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Schüler drehen Video gegen Fremdenhass

Burgdorf Schüler drehen Video gegen Fremdenhass

"Toleranz - Made in Deutschland" nennt eine BBS-Klasse ihr Projekt aus dem Politikunterricht, das sie jetzt auch weltweit teilt: Die 21 Schüler haben über Wochen an einem Musikvideo gegen Fremdenhass gearbeitet. Auf das Ergebnis sind die Elftklässler stolz. Zu Recht.

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"Wach auf" heißt der Titel eines Musikvideos, das die Klasse FT18A des Beruflichen Gymnaisums entwickelt und jetzt produziert hat.

Quelle: Antje Bismark

Burgdorf. "Solange du noch denkst, dass du 'was Besseres bist, hast du noch nicht verstanden, was Menschsein wirklich ist" - heißt es in einer Strophe des Liedes, mit dem sich die 16- bis 20-Jährigen klar positionieren. "Wir hatten zu Beginn des Schuljahres das Thema Flüchtlinge im Politikunterricht", sagt Sefkan rückblickend. Ihr Lehrer Holger Bleeker beschäftigt sich privat mit der Musikproduktion, wohl auch deshalb setzte sich die Idee des Musikvideos gegen andere Vorschläge durch. Sechs Monate, mehrere hunderte Arbeitsstunden später liegt das Ergebnis nun in digitaler Form vor.

"Wir haben nicht geahnt, wie viel Arbeit das machen würde", räumt Jule ein. Zwar sorgte Lehrer Bleeker für den richtigen Ton und Rhythmus, doch dann legten die Schüler los. In einer Gruppe schrieben sie den Text mit Versmaß und sinnvollen Reimen, eine andere Gruppe entwickelte das Logo, wieder andere gingen mit Justin als Regisseur und mit Kameras ausgerüstet auf die Suche nach den richtigen Motiven. "In Burgdorf haben wir im Stadtpark gedreht, in Hannovers Zentrum wegen der vielen Menschen", sagt Justin. Einige Schüler agierten auch vor der Kamera - mit weißen Masken. "Zum einen wollten wir damit zeigen, dass alle Menschen gleich sind", sagt Jule und fügt hinzu: "Zum anderen wollten wir unsere Gesichter nicht so deutlich zeigen." Gut fünf Stunden Videomaterial sowie Sequenzen von Fernsehreportagen landeten schließlich in dem vierminütigen Clip. 

Für den gesanglichen Part hätten sich die Elftklässler des Beruflichen Gymnasiums Technik gern mehr professionelle Unterstützung gewünscht: "Das Singen gehört nicht zu den großen Stärken", sagt Bleeker schmunzelnd. Letztlich versuchten sich Okan und Sefkan als Rapper, außerdem halfen Freunde und Bekannte mit ihren Stimmen aus. Etwa 120 Tonspuren mischte der Lehrer, ehe der Berliner Andreas Balaskas professionell und kostenlos die Feinarbeit übernahm - er mastert sonst auch Fernsehsendungen.

"Definitiv zufrieden" ist die Klasse, wie Sefkan sagt. "Unsere Botschaft war, andere Menschen zu überzeugen, dass Flüchtlinge nicht freiwillig auf der Flucht sind." Das gefalle nicht jedem, sagt Bleeker. Deshalb habe er bei Youtube die Kommentarfunktion so eingestellt, dass jede Nachricht genehmigt werden müsse. "Diejenigen, die dislike klicken, sind genau die, die wir erreichen wollten", sagt Sefkan. Bisher habe er viele positive Rückmeldungen erhalten, ergänzt Justin. Aber: "Andere finden es nicht so gut, dass wir den toten Flüchtlingsjungen zeigen. Für uns gehört das aber dazu."

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