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Parforceritt durch eine Klangwelt in Bildern

Burgdorf Parforceritt durch eine Klangwelt in Bildern

Wie klingen eigentlich Bilder, und können sie das überhaupt? Freilich können sie es nicht. Aber Klang vermag Bilder zu erzeugen. Dieses großartige Erlebnis verschaffte der Pianist Tim Ovens in der Reihe Vis à Vis einem auserwählt kleinen Konzertpublikum am Sonntagabend im Schloss.

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Der Pianist Tom Ovens lässt es in einem fulminanten Konzert im Schloss so richtig krachen.

Quelle: Joachim Dege

Burgdorf. Vis à Vis holt seine Zuhörer mit Werken der Klassik in den ihnen bekannten Hörgewohnheiten ab, stößt ihnen ein Tor auf und führt sie hinaus auf das vielen noch ungewohnte Terrain der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. Am Sonntagabend übernahm der in Hannover und Wien lebende Pianist Tim Ovens diese Aufgabe. Eine Konzerthalbzeit lang spielte er fulminant den Klavierzyklus "Bilder einer Ausstellung" von Modest Mussorgski. Dann setzte er mit Minimal Music noch einen drauf, indem er sich an den Tasten des etwas hart eingestellten Bechstein-Flügels einer Sammlung atmosphärischer Klangbilder des zeitgenössischen angloamerikanischen Komponisten und Pianisten Stephen Montague annahm. Für ihn selbst eine Premiere, wie er nach dem Konzert verriet.

Um es vorwegzunehmen: Das Publikum erlebte einen Parforceritt durch eine überreiche Klangwelt, mit der der Pianist unter Anspannung all seiner Kräfte mannigfaltige Bilder in seinen Zuhörern auferstehen ließ. Düstere, farbenfrohe, krawallige sogar und nachgerade von himmlischer Schönheit anmutende: In seiner ihm selbst auferlegten Rolle als Klanggaleristen holte Ovens so ziemlich alles raus, was das Ohr begehrt: vom hauchzarten Anschlag bis zum krachenden Faustschlag auf die Tastaur, von medidativen Improvisationen bis zu donnernden Bassbergen, von rhythmischer Fingerpercussion auf dem Holz des Flügels bis zu Momenten der absoluten Stille nach dem letzten Ton.

Mit seiner mitreißenden Interpretation von Mussorgskis in Musik verewigten Erinnerungen an den Besuch einer Ausstellung des Malers Viktor Hartmann lieferte Ovens bereits gute Gründe für den Konzertbesuch. Noch lange nachhallen werden indessen Montagues sphärische Kompositionen, die Ovens nach der Pause in petto hatte.

JohnnyB.-Tontechniker Christof Raischies streute über die Anlage jede Menge Klangeffekte ein. Zu tosenden Windböen, Uhu-Rufen in der Nacht, Krähengeschrei und splitterndem Glas vom Band schuf der Tastenvirtuose eindrückliche Klanggemälde, von leise fallenden Blättern im Herbst bis zum kopflosen Reiter, den er mit Karacho-Anschlag donnernd durch den Saal des Schlosses trieb.

Nicht minder donnernd fiel der darauf folgende Applaus aus, den Ovens mit der Zugabe "Für Alina" von Arvo Pärts belohnte.

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