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Sprechen, spielen, Vertrauen finden

Burgdorf Sprechen, spielen, Vertrauen finden

Bei der Integration von Kindern in Kitas fühlen sich 98 Prozent der Leitungen von der Politik im Stich gelassen - das ergab jetzt eine Umfrage der Hochschule Koblenz. Die Kita Südstern in Burgdorf kennt die Probleme nur zu gut, die Mitarbeiter erhalten nun Unterstützung von Nicole Stern.

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Spielend die Sprache lernen: Amelie, Maximilian und Nicole Stern sind vorbereitet für die Kinder aus geflüchteten Familien.

Quelle: Antje Bismark

Burgdorf. Die Kita Südstern bietet Platz für 100 Jungen und Mädchen. Ab 1. August werden darunter zwölf Kinder sein, die mit ihren Familien nach der Flucht in Burgdorf gestrandet sind. "Das stellt uns vor besondere Herausforderungen", weiß Kita-Leiterin Beate Böhlke aus den Erfahrungen der vergangenen Monate.

Denn viele der Kinder ziehen sich aufgrund der traumatischen Erlebnisse während der Flucht zunächst zurück, sprechen kaum oder gar nicht, spielen anfangs auch nicht mit den Gleichaltrigen. "Zu uns kommen Kinder, die auf der Flucht drei bis vier Tage Hunger leiden  und die schlimme Dinge sehen mussten", sagt Böhlke. Sie und ihre Kollegen haben beobachtet, dass die Jungen und Mädchen mitunter in guter Stimmung mit den anderen spielen, dann aber plötzlich aussteigen und nicht mehr reden.

Hinzu komme, dass viele Eltern das System Kita einfach nicht kennen, wie Böhlke festgestellt hat. "Und doch geben sie ihre Kinder an eine Einrichtung ab, von der sie nicht wissen, wie gut sie ihr vertrauen können", beschreibt sie eines der wesentlichen Probleme. Ein Weiteres sei die schwierige Kommunikation aufgrund der unterschiedlichen Muttersprachen.

Auch Doris Lehrke-Ringelmann vom St.-Paulus-Familienzentrum kennt die Situation in der Südstadt: "Die Familien und vor allem die Kinder müssen erst einmal ankommen", sagt sie und bestätigt die Aussage Böhlkes, dass sich Erzieherinnen mit 25 Kindern in einer Gruppe nicht explizit um ein Kind aus einer Flüchtlingsfamilie kümmern können. "Das ist nicht zu leisten", sagt sie.

Deshalb habe St. Paulus für die Familien in der Südstadt und speziell in der Kita Südstern mithilfe der Landeskirche ein stadtweit neues Projekt gestartet: An zwei Tage in der Woche kommt mit Nicole Stern eine Pädagogin in die Kita, die entweder in der Gruppe mit den geflüchteten Kindern spielt und arbeitet oder in Einzelgesprächen versucht, das Vertrauen der Familien zu gewinnen.

Mitunter geht Stern auch ungewöhnliche Wege. So wollte ein vierjähriges Kind die Wohnung der Eltern nicht mehr verlassen, sodass die ausgebildete Religionspädagogin schließlich einen Hausbesuch organisierte - dem weitere folgten. Inzwischen geht das Kind in die Kita. Sie hat zudem die Vorschulkinder auf die erste Klasse vorbereitet, ein Treffen mit den Eltern organisiert, die Abläufe in der Kita erklärt.

Aus Sicht von Böhlke - und der bundesweiten Studie zufolge - benötigen die Kitas diese fachliche Unterstützung. "Der gute Wille der Erzieher ist vorhanden, reicht aber eben nicht aus", bilanziert Lehrke-Ringelmann. Sie kann sich vorstellen, das Projekt bei Bedarf auf andere Kitas auszuweiten. "Es ist ein Angebot für Familien im Stadtteil, die wir dort abholen, wo sie ohnehin sind - in der Einrichtung eben."

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