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Sprachschüler sind hochmotiviert

Burgdorf Sprachschüler sind hochmotiviert

Um 30 schulpflichtige Kinder aus Flüchtlingsfamilien kümmert sich Maria Leykum: Sie meldet die Jungen und Mädchen an, hält den Kontakt zu den Schulen und hilft bei Klassenfahrten. Ehrenamtliche Lehrer helfen bei der Sprache.

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Eva Hoffmann unterrichtet die Flüchtlinge im Nachbarschaftstreff in deutscher Sprache.

Quelle: Bismark

Burgdorf. In neun Häusern am Ostlandring hat die Stadt Burgdorf nach Aussage Maria Leykums inzwischen 23 Wohnungen angemietet, in denen bis zu 90 Flüchtlinge wohnen. „Darunter sind 30 schulpflichtige Kinder“, sagt die ehemalige Lehrerin. Sie hat im Nachbarschaftstreff und in Absprache mit der Stadt vor gut zwei Jahren die Aufgabe übernommen, für jedes Kind die richtige Schule zu finden.

„Dabei hilft mir meine berufliche Erfahrung“, sagt sie und fügt hinzu, allein zehn Jungen und Mädchen besuchten die Gudrun-Pausewang-Grundschule. „Und die nächste Anmeldung steht bevor.“ An der Haupt- und Realschule sowie an der IGS lernten jeweils acht Kinder, jeweils zwei sind es am Gymnasium und an der BBS.

Als Grundlage für die Anmeldung dienten die Gespräche mit den Familien und die Vorbildung der Flüchtlinge: „Die beiden Mädchen, die jetzt ans Gymnasium gehen, sprechen hervorragend Englisch, das erleichtert das Lernen“, nennt sie ein Beispiel. Bei älteren Schülern gebe es die Vereinbarung, dass sie direkt an die BBS geschickt würden.

„Es reicht aber nicht, die Kinder anzumelden“, weiß Leykum aus Erfahrung. Sie holt die Lernbeihilfe für die Familien von der Verwaltung ab, begleitet die Eltern zu den Sprechtagen, hält den Kontakt zu den Lehrern und Sprachlerngruppen, schaut sich Hausaufgaben an und erklärt auch, weshalb Kinder bei Krankheit in den Schulen abgemeldet werden müssen. Und nicht zuletzt steht sie mit Rat zur Seite, wenn die Jungen und Mädchen nicht an einer Klassenfahrt teilnehmen können, weil sie aufgrund ihrer Erlebnisse die Trennung von den Eltern scheuen.

„Bei all dem klappt die Zusammenarbeit mit den Lehrern und Schulen hervorragend“, sagt die Pädagogin, die weiß, wie viel Kraft und Mühe dies mitunter für die Kollegen bedeutet. Sie sieht aber auch eine große Bereitschaft der anderen Eltern, sich um die Neuankömmlinge zu kümmern. „Und für die Kinder ist das sowieso kein Problem.“ Gleichwohl benötigen die Familien noch Unterstützung: Sie bekommen zur Erstausstattung zwar ein Schrankteil, einen Stuhl oder auch ein Bett. Aber ein Tisch, an dem die Kinder ihre Hausaufgaben erledigen können, gehört ebenso wenig zur Erstausstattung wie ausreichend Geschirr, Töpfe oder auch Spielsachen. „Wir können wegen des Platzmangels nicht viel lagern, würden uns aber über Spenden freuen“, sagt Leykum.

Wer den Nachbarschaftstreff und damit die Familien unterstützen will, kann vorab nachfragen per E-Mail an nachbarschaftstreff.burgdorf@gmx.de oder unter Telefon (05136) 8780399. Dort können sich auch Freiwillige melden, die für die Zehn- bis 15-Jährigen ein Fahrradtraining oder ein Fahrrad anbieten. „Denn gerade die Älteren müssen ja zur Schule kommen, dafür fehlen uns schlicht die Räder“, sagt Leykum und hofft auf Hilfe.

Die Sprachschüler sind hoch motiviert

Etwa zehn ehrenamtliche Lehrer unterrichten in drei Gruppen bis zu viermal wöchentlich gut 40 Flüchtlinge und Asylbewerber, die in Wohnungen am Ostlandring leben. „Die Kunst ist, allen Teilnehmern gerecht zu werden“, sagt Karin Schibel, die regelmäßig die Deutschstunden anbietet. Denn einige Neuankömmlinge sprächen bereits aufgrund ihrer Schulbildung ein gutes Englisch, bei anderen müsse sie alphabetisieren. „Obwohl viele von uns als Lehrer gearbeitet haben, stellt dies eine völlig neue Herausforderung dar“, sagt Schibel.

Manch einer schreibe eine Seite in wenigen Minuten voll, andere hätten dann erst einige Worte oder Silben geschafft. Es sei deshalb gut, dass sich die Lehrenden über ihre Erfahrungen austauschen können, das Lehrmaterial gemeinsam auswählen und über eine Art Klassenbuch dokumentieren, wer welchen Stoff unterrichtet.

Bei Eva Hoffmann und ihrer Gruppe geht es derzeit um Tiere, eine Gans mit weißen Federn wird aktuell beschrieben. Und gleich knüpft Hoffmann an die deutsche Tradition der Martinsgans und der Gänsebraten zu Weihnachten an. „Wir könnten noch viel mehr Kurse anbieten“, sagt Maria Leykum, die sich ebenfalls im Nachbarschaftstreff engagiert. „Aber uns fehlt der Raum.“ Nun hofften alle auf freie Kapazitäten in der St.-Paulus-Gemeinde. Denn über den Unterricht lernten sich nicht nur die neuen Nachbarn kennen: „Das Zusammenkommen ermöglicht es den Flüchtlingen auch, die Bräuche und Eigenheiten unseres Landes zu erlernen“, hat Leykum festgestellt. Zudem seien die „Schüler“ hoch motiviert, selbst bei den Hausaufgaben.

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