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OLG: Geld für Pferdesamen ist ein Darlehen

Burgdorf OLG: Geld für Pferdesamen ist ein Darlehen

Ein Burgdorfer Rechtsanwalt muss einer vermögenden Pferdeliebhaberin, der er einen fünfstelligen Geldbetrag für den Kauf von Pferdesamen abgeschwatzt hatte, zurückzahlen. Das ist das Ergebnis eines Vergleichs, den beide Prozessparteien in dieser Woche vor dem Oberlandesgericht in Celle schlossen.

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Im Saal 53 verhandelte das Oberlandesgericht in Celle in dieser Woche den Rechtsstreit um Pferdesamen und zwei kleine Hunde.

Quelle: Joachim Dege

Burgdorf. Geraten Tierfreunde aneinander, geht es bisweilen verbissen zur Sache. Zumal wenn geliebte Tiere und eine Menge Geld im Spiel sind. Mit einem solchen Zerwürfnis hat sich am Dienstag das Oberlandesgericht Celle befasst. Im Saal 53 verhandelte der 6. Senat den Rechtsstreit zwischen einem Burgdorfer Rechtsanwalt und einer begüterten Frau, die ein Faibel für Pferde und Hunde hat.

Der Anwalt züchtet "blutgeprägte" Pferde, wie er in einem wirren Internet-Blog schreibt. Seine Tiere stehen auf einer Weide am Rande Heeßels. Weil die Weide ans Grundstück der Seniorin grenzt, kamen beide ins Gespräch, freundeten sich sogar an. So sehr, dass die Frau dem rechtskundigen Züchter in den Jahren 2012 und 2013 insgesamt 11.630 Euro zum Kauf von gefrorenem Pferdesamen aus den USA überwies, damit der dem erhofften Zuchterfolg Beine machen kann.

Über die Bedingungen des Geldtransfers gehen die Schilderungen auseinander. Die Frau sagt, der Anwalt habe ihr die finanzielle Beteiligung am Zuchterfolg versprochen. Der sei dann aber ausgeblieben. Jedenfalls habe sie bis auf 540 Euro von ihrem Geld bis heute nichts wiedergesehen. Ergo forderte sie ihr Geld zurück und klagte schließlich. Der Anwalt argumentiert, die Geldgabe sei "reine Gefälligkeit" gewesen. Aus der Gabe ergebe sich noch kein Darlehensvertrag. Denn ein Darlehen setze die Rückzahlung voraus, welche nicht vereinbart worden sei. Auch wusch er gleich noch ein wenig schmutzige Wäsche, als er dem OLG vortrug, die Frau sei ehedem alkoholkrank gewesen. Wollte er so deren Glaubwürdigkeit untergraben?

Das OLG zeigte sich unbeeindruckt. Es kassierte die Entscheidung aus erster Instanz. Vorm Landgericht Hildesheim hatte die Frau noch den Kürzeren gezogen, weil sie keine schriftliche Vereinbarung hatte vorlegen können. Die OLG-Richter indessen gaben der Frau Recht. Bei dem Geld könne es sich nur um ein Darlehen handeln. Das legten die Überweisungen und eine E-Mail des Anwalts nahe. Also könne es nur noch um die Modalitäten der Rückzahlung gehen. Der vom Gericht vorgeschlagene und letztlich von beiden Seiten akzeptierte Vergleich sieht nun die sofortige Rückzahlung von 8300,99 Euro vor, zuzüglich 5 Prozent Verzugszinsen. Der Anwalt hat zudem 87 Prozent der Prozesskosten zu tragen. Das macht noch einmal mehrere Tausend Euro. Die Heeßelerin und deren Rechtsbeistand werten den Vergleich als "Erfolg auf der gesamten Linie".

Zumal der Vergleich eine weitere tierische Note zum Inhalt hat: Der Anwalt besaß einst zwei kleine Hunde. Die überließ er der Frau. Als die Freundschaft zerbrach, verlangte er die Tiere zurück - oder aber deren Bezahlung: 1200 Euro pro Hund. Vorm OLG einigten sich nun beide Parteien darauf, dass die Frau dem Anwalt die 13 und 15 Jahre alten Tiere bezahlt und sie als Schoßhunde behalten darf. Womit sich erklärt, warum die Summe, die sie zurückerhält, niedriger ausfällt, als das gewährte Darlehen, welches zudem mit einem Honorar für einst geleistete Anwaltsdienste verrechnet wird.

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