Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Carl Hunze verabschiedet sich aus Politik

Otze Carl Hunze verabschiedet sich aus Politik

Kommunalpolitiker? Und dann noch auf Lebenszeit? Diese ehrenamtliche Karriere hat der Otzer Carl Hunze nie geplant - und doch engagiert er sich seit 42 Jahren im Ortsrat und Rat. Nun endet die Ära, mit Wehmut, aber auch mit Stolz.

Voriger Artikel
Traktor blockiert S-Bahn-Verkehr der Linie 6
Nächster Artikel
Die Geschichte eines Absturzes

Immer im Gespräch: Noch-Ortsbürgermeister Carl Hunze besucht Benjamin (2) und Gabriele Zimba-Melzer in der Krippe.

Quelle: Bismark

Otze. Diese Situation spiegelt Carl Hunzes Leben in Otze wider: Gerade will er an der Krippe vorbeigehen, da spricht ihn Gabriele Zimba-Melzer auch schon wegen einer Schlüssel-Frage an. "Wir ändern die Schließanlage, und dann bekommt Ihr einen Schlüssel", verspricht Hunze, ohne sich lange den Sachverhalt erklären lassen zu müssen, denn er kennt dieses Thema wie alle anderen in seinem Dorf bestens.

Kein Wunder: Schließlich zählt sich der heute 79-Jährige zu den dienstältesten Ortsbürgermeistern der Region. "Vielleicht bin ich das auch schon allein", überlegt er mit Blick auf die Jahreszahlen: 1968 setzte ihn sein Vater das erste Mal als Kandidat auf die Liste zur Kommunalwahl, seinerzeit noch als Mitglied der Wählergemeinschaft Otze. "Wir waren gerade im Urlaub, deshalb habe ich dann schnell nach der Rückkehr unterschrieben, weil ich auf Platz 14 stand", blickt Hunze zurück und weiß noch genau, dass er sich auf diesem Platz sicher fühlte vor einem Ehrenamt. Doch er wurde gewählt und rückte in den damaligen Gemeinderat Otze. Bis zur Gebietsreform 1974 arbeitete er in dem Gremium mit und gestaltete auch den Gebietsänderungsvertrag mit aus.

"Wir haben das Beste für Otze daraus gemacht", bilanziert Hunze und fügt hinzu, dass die Ortschaft vom Zusammenschluss mit Burgdorf und den anderen Kommunen profitiert habe: "Das, was wir erreicht haben, hätten wir als selbstständige Gemeinde nie geschafft", ist er überzeugt. Dazu gehört für ihn der Erhalt der Infrastruktur mit Schule, Kita und Straße ebenso wie neues Bauland. Damit konnte Otze die Zahl von 1800 Einwohnern halten: "Nicht mehr und nicht weniger sind notwendig, damit der Ort so gut aufgestellt bleiben kann."

Wie viele Sitzungen der Kommunalpolitiker, der sich 1973 der CDU anschloss und seit 1974 auch im Burgdorfer Rat mitarbeitet, absolviert hat - er weiß es nicht ganz genau. Aber: "Wenn ich in der Zeit fünfmal gefehlt habe, dann ist es viel." Und er kann sich noch genau an seinen ersten Termin erinnern: Das war am 4. Juli 1974 die Eröffnung des Schützenfestes samt Abschreiten der Patenkompanie. Es war ein verregneter Tag, und damit der Lindenbrink halbwegs vernünftig aussah, ließ Hunze Sand auffahren. "Die falsche Entscheidung", sagt er und schmunzelt ob des Matsches. Immerhin erhielt der Platz kurz danach Straßenpflaster.

Der Zusammenhalt der Vereine und Verbände in einem Verbund, der Aufbau der alten Fachwerkhäuser am Backhausplatz und vor allem die Gründung einer Stiftung, die sich um all das kümmert - darin sieht Hunze seinen Verdienst ebenso wie in der erfolgreichen Teilnahme am Dorferneuerungsprogramm und am Projekt Mein Dorf soll schöner werden. Darauf ausgeruht hat sich der Otzer nie - und auch seine Nachfolger dürften das nicht tun. "Wir brauchen Konzepte für den Ort, falls die Landwirtschaft weiter stirbt", nennt er ein Beispiel. 

Dafür müssten die Kommunalpolitiker zusammenarbeiten, weiß er aus Erfahrung. Das aber gelinge nur, wenn jeder seine persönlichen Interessen in den Hintergrund stelle und das Gemeinwohl in den Vordergrund. "In den vergangenen Jahren hat sich die Gesellschaft verändert, greift der Egoismus um sich." Dabei müsse sich jeder Gewählte bewusst sein, dass er ein Mandat ausübe - und zwar nur im Interesse der Bürger.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6sqadkd8s8m8ccmca85
Wochenmarkt wird zum Weihnachtsmarkt

Fotostrecke Burgdorf: Wochenmarkt wird zum Weihnachtsmarkt