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Auf dem Prüfstand: das eigene Jugendamt

Burgdorf Auf dem Prüfstand: das eigene Jugendamt

„Ich halte das Jugendamt für sehr wichtig“: Mit diesem Satz eröffnete am Donnerstagabend ein Burgdorfer die Diskussion um freiwillige Leistungen, die sich die Stadt möglicherweise auf Dauer nicht mehr leisten kann.

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Gespannt verfolgen die Besucher im Gemeindehaus von St. Nikolaus die Diskussion.

Quelle: Bismark

Burgdorf. Dazu nutzte er eine Veranstaltung der Kolping-Familie, die die Debatte „Quo vadis, Burgdorf?“ mit den Gruppenchefs Gerald Hinz (SPD, Grüne, WGS) und Mirco Zschoch (CDU, FDP) organisiert hatte. Keine der Gruppen verfügt über eine Mehrheit: „Wir müssen also mehr miteinander reden, um eine Lösung zu finden“, sagte Hinz. Das beziehe sich auch auf die Finanzlage der Stadt, über die beide Gruppen derzeit nichtöffentlich berieten. Dort diskutierten die Akteure über jene Angebote, zu denen die Stadt rechtlich nicht verpflichtet sei. „Dazu gehört auch die Frage, ob Burgdorf ein eigenes Jugendamt benötigt“, bestätigte Zschoch die Wahrnehmung des Zuhörers und betonte, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Aber: „Wenn die Region das Jugendamt in der gleichen Qualität betreiben kann, dann müssen wir die Diskussion führen, ob wir es dorthin abgeben.“

Hinz bestätigte, die beiden Gruppen hätten verabredet, sich alle freiwilligen Leistungen anzuschauen und zu prüfen. „Für uns gehört dazu zugleich auch die Frage, nach welchem Schlüssel die Mitarbeiter im Jugendamt wie viele Fälle bearbeiten“, sagte er und fügte hinzu, niemandem sei geholfen, wenn aufgrund von Überlastungen menschliche Unglücke geschähen. Gleichwohl gelte, dass keine der Gruppen momentan öffentlich eine Entscheidung bekannt gebe. „Wir halten uns an die vereinbarte Regel, diese Dinge nichtöffentlich zu prüfen.“

Unter der Moderation von Norbert Gebbe griffen die Zuhörer noch diese Themen auf:

In welchen Bereichen kann Burgdorf den sozialen Wohnungsbau vorantreiben?

Hinz: Als Stadt können wir Investoren nicht anweisen, dass sie bauen sollen. Es gibt auf Bundesebene immer neue Vorgaben, die die Baupreise in die Höhe treiben. Das wirkt sich natürlich auf die Mieten aus. Wir setzen in der Stadt auf Nachverdichtung, wenn es geht. Andere Bereiche, wie unweit der Bahn oder von Parlasca, eignen sich aufgrund der Emissionen nicht für eine Bebauung.

Zschoch: Aus meiner Sicht müssen wir sehr schnell das große Problem seniorengerechter Wohnungen lösen. Viele Ältere verlassen ihre Häuser, die Familien nutzen könnten, nicht, weil sie kein geeignetes Angebot finden. Bei der Planung und dem Bau seniorengerechter Häuser müsste die Stadt eine Hilfestellung geben.

Wie wollen Sie die Marktstraße vom Autoverkehr entlasten?

Hinz: Wir müssen die Ortsdurchfahrt so unattraktiv gestalten, dass die Autofahrer mehr die Ortsumgehung nutzen. Vielleicht sollten wir über eine Schrittgeschwindigkeit nachdenken.

Zschoch: Seit mehr als sechs Jahren höre ich, dass die Ampel an der B188 optimiert werden muss, damit dort mehr Autos fahren. Das müsste die Landesbehörde als erstes ändern.

Ein Zuhörer empfiehlt an dieser Stelle eine Einbahnstraßenregelung aus Richtung Hannover durch die Markt- und Braunschweiger Straße. Die Gegenrichtung sollte über die Gartenstraße oder die B188 geleitet werden. „Das sollte die Stadt für sechs Monate testen.“ Ein anderer warnte genau vor dieser Regelung.

Hinz: Sie sehen, dass wir noch nicht einmal in der Runde hier eine Lösung finden. Und dabei haben wir nicht einmal die Linienbusse berücksichtigt.

Ab wann ist eine Stadt pleite?

Hinz: Bei einer durchschnittlichen Verlust von 1,5 Millionen Euro im Jahr wäre Burgdorf nach 100 Jahren pleite, weil das Eigenkapital aufgebraucht wäre. Aber das kann bei Kommunen nicht passieren.

Wie wird die Einkaufsstadt Burgdorf wieder attraktiver?

Zschoch: Gleich ein ganzes Bündel an Themen sorgt für die jetzigen Problem: Eigentümer, Mietpreise, Ladengröße oder auch E-Commerce. Wir sollten uns als Stadt nicht überheben und sagen wir haben den Schlüssel zum Erfolg. Aber wir haben eine attraktive Atmosphäre, dank des SMB und des VVV – zum Beispiel zu Weihnachten.

Hinz: Mit einem Antrag versuchen wir, ein Paket für Eigentümer zu schnüren und die Vermarktung zu verbessern. Das ist aber nicht kurzfristig zu lösen.

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Gerald Hinz (links) und Mirko Zschoch beantworten die Fragen der Burgdorfer.

Quelle: Bismark
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