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Rundgang zeigt Stadt in den Sechzigern

Burgdorf Rundgang zeigt Stadt in den Sechzigern

Nostalgie siegt über nasskalt: Trotz ungemütlichen Wetters hat sich eine Handvoll Teilnehmer am Sonntag den die Ausstellung „Mini, Mofa, Mauerbau“ ergänzenden Streifzug durchs Burgdorf der Sechzigerjahre nicht entgehen lassen.

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Abriss statt Sanierung: Der Parkplatz an der Ecke Hannoversche Neustadt/Feldstraße zeigt den Zeitgeist der Sechzigerjahre. Brigitte Jannsen führt die Rundgangteilnehmer durch die Stadt.

Quelle: Köhler

Burgdorf. Dabei trafen die Stadtführer Brigitte Jannsen und Peter Pfeiffenbring auf echte Kenner, die bereits kurz nach Beginn des Rundgangs tüchtig in Erinnerungen, etwa an „Burgdorfs verrufenste Kneipe, die Ponydiele“, die sich neben dem Pferdemetzger, in etwa dort, wo das Büro des SoVD ist, befand, schwelgten. Souverän lösten sie auch die meisten Fragen, die sich die ehrenamtlichen Stadtführer für das begleitende Quiz ausgedacht hatten.

Nur bei der Frage, ob denn bei der geplanten Eröffnung des neuen Black Horse in dem ehemaligen Gebäude der Landwirtschaftlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft an der Bahnhofstraße im Jahre 1969 a) die Türen verschlossen, b) der gebuchte Stargast fern blieb oder c) der Getränkelieferant zu wenig Bier gebracht hätte, lagen alle falsch. In der Tat hatte das Bauamt nach einer Besichtigung die Türen versiegelt, weil ihm die Notausgänge nicht passten. Eine Woche später als geplant konnte Kurt Singelmann dann Eröffnung feiern.

Dieser war es auch, der die legendären Lords für den 6. Juni 1966 zu einem Konzert nach Burgdorf einlud und mit der geplanten Autogrammstunde in seinem Radio- und Fernsehgeschäft nicht nur für Fanmassen auf dem Spittaplatz, sondern auch für einen Wasserwerfereinsatz sorgte, der in die Annalen der Stadt eingegangen ist. Daran, dass die Lords ihrer wallenden Haarpracht wegen einen Tag später nur mit Badekappen ins Schwimmbad durften, erinnert sich Pfeiffen-bring immer noch gern. Im Bahnhofshotel vergnügen sich die Teenies gegen Eintritt an einer Carrerabahn.

Die Sechziger in Burgdorf, das heißt auch: Noch gibt es keine Hochbrücke, stattdessen vier Bahnübergänge zwischen Bahnhof und Celler Tor. Die nicht nur für reichlich Blechlawinen, sondern auch für handfeste Probleme sorgten. Etwa, als die Polizei zu einem Überfall gerufen wird und mit Blaulicht vor der Schranke warten muss. Genau wie die Feuerwehr, als sie zu einem Brand in einer Holzhandlung gerufen wird.

Altstadtsanierung mit der Spitzhacke: Da Fachwerk absolut out ist, werden zahlreiche historische Gebäude abgerissen und durch nach damaligem Dafürhalten moderne und schicke Neubauten -„quadratisch, praktisch, gut“, nannte es Janssen - ersetzt. Der zuständige Bauamtsleiter trägt den Spitznamen „Flachdach-Meier“. Ihm sollte in den Siebzigern der „Fachwerk-König“ folgen.

In der Deutschen Bank am Spittaplatz eröffnete ein Kaufhaus mit einem spektakulären Auftritt des Stuntman Arnim Dahl. Und wo heute an der Marktstraße die Kind-Reklame leuchtet, war der erste Kramerladen. „Die hatten eine Aushilfe in der Gemüseabteilung, die sehr nett, aber leicht behindert war“, erinnerte sich Rundgangteilnehmerin Hannelore Pirsch. Die erst mit Mitte 20 nach Burgdorf übergesiedelte geborene Ostpreußin lief allen anderen in puncto Wissen den Rang ab und darf sich jetzt „Leuchte von Burgdorf“ nennen.

Von Sandra Köhler

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