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Wer zieht in Schulneubau am Berliner Ring?

Burgdorf Wer zieht in Schulneubau am Berliner Ring?

Sollen Gymnasiasten in den Neubau für die Gudrun-Pausewang-Grundschule (GPGS) ziehen oder wie geplant die Grundschüler? Das ist das Thema der öffentlichen Sondersitzung, zu der der Bau- und der Schulausschuss des Rats am Dienstag, 18. Oktober, 17 Uhr, im Schloss zusammenkommen.

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Der Neubau des Schulgebäudes ist begehrt: Geplant ist er für die Gudrun-Pausewang-Grundschüler, doch es könnte auch die Realschüler und Teile des benachbarten Gymnasiums einziehen.

Quelle: Anette Wulf-Dettmer

Burgdorf. Die beiden Ausschüsse sollen eine Empfehlung aussprechen, der Verwaltungsausschuss der Stadt soll am 25. Oktober die Entscheidung fällen.
Hintergrund der Debatte ist der bislang von Politik und Stadtverwaltung unterschätzte Raumbedarf des Gymnasiums.

Anfang September hatte der Schulausschuss die Stadt zu prüfen beauftragt, welche Auswirkungen es hätte, wenn das Gymnasium in den Neubau am Berliner Ring einzieht. Geplant ist das Gebäude für eine dreizügige Grundschule mit Mensa und Bibliothek. Letztere sollen Grundschüler und Gymnasiasten gemeinsam nutzen. Das Ergebnis dieses Prüfauftrags soll am Dienstag erörtert werden. „Der Beschluss wird nach Beratungsstand formuliert“, heißt es in der Vorlage für die Sitzung.

Konsens zwischen Stadt und Schulleitung ist es, dass am Gymnasium künftig von einer Sechszügigkeit, partiell sogar von einer Siebenzügigkeit, auszugehen ist. Den erhöhten Raumbedarf – so die Idee bis zu jener Septembersitzung – könnte ein millionenschwerer Anbau ans Gymnasium decken.

Laut Schulleitung benötigt das Gymnasium zum Beginn des Schuljahrs 2017/18 bereits fünf weitere Allgemeine Unterrichtsräume (AUR), zum Start des Schuljahrs 2020/21 sogar zwölf, sodass insgesamt 51 AUR gebraucht würden, plus zwei Räume für den Unterricht „Deutsch als Zweitsprache“ und neun Differenzierungsräume für Inklusion. Gegenüber dem aktuellen Schuljahr ist das allein ein Mehrbedarf von 13 AUR. Die Berechnung des Gymnasiums beruht auf dem Prinzip, dass jede Lerngruppe ihre Stammklasse hat. Ohne dieses Stammklassenprinzip stiege der Raumbedarf in den nächsten vier Jahren nur um fünf AUR. So steht es in der Präsentation zur Raumbedarfsplanung, die die Stadt in der Nacht zu Sonnabend für Bürger und Politiker online gestellt hat.

Drei Szenarien hat die Stadt prüfen lassen: Die offenbar kostengünstigste Variante mit einem Volumen von 19,7 Millionen sieht vor, dass die GPGS wie geplant in den Neubau einzieht und das Gymnasium einen Anbau für 7,8 Millionen Euro erhält. Im Herbst 2020 wäre diese Variante fertiggestellt.

24 Millionen Euro hat das Planungsbüro ARGE architektur 21 errechnet, wenn das Gymnasium in das im Bau befindliche Gebäude einzieht und für die GPGS ein Neubau am jetzigen Standort Grünewaldstraße errichtet wird, der Anfang 2021 fertig wäre.

Variante drei: Das Gymnasium erhält den Neubau und der GPGS-Altbau wird saniert. Die Kosten betragen 22,7 Millionen Euro, Abschluss wäre im Sommer 2021.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt

Der alte Rat muss nachsitzen. Dessen Mitglieder im Schul- und im Bauausschuss sollen am Dienstag die Weichen für die künftige Gestaltung der Schullandschaft in der Stadt Burgdorf stellen. Eine Woche später darf dann der alte Verwaltungsausschuss der Stadt sein Votum abgeben. Weder der alte noch der neue Rat aber wird zu diesem wichtigsten Thema der Stadtentwicklung der nächsten fünf bis zehn Jahre überhaupt angehört.

Warum? Klar, die Zeit drängt. Zum einen arbeiten im Neubau der Gudrun-Pausewang-Grundschule die Handwerker weiter, zum anderen braucht nicht nur das Gymna­sium mehr Platz, auch das Realschulgebäude, das sich IGS- und Realschüler momentan teilen, ist bereits zu klein. Eine Entscheidung muss her. In der Sitzung des Schulausschusses Anfang September hatte Bürgermeister Alfred Baxmann noch erklärt, dass es Monate dauern werde, die Auswirkungen eines Einzugs des Gymnasiums in den Neubau für die Gudrun-Pausewang-Grundschüler zu prüfen – und Kosten könnte man schon gar nicht nennen.

Vier Wochen später liegt nun eine entsprechende Präsentation samt Kostenkalkulation vor. Sie ist sehr aufwendig – um nicht zu sagen: unübersichtlich – gestaltet und bezieht sich allein auf Gymnasium und Grundschule, alle anderen Schulen werden ausgeblendet. Dabei konnte man in den jüngsten Sitzungen beobachten, wie sich viele Ratsmitglieder gefreut haben, dass die Stadt jetzt zumindest anfängt, einen Schulentwicklungsplan zu entwerfen.

Wenn es am Dienstag tatsächlich darum gehen soll, einen Weg zu finden, der die Schüler jenseits jeder Ideologie bestmöglich fördert, ohne die Stadtfinanzen zu überfordern, dann muss auch das seit zwei Wochen vorliegende Konzept der Leiter aller Schulen auf den Tisch. Das wäre redlich. Denn dieses Konzept bietet die Möglichkeit, flexibel auf die wachsenden Schülerzahlen reagieren zu können. Und – noch wichtiger – es verschafft der Stadt Zeit, ein Konzept aus einem Guss für alle Schulen auf die Beine zu stellen – und nicht nur Flickschusterei.

Deshalb drängt sich ein anderer Verdacht auf: Noch hat Rot-Grün in den Ratsgremien die Mehrheit. Im neuen Rat mit seinen sieben Fraktionen, der sich am 3. November konstituiert, sind die Karten neu gemischt. Soll es deshalb schnell gehen? Das wäre bitter. Im Interesse der Glaubwürdigkeit gegenüber den Wählern sollte die für Dienstag geplante Sondersitzung ersatzlos gestrichen werden.

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