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Hackedicht auf der Bühne – Schüler reden mit

Burgdorf Hackedicht auf der Bühne – Schüler reden mit

Alkohol – viele Jugendliche aus dem 8. und 9. Jahrgang der Haupt- und der Realschule kennen dessen Wirkung bereits. Das zeigt sich am Dienstagvormittag, als der Schauspieler und Kabarettist Eisi Gulp einen Betrunkenen spielt.

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"Hackedicht - oder was?": Schauspieler und Kabarettist Eisi Gulp bringt nachdrücklich die Folgen von zu hohem Alkoholkonsum auf die Bühne des JohnnyB.

Quelle: Bismark

Burgdorf. Erst torkelt er über die Bühne, als sei sie ein zu schmaler Fußweg, dann quatscht er imaginäre Trinkfreunde an der Bar an, ehe er seinen Kopf über einen Stuhl hängt. Kichern im Publikum. „Dafür ist das weiße Porzellanteil eigentlich nicht gemacht, dass der Kopf da eintaucht“, sagt Gulp, der erstmals mit dem Stück „Hackedicht – oder was?“ im JohnnyB. in Burgdorf gastiert.

Es geht um Alkohol, um Drogen und um das Selbstbewusstsein. „Man muss nicht Erfahrungen sammeln, indem man jeden Fehler selbst macht“, mahnt der Schauspieler im besten bayrischen Dialekt, weshalb die Schüler ihm die Szenen auf dem Oktoberfest ebenso abnehmen wie die grantelnde Oma, die eigentlich nichts gegen einen Joint einzuwenden hat. Einen Schatz an Erfahrungen könnten Jugendliche auch über das Beobachten anhäufen: „Einfach mal die Birne einschalten, ob das, was wir unserem Körper antun, auch richtig ist.“

Gut 120 Jugendliche verfolgen das Theaterstück, das die Krankenkasse Knappschaft mit dem Kinderschutzbund als Schultour organisiert. „Wir haben uns vor einem Jahr beworben und den Zuschlag erhalten“, sagt Schulleiter Kai Klinge und fügt hinzu, das Stück passe gut zum Projekt „Achtung“. Bei den Schülern kommt der Schauspieler gut an: „Mir hat gefallen, dass er alles sehr humorvoll rübergebracht hat“, sagt Noel (14). Auch dass er die Schüler einbezieht und ihnen Fragen stellt, kommt bei dem Schüler gut an. „Informativ, amüsant und humorvoll“, so fasst Leah-Chiara (15) ihre Eindrücke zusammen. Als Pluspunkte bezeichnet sie zudem, dass Gulp mit dem Publikum interagiere und kurze Szenen spiele. Leona (14) findet es gut, dass das Stück nicht als Vortrag aufgebaut ist: „Das Thema ist lustig aufbereitet, und man nimmt trotzdem viel mit“, sagt sie. Gänzlich unbekannt sind den Neuntklässlern die Szenen nicht: „Solche Betrunkenen sieht man vor allem am Wochenende in Hannover“, sagt Leona. Ihre Mitschülerin Leah-Chiara sieht das Thema gut von der Schule platziert – zumal die Lehrer nach Aussage Klinges es ergänzen mit einer Lehrfortbildung und einer Elterninformationsveranstaltung zum Thema Alkoholmissbrauch.

Neuntklässler 
hinterfragen 
ihren Konsum

Warum sind Drogen verboten, Alkohol aber nicht? Welches Intervall umfasst „oft“ beim Konsum von Alkohol, Schokolade oder Computerspielen? Und kann ein Neuntklässler einen Tag lang auf sein Handy verzichten? Über diese Fragen haben am Mittwochmorgen die Jugendlichen aus dem neunten Jahrgang der Realschule gesprochen. Erstaunlich offen erzählten sie ihren Klassenlehrern und Mitschülern, wann sie Bier oder Wodka trinken, weshalb Hasch aus ihrer Sicht freigegeben werden sollte und warum sie sich keinen Tag ohne Handynutzung vorstellen können.

Denn während der Konsum von Alkohol, Zigaretten oder Spielen stark variiert: Das Handy gehört für viele Neuntklässler zum Leben dazu. „Normalerweise telefoniere ich so um die sechs Stunden“, sagte ein Schüler und fügte hinzu, meist rufe er Freunde an. Seine Klassenkameradin spricht zwar auch gern am Handy: „Aber ich bin jeden Tag auch mehrere Stunden bei Whatsapp“, sagte sie. Schon vor der Schule, manchmal selbst im Unterricht, vor allem am Abend schreibe sie Nachrichten. „Man springt ja auch zwischen Whatsapp oder Snapchat oder Instagram“, ergänzte eine andere Schülerin.

Deutlich differenzierter fielen die Berichte über den Konsum von Alkohol oder Drogen aus. Aus einem „Konsumsack“, den ihre Lehrerin gepackt hatte, zogen sie Chips und Schokolade (vor allem am Wochenende und beim Fernsehen sehr wichtig), Zigaretten (für die Mehrzahl noch nicht so wichtig), Energydrinks (einigen am Wochenende sehr wichtig), symbolhaft ein Dragon-Ball-Z-Buch (gedruckt eher unwichtig, aber als Synonym für Fernsehserien wiederum sehr wichtig). Ein kleiner Flachmann in der Runde ließ die Frage aufwerfen: Ist Alkoholkonsum an jedem zweiten Wochenende oft? Wie oft ist zu oft? Eine Antwort fanden die Schüler nicht, sie reflektierten sehr wohl aber, dass zu viel Konsum – welcher Genussmittel auch immer – zu einer Sucht führen kann.

Und: Unbeantwortet blieb auch die Frage, weshalb der Kauf von Drogen verboten, der von Alkohol hingegen erlaubt ist. Denn in beiden Fällen, das wussten die Jugendlichen zum Teil aus eigenen Erfahrungen, drohe der Verlust der Wahrnehmungen.

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"Hackedicht - oder was?": Schauspieler und Kabarettist Eisi Gulp bringt nachdrücklich die Folgen von zu hohem Alkoholkonsum auf die Bühne des JohnnyB.

Quelle: Bismark
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Von Redakteur Antje Bismark

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