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Stadtgärtnern geht nächstes Jahr weiter

Burgdorf Stadtgärtnern geht nächstes Jahr weiter

Das Wetter meint es nicht gut mit den Familien, die sich am Projekt Stadtgärtnern am Ostlandring beteiligen: An diesem Sonnabendvormittag ist es kalt und nass, und nur wenigen sind deshalb zum Arbeitseinsatz gekommen. Trotzdem ziehen Barbara Martens und Angelika Wirtz ein positives Fazit.

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Nikolai Tintow und seine Frau Nina haben in ihrer Parzelle hinter dem Begebgungstreff am Ostlandring Kürbisse geerntet.

Quelle: Sandra Köhler

Burgdorf. Der Herbst ist eingekehrt auf den 42 Parzellen des 2000 Quadratmeter großen Areals hinter dem Nachbarschaftstreff. Vieles, was noch vor wenigen Wochen in voller Pracht stand, ist bereits abgeerntet. Doch einiges gibt es noch, was den Gaumen kitzeln kann: Minipaprika und Petersilie etwa. Nikolai Tintov und seine Frau Nina, beide stammen aus Moldawien, präsentieren stolz zwei Kürbisse, die sie gerade geerntet haben. "Wir sind froh und dankbar, dass wir hier mitmachen dürfen", sagt Nina Tintov. Reichlich Frucht getragen habe die Fläche, die sie erst relativ spät  im Jahr übernommen hätten - als die Vorgänger sich nicht mehr kümmern konnten. Zucchini, Gurken, Erdbeeren, Bohnen.  Als Ärztin weiß Nina Tintov: Selbstangebautes Gemüse ist gesünder. Wie das funktioniert mit dem Gärtnern, das hat sie von ihrer Mutter gelernt. "Die lebte in einem Dorf. Und immer, wenn wir da waren, haben wir ihr geholfen." 

Herbstblumen leuchten bunt im morgendlichen Grau, die Sonnenblumen, die eine syrische Familie gepflanzt haben, trotzen dem Sturm und Regen noch. "Später werden wir sie abernten und die Blüten mit den Samen für die Vögel hinhängen", sagt Angelika Wirtz. Gemeinsam mit Barbara Martens kontrolliert sie, in welchem Zustand sich die 25 bis 35 Quadratmeter großen Gartenstücke befinden. Beide sind zufrieden mit dem, was die Bewirtschafter übers Jahr getan haben: "Die meisten Gärten sehen sehr ordentlich aus." Nicht unbedingt so, wie sie ein deutscher Kleingartenverein vorschreiben würde, aber "es gibt viele verschiedene Vorstellungen von Gärtnern", sagt Martens.

Nicht jedes des Landstücke, die schnell alle vergeben waren, sind in einer Hand geblieben. "Es gab schon Wechsel, manche sind umgezogen, sodass der Garten zu weit weg war. Andere haben mit anderen Dingen zu kämpfen gehabt und konnten sich nicht mehr kümmern." Solche Parzellen wurden dann anderweitig vergeben. Interessenten gab und gibt es reichlich. "Fürs nächste Jahr werden wir erstmal bei allen, die jetzt dabei sind, nachfragen, ob sie sich weiter engagieren wollen", sagt Wirtz. Für den Fall, dass welche frei werden, gibt es schon eine Liste mit Interessenten. "Manche sagen, sie haben zu Hause allein soviel Land bewirtschaftet und möchten gern eine zweite Parzelle", ergänzt Martens. Fürs nächste Jahr ist das Projekt gesichert, was dann kommt, steht noch in den Sternen.

Wie Nikolai und Nina Tintov schätzten viele der Familien aus Polen, Syrien, Afghanistan und anderen Ländern den Austausch über den Gartenzaun, haben Martens und Wirtz erfahren. "Hier gab es gemeinsame Kaffeetrinken und Feiern". Dabei zeigten die Gärtner gegenseitig, wie gut ihre Pflanzen gediehen. Und selbst ins Frühstück im Nachbarschaftstreff haben es selbst angebaute Lebensmittel geschafft. "Eine afghanische Frau brachte Boulani mit, in das Zucchini eingebacken waren. 'Aus dem Garten', sagte sie stolz", berichtet Martens. Schade sei nur gewesen, dass das Wetter gerade für Menschen aus wärmeren Ländern nicht so zum Gärtnern motiviert habe, sagt Wirtz. "Und dass die Tomaten verfaulten. Es war ein Jammer."

Noch besser starten in die zweite Stadtgärtner-Saison

Für die kommende Saison wollen die ehrenamtlichen Koordinatorinnen noch mehr Strukturelles erarbeiten. "Trotz Aushängen waren nicht immer alle zu den Einsätzen da, bei denen es etwa darum geht, die Wege instand zu halten, den Rasen zu mähen und den Kompost zu entsorgen", sagt Martens. Daran wolle man arbeiten und feste Teams bilden, die einmal im Monat  anpackten. Für die Müllentsorgung sind nun Tonnen eingegraben worden. "Es sieht hier viel besser aus als vor den Gärten. Da lag wesentlich mehr Unrat herum", sagt die Koordinatorin zufrieden. Um das Gärtnern noch besser angehen zu können, wollen Wirtz und Martens sich beim BUND und einem Projektberater, der Stadtgärtnern im Sahlkamp in Hannover begleitet, beraten lassen. Und für den Fall, dass im kommenden Jahr die Sonne brenne, dass die Wasserversorgung via Regentonnen an den nahen Gebäuden nicht gewährleistet sein sollte, habe ein Landwirt bereits seine Unterstützung angeboten.

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Von Sandra Köhler

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