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Reparaturcafé ist ein Renner

Burgdorf Reparaturcafé ist ein Renner

Wider die Wegwerfmentalität: Das Reparaturcafé im Freiwilligenzentrum des Vereins Bürger für Bürger hat Hochkonjunktur und findet immer mehr Anhänger. Bisweilen bilden sich bereits Schlangen vor dem Vereinsdomizil an der Mittelstraße.

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Warum wegwerfen, wenn es noch zu reparieren geht? Manfred Lahmann (von links) und Ernst Schmidt bringen im Reparaturcafé des Freiwilligenzentrums an der Mittelstraße das alte Radio von Peter Müller auf Vordermann.

Quelle: Joachim Dege

Burgdorf. Hans Bauer (75), Mitbegründer und dieser Tage gerade erst zum neuen Vorsitzenden des nur 20 Mitglieder zählenden Vereins gewählt, zeigt sich stolz wie Bolle, dass sich das Reparaturcafé mittlerweile zu einem solchen Renner entwickelt hat. Hatte das Tüftler- und Bastler-Eldorado anfangs nur einmal im Monat geöffnet, sind es inzwischen schon zwei Öffnungstage im Monat. Immer am zweiten und am vierten Donnerstag, jeweils von 15 bis 18 Uhr, empfangen die Freiwilligen längst nicht mehr nur Burgdorfer, um ihnen liebgewordene Schätze instand zu setzen. Und dabei erleben sie bisweilen "die tollsten Überraschungen", wie Bauer versichert.


 
Freilich, viele brächten defekte elektrische Geräte mit, die ihnen sonst niemand mehr reparieren wolle. Einmal aber, da habe ein Mann eine riesige Wasserpumpe angeschleppt, die er auf Vordermann gebracht haben wollte. Den habe man natürlich wieder fortschicken müssen. Denn eine solche Reparatur sei nun einmal die Sache von Fachfirmen, denen man schließlich keine Konkurrenz machen wolle, sagt Bauer. Wie man sich überhaupt eher nicht als Dienstleister im ureigentlichen Sinne verstehe, sondern schon mehr als ein Ort der Begegnung. "Bei uns hat eine Anspruchshaltung nichts zu suchen. Hier gibt es einen Kaffee und Kekse. Und dann reparieren wir das gemeinsam." Mit dem Ziel zu vermeiden, dass funktionstüchtige Alltagshelfer unnötigerweise auf dem Müll landen.
 
Mit Wir meint Bauer die mehr als zehn Tüftler und Bastler, zumeist Rentner. Mit Ernst Schmidt beispielsweise ist da ein handwerklich versierter Orgelbauer mit von der Partei. Aber auch ein Computerspezialist, ein ehemaliger Straßenbauer, ein Fernmeldehandwerker, ein Radio- und Fernsehtechniker, eine Buchbinderin und sogar ein Berufsschullehrer für die Fachrichtung Metall mischen mit. Jeder bringt sein eigenes Werkzeug mit.
 
"Uns geht es gut. Da können wir doch was für andere machen", beschreibt etwa Sabine Werner aus Hänigsen ihre Motivation für den Entschluss, ihre Talente im Freiwilligenzentrum einbringen. Sie hat eine Nähmaschine in petto. Wer ein Loch in einem Kleidungsstück gestopft oder Hose gekürzt braucht, für den fädelt sie den Zwirn ein.
 
Das Land fördert den Trägerverein Bürger für Bürger mit 20.000 Euro im Jahr. Davon bestreitet der Verein die Miete für den Ladenraum an der Mittelstraße und kann sich mit Carmen Nolting-Wohlfahrt neuerdings auch noch eine Teilzeitkraft fürs Büro leisten. Das bringt Kontinuität in die Arbeit des Freiwilligenzentrums, die weit mehr umfasst als bloß das Reparaturcafé.
 
Das allerdings ist besonders gefragt. Schon zehn Minuten, bevor das Café öffnet und Schmidt und Manfred Lahmann sich am Drehkondensator des Uralt-Lavendel-Radios von Peter Müller aus Otze zu schaffen machen, stehen die ersten Menschen vor der Ladentür. Bauer sagt, es hätten sich dort in Stoßzeiten auch schon einmal Schlangen gebildet. Bezahlen muss keiner etwas. Gelingt eine Reparatur, spenden die meisten. "Viele zeigen sich dann sehr großzügig", sagt Bauer. An diesem Donnerstagnachmittag hat das Café wieder geöffnet.

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