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Wenn für die Schule das Geld nicht reicht

Burgdorf Wenn für die Schule das Geld nicht reicht

Teure Schulmaterialien bringen Eltern oft an ihre finanziellen Grenzen - vor allem finanzschwache Familien können sich teure Hefte, Stifte oder Malkästen nicht leisten. Die Diakonie will, dass die Beträge für Schulbedarf im Bildungs- und Teilhabepaket erhöht werden und hat eine Petition gestartet.

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Einkommensschwache Familien hadern mit dem großen finanziellen Aufwand für die teuren Schulmaterialien.

Quelle: Isabell Rollenhagen

Burgdorf. Einen neuen Füllfederhalter, Turnschuhe oder Mathehefte: Matthias muss schlucken, wenn einer seiner beiden Söhne wieder etwas für die Schule braucht. Der 66-jährige Burgdorfer ist nach einer Krebserkrankung arbeitsunfähig, er bekommt vom Staat die Grundsicherung. Rund 150 Euro hat der alleinerziehende Vater pro Woche für drei Personen zum Leben zur Verfügung. Das Geld ist eigentlich immer knapp. Und erst recht, wenn er für die zehn und 13 Jahre alten Kinder Schulmaterialien anschaffen muss.

Die bedürftige Familie bekommt pro Jahr 100 Euro aus dem Topf des Bildungs- und Teilhabepakets (BuT) des Bundes, von denene sie Hefte, Mappen und Stiften bezahlen soll. Für Schulbücher, Mittagessen, Sport, Kultur, Schulausflüge oder Lernförderung gibt es zusätzliche Leistungen. "Doch das Geld reicht nicht für das ganze Schuljahr aus", sagt Matthias, der in Wirklichkeit anders heißt. Seinen richtigen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen, um seine Söhne vor Sticheleien in der Schule zu bewahren. "Grob geschätzt muss ich für alle Schulutensilien 250 Euro im Jahr für jedes Kind ausgeben."

Matthias ist nicht der einzige Vater, den der Schulbedarf an die finanziellen Grenzen bringt. Antje Kuchenbecker-Rose, Schulleiterin der Grundschule Otze und der Grund- und Hauptschule I in Burgdorf, kennt das Problem aus ihrem Job. "Immer mehr Familien müssen das BuT betragen", sagt die Pädagogin. Zwar begrüße sie den Gedanken des BuT, finanzschwache Familien bei der Ausstattung der Kinder mit Schulmaterialien zu unterstützen, "doch das ist ein Tropfen auf den heißen Stein, der Betrag reicht vor allem in den höheren Klassen nicht aus". Außerdem würden die Lernmittel immer teurer werden.

Auch Kirchenkreissozialarbeiter Friedhelm Neumann weiß, dass in Burgdorf regelmäßig finanzschwache Familien Probleme haben, wenn sie Schulmaterialien anschaffen müssen - trotz des staatlichen Zuschusses. Deshalb fordert die Diakonie, dass die Leistungen durch eine Gesetzesänderung an den Bedarf angepasst werden und der tatsächliche Schulbedarf wissenschaftlich ermittelt wird. Das würde auch Matthias und seinen Söhnen helfen. "Denn ich möchte für meine Kinder nur das Beste."

Von Isabell Rollenhagen

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