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Seelsorge gibt es auch im Netz

Burgdorf Seelsorge gibt es auch im Netz

Ob E-Mails schreiben oder Fahrkarten buchen - immer mehr Dinge erledigen die Menschen im Internet. Dass es auch kirchliche Seelsorge im Netz gibt, ist noch wenig bekannt. Einer der Chat-Seelsorger ist der Burgdorfer Pastor Dirk Jonas.

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Im rosa unterlegten Chatroom auf der linken Seite empfängt Pastor Dirk Jonas die Ratsuchenden im Netz, auf der rechten gibt ein Profil über ihn Auskunft.

Quelle: Heinze

Burgdorf. Ein- bis zweimal im Monat setzt sich der Geistliche der St.-Pankratius-Gemeinde an seinen Rechner, loggt sich unter chatseelsorge.de in einen Chatroom ein und „hört“ ehrenamtlich denen zu, die sich auf diesem Wege anonym und vertraulich „aussprechen“ möchten. Jugendliche verleihen dann ihrem Liebeskummer Ausdruck, manche trauern um einen Angehörigen oder überbrücken mit dem Austausch die Zeit zwischen zwei Sitzungen ihrer Psychotherapie. Oftmals seien die Menschen mehrfach belastet, hat Jonas festgestellt. Zunehmend melden sich Ratsuchende, die unter psychischen Erkrankungen leiden.

Der Chat-Seelsorger leistet dann kostenlos Sortierhilfe, bestärkt und assistiert dabei, Ressourcen aufzuspüren, die bei den Menschen aus dem Blick geraten sind. Es geht ihm nicht darum, Ratschläge zu geben. „Wir machen uns gemeinsam auf den Weg, um zu suchen, was jetzt hilfreich ist“, sagt Jonas.

So viel anders als in der Seelsorge von Angesicht zu Angesicht ist das nicht. Doch die Anonymität macht das Angebot niedrigschwellig. Das Internet sei „ein distanzierendes Medium“, beschreibt der Pastor die Stärke des Netzes. Die Distanz ermöglicht in diesem Fall die Nähe. Auch junge Leute, die nicht sofort den Kontakt mit dem Pastor suchen, finden so einen Weg, sich mitzuteilen. Die sogenannten Silversurfer, also die Senioren ab 70 Jahren aufwärts, hingegen tauchen unter den Ratsuchenden noch nicht auf.

Eine halbe bis dreiviertel Stunde dauert der Austausch für gewöhnlich. Etwa die Hälfte der Ratsuchenden kommt wieder. Wenn den Menschen in der Chat-Seelsorge nicht ausreichend geholfen werden kann, verweist Jonas auf die Telefonseelsorge, den örtlichen Gemeindepastor oder hilft, andere Angebote ausfindig zu machen, die Gesprächsgruppe eines Hospizdienstes vor Ort zum Beispiel.

Die Berater der Chat-Seelsorge sind meist Pastoren, Diakone oder Sozialarbeiter, bringen also Erfahrung aus der Beratungsarbeit mit. Die Teilnahme an Supervision und Fortbildungen ist für sie verpflichtend. „Die Fülle der Beratungsangebote im Netz ist groß“, sagt Jonas. Er empfiehlt zu prüfen, welche Kompetenzen die Gesprächspartner mitbringen, bevor man Kontakt aufnimmt.

Ratsuchende bleiben anonym

Die Chat-Seelsorge unter der Internetadresse chatseel?sorge.de ist montags und mittwochs von 20 bis 22 Uhr erreichbar. Von den rund 30 ehrenamtlichen Seelsorgern sind jeweils zwei pro Abend als Gesprächspartner im Einsatz, ein weiterer als Moderator. Ratsuchende gelangen zunächst in einen öffentlich zugänglichen Chatroom. Die individuelle Beratung ist dann nicht- öffentlich. Nutzer können sich mit einem selbst gewählten Nicknamen anmelden oder als Gast, bleiben also auf alle Fälle anonym. Die Chat-Seelsorge gibt es seit 2006. Sie ist ein Angebot der evangelischen Kirche. Getragen wird es von der Landeskirche Hannovers in Kooperation mit der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Chat-Seelsorge ist nicht das einzige Angebot im Netz. In katholischer Verantwortung gibt es die Webseelsorge via E-Mail (webseelsorge.de), aus der Schweiz eine E-Mail- und auch SMS-Seelsorge (seelsorge.net).

von Stefan Heinze

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