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Beinhorner sind rundum zufrieden

Burgdorf Beinhorner sind rundum zufrieden

Ein Spaziergang durch Beinhorn dauert deutlich länger als der Ort vermuten lässt: Während das Dorf gerade einmal drei Straßen umfasst, ist die Gemarkung mit mehreren Waldstücken, Feldern und Mooren ungleich größer. Ortsvorsteher Klaus Köneke kann über beides viel Historisches zu berichten.

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Darauf ist Ortsvorsteher Klaus Köneke stolz: In Beinhorn spielt der Nachwuchs auf der historischen Dorfmitte.

Quelle: Bismark

Beinhorn. Zwei Zufahrten hat Beinhorn, eine führt hinein, die andere heraus. Oder eben umgekehrt. Denn rund um den Dorfplatz stehen die Häuser wie ein Hufeisen, so wie in den vergangenen Jahrhunderten die fünf Hofstellen angeordnet waren. Diese Reihung lässt sich noch heute ablesen, auch wenn die Zeit im kleinsten Burgdorfer Ortsteil natürlich nicht stehen geblieben ist.

Wer die westliche Zufahrt nutzt, kann sich entscheiden: Rechter Hand geht es in die Straße Alte Schanze, geradeaus in die Straße Am Brink. Dort findet sich auch gleich am Ortseingang die ehemalige Schule, in der einst die sieben Jahrgänge in einem Klassenraum unterrichtet wurden. "Aber ist schon lange her", sagt Köneke und fügt hinzu, das heutige Wohnhaus sei früher auch das Gemeindehaus gewesen.

Immerhin: Auf der anderen Straßenseite findet sich mit einem Nagelstudio ein kleiner Gewerbebetriebe. Kurz vor dem ersten Knick des Hufeisenwegs nach links befindet sich Könekes Hof. Die Familie lebt dort seit Mitte des 16. Jahrhundert, auch die Geschichte der anderen Höfe reicht über Generationen zurück.

Der Weg rahmt den Dorfplatz ein, auf dem sich einst zwei Wege kreuzten. Das ist lange vorbei, heute befindet sich auf dem historischen Areal ein Symbol dafür, dass Beinhorn ein lebendiger Ort ist: Dicht an dicht parken die Plastikautos im feuchten Sand des Spielplatzes als sicheres Zeichen dafür, dass die 25 Kinder und Jugendlichen unter den 140 Einwohnern ihn auch regelmäßig nutzen. Von dort aus haben sie - zumindest im Winter - einen fast freien Blick auf die markanten Holzsilos, in denen zwar keine Silage mehr lagert, wohl aber die Schleiereulen ihre Nester haben.

Und dann gabelt sich die Straße Am Brink. Ein Weg führt schnurstracks zur zweiten Zufahrt, einer in die Feldmark und zum größten Gewerbebetrieb. Köneke geht zunächst links herum und dann gleich wieder rechts und steht damit in der dritten Straße des Ortes, dem Kastanieneck. Dort entstanden in den 1960-er Jahren neue Häuser, die die Einwohnerzahl von seinerzeit 80 auf nun ziemlich stabile 140 angehoben haben. Mehr müssen es nach Einschätzung des Ortsvorstehers auch nicht werden, im Gegensatz zu den anderen Ortschaften setzt der CDU-Politiker - auch im Burgdorfer Rat - eher auf Nachverdichtung denn auf Neubaugebiete.

Ein Wendehammer beendet das Kastanieneck, inklusive geschützter alter Bäume, an denen sich idyllisch das Efeu emporrankt. Mittelfristig, sagt der studierte Bauingenieur und Landwirt im Nebenerwerb, werde der Parasit aber die Bäume zerstören. 

Das Thema Bäume begleitet den 66-Jährigen auch nach der Gabelung der Straße Am Brink in Richtung Kolshorn. Dort findet sich ein kleines Wäldchen mit Schwarzerlen, Eichen und Nadelbäumen. "In Beinhorn gibt es heute mehr als 40 Baumarten", sagt Köneke mit Stolz, schließlich hat auch er etliche davon gepflanzt, zum Teil mit Ablegern aus Frankreich und Kanada.

Und von dieser Stelle aus weist er in Richtung Südosten: Dort liegen das schwarze, braune, weiße und das Seemoor: Die Namen der ersteren ergeben sich aus der Beschaffenheit des Torfes, erzählt der Beinhorner. In der entgegengesetzten Richtung befindet sich das Oldhorster Moor und dort, weitab des Dorfkerns, das letzte Beinhorner Haus. "Beinhorn ist größer als man denkt", sagt Köneke verschmitzt und kann sich wie viele seiner Mitmenschen kaum einen besseren Ort zum Leben vorstellen. Diese Haltung trübt auch der Geräuschpegel nicht, den die Autos auf der nahen A37 und der etwas weiter entfernten A7 verursachen. Immerhin: Mit dem Bau der Umgehungsstraße hat sich der Verkehr auf der B 188 reduziert.

"Wir fühlen uns wohl unter dem Schirm Burgdorfs", sagt Köneke mit Blick auf die dortigen Krippen- und Kitaplätze, in die der Beinhorner Nachwuchs geht, ehe er in die Schulen wechselt. "Wir sind rundum zufrieden und möchten einfach alles behalten, wie es ist", sagt der Ortsvorsteher, zu dessen Gebiet wegen der dort wohnenden Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen auch eine Polizeistation gehört - eine Besonderheit bei einem Dorf in dieser Größe.

Der liebste Ort im Ort

"Ach", sagt Klaus Köneke und spannt die Arme weit, "das ist mein liebster Ort." Er schätze jedes Fleckchen im Dorf, vor allem aber die nahe Natur vor der Haustür - inklusive des Rotwilds, das in der vorhergehenden Nacht den Boden auf dem Hof aufgewühlt hat.

Feiern - klappt auch ohne Verein

Vereine sucht man in dem Dorf vergeblich. Wer Sport treiben will, radelt ins zwei Kilometer entfernte Heeßel oder nutzt den Bus, der direkt vor dem Ort stoppt. Gefeiert wird in Gemeinschaft dennoch: beim Maibaum-Aufstellen oder dem gemeinsamen Grillen nach dem Müllsammeln.

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