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SMB wäscht schmutzige Wäsche

Burgdorf SMB wäscht schmutzige Wäsche

Die Entscheidung im Streit zwischen dem Vorstand des Vereins Stadtmarketing Burgdorf (SMB) und seinem Schatzmeister Bernd Gessert ist auf den 3. August vertagt. Dann werden die Mitglieder darüber befinden, ob sie dem Vorstand folgen oder Gessert, der die Abwahl des Vorstands fordert.

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Bernd Gessert, SMB-Schatzmeister: "Ich habe nur leere Ordner gesehen, keine Rechnungen."

Quelle: Bismark

Burgdorf. Die 14. Mitgliederversammlung seit Bestehen des SMB hatte es in sich. Die beiden Lager nutzten die Versammlung am Montagabend im StadtHaus, um schmutzige Wäsche zu waschen. Zu einer Kampfabstimmung kam es am Ende nur deshalb nicht, weil Zweifel bestanden, ob der Vorstand korrekt eingeladen hatte. Der Anwalt und Exstadtdirektor Leo Reinke rügte die Form der Einladung, die per E-Mail erfolgt war. Kaufmann Gerhard Petrick sagte, er selbst und andere hätten keine Einladung bekommen. Etwaige Beschlüsse hätten damit womöglich rechtlich keinen Bestand gehabt.

Der Vorstand präsentierte den Wirtschaftsbericht fürs zurückliegende Jahr. Üblicherweise hätte er danach entlastet werden sollen. SMB-Vorsitzender Markus Wzietek ließ darüber aber nicht abstimmen, nachdem es heftige Kritik am Zustandekommen des von Wirtschaftsprüfer Ingo Willardt zusammengestellten Zahlenwerks gesetzt hatte. Schatzmeister Bernd Gessert behauptete, er sei vom Rest des Vorstands in der Ausübung seines Amtes behindert worden. Man habe ihm nur ein kleines Zeitfenster von zwei Stunden pro Woche zugebilligt, in dem er Zugang zu Belegen für die Geschäftstätigkeit des SMB hatte. Rechnungen seien ihm gar nicht oder unvollständig vorgelegt worden.

Wzietek entgegnete, der Schatzmeister sei im Normalfall der "Herr der Zahlen" und hätte die Zahlen gerne einsehen dürfen. Er habe das aber nicht getan. Im Übrigen sehe die SMB-Satzung keine spezifischen Aufgaben für die Schatzmeisterfunktion vor. Gessert sei einzig von der Zielsetzung getrieben, Geschäftsführer Gerhard Bleich abzusägen. Der Vorstand habe sich mit Bleich solidarisiert, weil dem nichts vorzuwerfen sei. Seither sei keine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Gessert mehr möglich. Man habe ihn deshalb auch nicht in die Erstellung des Wirtschaftsberichts eingebunden, sagte Wzietek.

Gessert verlas eine Erklärung, in der er seine Vorwürfe gegen Geschäftsführer Bleich und den SMB-Vorstand wiederholte. Bleich habe in der Stadt Geschäftsführerposten angehäuft, die nicht miteinander vereinbar seien: "Niemand weiß, welche Geschäftsbeziehungen stattfinden." Bleich verletze seine Geschäftsführerpflichten beim SMB, handle zuweilen gesetzeswidrig. Der Vorstand lasse das zu. Das sei pflichtwidrig. Und so beantragte Gessert nicht nur, den Vorstand nicht zu entlasten, sondern abzuberufen.

Inga Ali, Geschäftsführerein der Wilhelm Cramer GmbH und Mitglied des erweiterten Vorstands, platzte schließlich der Kragen. Sie sei es allmählich leid. "Das hören wir im Vorstand seit eineinhalb Jahren." Nur Beweise für seine Behauptungen habe Gessert nie vorgelegt.

Wzietek berichtete von einem mit Bürgermeister Alfred Baxmann abgestimmten Vier-Punkte-Plan, mit dem der Vorstand auf Gesserts Kritik reagiert habe und der den SMB wieder in die Spur bringen sollte. Die Umsetzung scheitere aber an Gessert. Der Plan sieht vor: Bleich gibt die Geschäftsführung bei der Stadthaus gGmbH ab. Ein zweiter Geschäftsführer beim SMB kümmert sich um die Finanzen, während Bleich sich aufs operative Geschäft konzentriert. Der SMB gibt sich eine neue Geschäftsordnung. Und Gessert gibt sein Vorstandsamt auf.

Dieses unter Mitwirkung des früheren SMB-Vorsitzenden Karl-Heinz Vehling erarbeitete Konzept habe der Vorstand einstimmig beschlossen, schilderte SMB-Vize Heiko Nebel. Nur wolle Gessert davon nichts mehr wissen. Er weigere sich abzutreten. Dabei stünden die Zeichen eindeutig auf Trennung, da ein vertrauensvolles Miteinander von Vorstand und Gessert nicht mehr möglich sei. Auch für eine mögliche Mediation sei der Zug abgefahren. Gessert sei im Vorstand isoliert.

Das steht am 3. August auf der Agenda

Mehrere Entscheidungen müssen die 376 Mitglieder in der nächsten Sitzung des SMB am Donnerstag, 3. August, treffen. Dabei geht es um den Antrag von Schatzmeister Bernd Gessert, den gesamten Vorstand abzuwählen. Sollte die Versammlung dem Antrag folgen, müssten sich Nachfolger finden. Das Team um den Vorsitzenden Markus Wzietek hat bereits ankündigt, sich dem Mitgliedervotum zu stellen und das Ergebnis zu respektieren, im Fall der Abwahl aber keine Ämter mehr übernehmen zu wollen. Als Gegenantrag ist zu erwarten, dass die Mitglieder Einzelpersonen aus dem Vorstand abwählen können. Zweiter wichtiger Punkt ist die Satzungsänderung. Sie sieht künftig einen zweiten Geschäftsführer, eine Geschäftsordnung, eine Beschlussfähigkeit von zwei Dritteln der Mitglieder (bislang 51 Prozent) bei Satzungsänderungen vor. Auch der Posten des Schatzmeisters soll nicht mehr explizit genannt werden, er gilt in Zukunft als Vorstandsmitglied.

Auf der Tagesordnung stehen zudem zwei Anträge von Mitgliedern, den Vorstand zu entlasten oder ihm die Entlastung zu verweigern. Diese Abstimmung hatte Wzietek am Montag verschoben – um die nächste juristische Auseinandersetzung zu verhindern. Einige Mitglieder hatten angegeben, keine Einladung erhalten zu haben. „Damit ist das Ergebnis anfechtbar“, sagten Rüdiger Zach und Wzietek, beides Juristen im Hauptberuf, übereinstimmend.

Die Finanzen sind gesund

Die Finanzen des SMB seien gesund, sagte Vorsitzender Markus Wzietek. Mitglied, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Ingo Willardt präsentierte die Zahlen fürs zurückliegende Jahr: In Summe nahm der Verein 359.000 Euro ein und somit mehr als auf der Ausgabenseite mit 347.000 Euro zu Buche schlug. Die Beiträge der 376 Mitglieder erhöhten sich vergangenes Jahr von 143. 800 auf zuletzt 144. 300 Euro. Die Personalkosten sanken von 114.000 auf 113.999 Euro, der Verwaltungsaufwand von 42.000 auf 36.000 Euro. Daran lasse sich ablesen, so Willardt, dass die Mitgliedsbeiträge Personal- und Verwaltungskosten nicht deckten. 60 Prozent seiner Gesamtaufwendungen bestreite der SMB aus Erlösen seiner Aktivitäten sowie Zuwendungen von Sponsoren.

Laut Wzietek waren die wichtigsten Umsatzbringer das Themenjahr mit der Burgdorfer Nacht, die City-Samstage, die Gesundheitstage und der Spargelempfang. Gespart hat der SMB am Wirtschaftsbericht. Der kostet laut Wzietek nur noch 4000 Euro. Als ihn noch der Gründungsvorsitzende Peter Plagens mit seiner Firma Econ erstellte, hätten die Kosten 8700 Euro betragen. Wzietek bestätigte, dass Plagens inzwischen seinen Austritt und den Verzicht auf den Ehrenvorsitz erklärt habe.

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Von Joachim Dege und Antje Bismark

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