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Fagott und Flöte sorgen für süße Schwermut

Burgdorf Fagott und Flöte sorgen für süße Schwermut

"Süß ist der Klang der Melancholie": So war das Herbstkonzert in der Reihe "Die vier Jahreszeiten- Barock in Burgdorf " mit dem Ensemble l'aura spira überschrieben. Weltschmerz - was passt wohl besser in die Jahreszeit, die mit fallenden Blättern und trübem Nebel an alles Endliche erinnert?

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Rhoda Patrick (von links), Zvi Meniker und Laura Dalla Libera beschwören die süße Melancholie im Burgdorfer Schloss.

Quelle: Sandra Köhler

Burgdorf. Warm, verhalten, ja fast gedeckt, ein wenig brüchig - vor allem die Kombination der Klangfarben von Blockflöte und Fagott machten den Zauber der Schwermut in den Werken von Telemann, Graupner und Böddecker greifbar.

Erstmals hatten die Besucher der Konzertreihe das Pläsier, das Fagott leibhaftig zu erleben. Für manchen Zuhörer war der Klang des Holzbläsers, der in seinen Anfängen als Soloinstument deutlich tiefer war, doch recht ungewohnt. Besonders der Beiklang der Klappen wirkte auf einige anfänglich irritierend. Doch die Meisterschaft, mit der Oboistin Rhoda Patrick, Flötistin Laura Dalla Libera und Zvi Meniker am Cembalo barocken Weltschmerz zelebrierten, sorgte trotz des Themas für laute Begeisterungsstürme. 

"Wir haben die Sonate in f-Moll von Telemann bewusst an den Anfang gestellt, weil diese Tonart für die Melancholie steht", erläuterte Dalla Libera, die die Konzertreihe verantwortet. Insbesondere der erste Satz "Triste" mit seiner klagenden Melodik, den kühnen Harmonien und dem matten Klang versetzte die Zuhörer im ausverkauften Saal des Burgdorfer Schlosses in das Gefühl gramvoller Wehmut. Das ursprünglich für Fagott und Basso Continuo komponierte Werk boten die Musikerinnen abwechselnd mit Flöte und Fagott als Melodieinstrument dar. Mit geradezu spielerische Leichtigkeit machten sie die hohen technischen Anforderungen der Komposition vergessen.

Sehr spannend auch die Sonata sopra Monica von Philipp Friedrich Böddecker: Das zugrundeliegende Lied beschreibt die Klage eines Mädchens, das Nonne werden soll und es nicht will. Böddecker lässt das Cembalo die Melodiestimme, die Kirchenbesuchern auch als "Von Gott will ich nicht lassen" bekannt ist, ständig wiederholen. Während sich das Fagott in allen Höhen und Tiefen darum windet.

Mit Bachs Präludium und Fuge in a-moll für Cembalo zeigte Meniker nicht nur seine Virtuosität. Sondern interpretierte auch mitreißend ein Stück, das gegen Telemanns elegante und aufgeräumte Stücke so dicht und kompliziert verwoben erschien, das man es am Besten mit geschlossenen Augen verfolgte.

Von Sandra Köhler

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