meisten

Wenn es um die Reduktion des Kohlendioxidausstoßes geht, dann sind heutige Elektrofahrzeuge nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss. Das haben jetzt Absolventen der Kfz-Fachschule an den Berufsbildenden Schulen Burgdorf bei ihrer Projektpräsentation dem staunenden Publikum vorgerechnet. Nimmt man alle Arten der Stromerzeugung in Deutschland vom Kohle- bis zum Wasserkraftwerk zusammen, dann werden nach den – nicht mehr ganz aktuellen – Zahlen des Umweltbundesamtes von 2009 rund 570 Gramm Kohlendioxid pro Kilowattstunde ausgestoßen. Ein E-Smart verbraucht nach Herstellerangaben auf 100 Kilometern 16,61 Kilowattstunden Strom. Das entspricht rund 90 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer, legten die Absolventen dar. Zum Vergleich präsentierten die Fachschüler die Verbrauchsdaten ihres Rollermobils, eines Selbstbau-Kleinfahrzeugs.

Der Zweisitzer wird mit dem Motor eines herkömmlichen Motorrollers mit Benzinmotor angetrieben. „Pro verbranntem Liter Benzin werden 2330 Gramm Kohlendioxid freigesetzt“, sagten die Absolventen. Da ihr Rollermobil mit drei Liter Benzin auf 100 Kilometern auskommt, entstehen so nur etwa 70 Gramm Kohlendioxid – 20 Gramm weniger als beim Elektrofahrzeug des Automobilherstellers. Deutlich näher am Kohlendioxid-Ausstoß des Rollermobils ist mit 72,3 Gramm der E-Up von VW, nach BBS-Tests aber nur im Sommer. Im Winter hat er wegen geringerer Batterieleistung nur die halbe Reichweite, verursacht also deutlich mehr Kohlendioxidausstoß.

Wir müssen uns breit aufstellen

Über die Zukunft der E-Mobilität und die Konsequenzen für die Ausbildung der Kfz-Mechatroniker an den Berufsbildenden Schulen Burgdorf sprach unser Mitarbeiter Stefan Heinze mit dem Leiter des Bereichs Fahrzeug- und Metalltechnik, Christoph Falkner (50).

Ist die E-Mobilität der Weg der Zukunft?

Es ist einer von vielen möglichen Wegen, auf denen wir individuell mobil bleiben können. Dieses Gleis wird aber nicht besonders breit werden.

Warum sehen Sie das so?

Ich sehe einen sinnvollen Einsatz von E-Mobilität zum Beispiel im Stadtverkehr und in dicht besiedelten Ballungsräumen, um dort Geräusch- und Abgasemissionen zu reduzieren. Man muss sich aber klarmachen, dass sie dann an anderer Stelle entstehen.

Sind nicht Neuentwicklungen möglich, die der E-Mobilität eine Perspektive in der Breite verleihen?

Bei den Elektromotoren haben wir schon fantastische Wirkungsgrade, die kaum zu toppen sind. Da wird sich nicht viel bewegen. Die Batterietechnik hat physikalische Grenzen, an denen wir relativ dicht dran sind. Optimiert wird sicher noch die Zahl der Ladezyklen für Batterien, bevor diese Sondermüll sind. Hemmnisse für eine umfangreiche Nutzung der Elektromobilität sind die Fahrzeugkosten und die äußerst geringen Reichweiten.

Wie sieht aus Ihrer Sicht eine umweltgerechte Mobilität der Zukunft aus?

Wenn man individuell mobil bleiben möchte, dann muss man sich bedarfsgerecht motorisieren. Das fängt mit dem E-Bike für kurze Strecken an. Dort ist Elektromobilität gut angesiedelt wegen der kleinen Energiemengen, die man braucht. Dann sehe ich ein Feld für verbrauchsarme Leichtfahrzeuge, wie wir sie eigentlich in der Nachkriegszeit – Beispiel Messerschmitt Kabinenroller – als Sparmotorisierung schon mal hatten. Für die kürzeren und mittleren Strecken ist es durchaus sinnvoll, ein Fahrzeug zu nutzen, das viel, viel leichter ist als unsere konventionellen Autos, und das damit weniger Energie verbraucht.

Was bedeutet das für die Ausbildung der Kfz-Mechatroniker an den Berufsbildenden Schulen?

Für uns bedeutet das, dass wir uns angesichts dieses Fächers, der da bei der Mobilität entsteht oder schon entstanden ist, unglaublich breit aufstellen müssen. Es wird die E-Mobilität geben, auch in den Werkstätten. Dementsprechend müssen die Mechatroniker qualifiziert sein, um solche Systeme diagnostizieren und instand setzen zu können.

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