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Räuber diente Trio nur als Werkzeug

Burgdorf Räuber diente Trio nur als Werkzeug

Der Überfall auf das Burger-King-Restaurant im April vergangenen Jahres scheint ein abgekartetes Spiel gewesen zu sein: Der Restaurantmanager hatte mutmaßlich seine Finger im Spiel und die Tat mit zwei Berufskriminellen ausgeheckt. Der bewaffnete Räuber indessen diente dem Trio offenbar als Werkzeug.

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Der Restaurantleiter hatte beim Raubüberfall mutmaßlich seine Finger im Spiel.

Quelle: HAZ-Archiv

Burgdorf. Angeklagt sind vier Männer im Alter von 28 bis 39 Jahren. Am Donnerstag wollen Staatsanwaltschaft und die Verteidiger plädieren. Das Gericht spricht dann voraussichtlich noch am gleichen Tag sein Urteil.

Die Vorsitzende Richterin Stephanie Rohe und ihre beiden Schöffen haben es sich nicht leicht gemacht. Sie hörten sich an bisher zwei langen Verhandlungstagen an, was mehr als zwei Dutzend Zeugen Wichtiges und Nebensächliches über die Umstände des Überfalls zu sagen hatten. Sie stiegen tief ein in das komplizierte Kassenwesen der Restaurantkette. Und sie befassten sich in aller Ausführlichkeit mit der Ermittlung und der Auswertung von Handydaten. Schließlich folgten sie auch noch einem psychiatrischen Gutachten, das Hinweise auf die Schuldfähigkeit des Räubers lieferte.

Nach zwei Prozesstagen verdichtet sich dieses Bild: Zwei Männer, beide vielfach vorbestraft, machten einen in der Obdachlosenunterkunft in der Wedemark lebenden Alkoholiker noch betrunkener, als er ohnedies schon war. Als der dann gänzlich willenlos war, drängten sie ihn, den Raubüberfall zu begehen und fuhren ihn dafür nach Burgdorf.

Der 39-Jährige stürmte somit pünktlich zum Restaurantschluss und Kassensturz kurz nach zwei Uhr mit einer Sturmhaube maskiert durch den vom Restaurantmanager geöffneten Hintereingang ins Burger-King-Büro, fuchtelte dort mit seiner Soft-airpistole herum und ließ sich einen Batzen Geldscheine in eine mitgebrachte Tasche stecken. Daraufhin verließ er das Lokal wieder, stieg draußen zu seinem Komplizen in dessen Auto und verließ die Stadt.

So schilderte es der haftbedingt ernüchterte Räuber in seiner zweiten Fassung der Geschehnisse: „Die haben mich als Medium benutzt.“ In seiner ersten Fassung zum Prozessauftakt hatte er noch alle Schuld auf sich genommen, bestritt jede Verabredung mit den drei anderen Angeklagten. Weil er „Panik schob“, wie er zugab. Die Komplizen hätten ihm, nachdem er die Tat zwei Polizistinnen gestanden hatte, eine Tracht Prügel verabreicht und zudem schlimme Drohungen ausgestoßen.

Die Polizei trug sich bereits früh mit dem Verdacht, dass bei dem Raubüberfall nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein konnte. Zu auffällig war das von Zeugen geschilderte Verhalten des Restaurantmanagers gewesen. Zudem hatte sie entsprechende Hinweise bekommen. Als dann der Räuber gegenüber Bekannten und Verwandten von der Tat sprach und diese das bei der Polizei anzeigten, ließen die Ermittler die Handydaten der Verdächtigen auswerten. So stellten sie fest, dass die Männer vor und nach der Tat vielfach miteinander telefoniert hatten.

Die Beute gibt noch Rätsel auf. Der Räuber spricht von 930 Euro, wovon er 310 Euro erhalten haben will. Das Burger-King-Management macht einen Fehlbetrag von 4475 Euro geltend. Wo die Differenz blieb, ist unklar.

Der Psychiater hält den Räuber wegen der schweren Alkoholkrankheit für vermindert schuldfähig. Der Mediziner befürwortet die Einweisung in eine Entwöhnungsklinik.

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