Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Kein Geld, keine Papiere, keine Medikamente

Burgdorf Kein Geld, keine Papiere, keine Medikamente

Wegen gewerbsmäßigen Diebstahls hat Amtsrichterin Stephanie Rohe jetzt einen 32-Jährigen erneut ins Gefängnis geschickt - eine Strafe, durchaus im Sinne des Angeklagten. Denn er wartet nach eigenen Angaben auf eine Drogentherapie. Bei einer Entlassung aus der Haft fehlen dafür die Voraussetzungen.

Voriger Artikel
Körper und Geist helfen beim Gesundsein
Nächster Artikel
Ford prallt in Mercedes-Kombi

Amtsrichterin schickt Dieb erneut ins Gefängnis.

Quelle: Symbolbild

Burgdorf. Seit 15 Jahren steht der Mann, der nach eigenen Angaben keine Berufsausbildung abgeschlossen hat und Hartz IV bezieht, immer wieder vor Gericht: 16 Einträge wegen Diebstahls, Drogenhandels und Drogenbesitzes, Erschleichen von Leistungen und gemeinschaftlichen Raubs finden sich in seiner Strafakte.

Nun musste er sich erneut vor dem Amtsgericht Burgdorf verantworten, weil er im Januar drei Flaschen Champagner für 120 Euro im Supermarkt gestohlen hatte. Dabei wurde er erwischt und kassierte außer der Anzeige auch ein Hausverbot. Dagegen verstieß er wenige Tage später, als er erneut versuchte, Champagner zu entwenden, dabei allerdings nur einen leeren Karton erwischte.

"Ich hatte kein Geld, deshalb wollte ich den Champagner verkaufen", sagte der Mann, der momentan eine Freiheitsstrafe wegen eines anderen Diebstahls verbüßt. Er beschrieb einen Kreislauf, den er aus eigener Kraft nicht durchbrechen könne: Bei einer Entlassung aus der Haft verfüge er über kein Geld, weil das Jobcenter zu viel Zeit für die Bearbeitung seiner Unterlagen benötige. Deshalb besitze er auch keine Krankenkassenkarte, die ihm die Behörde aushändigen müsste. "Und darum kann ich an keinem Substitutionsprogramm teilnehmen", sagte er. Seine Pflichterverteidigerin Tanja Brettschneider bestätigte die Erfahrung ihres Mandanten aus Gesprächen mit anderen aus der Haft Entlassenen.

"In der Haft ist er ja schon in der Substitution", sagte sie. Werde diese nicht fortgesetzt, dann seien die Entzugserscheinungen schlimmer als bei einem Heroin-Entzug. "Ich brauche eine Therapie, ich habe die Schnauze voll", sagte der Angeklagte, der die Taten freimütig einräumte. Er habe jetzt eine professionelle Therapie aus der Haft heraus angeschoben und hoffe, dass er einen Platz erhalte.

Weil der 32-Jährige das Diebesgut weiterverkaufen wollte, lautete die Anklage auf gewerbsmäßigen Diebstahl. Für beide Taten forderte der Staatsanwalt eine viermonatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung: "Ihnen fehlt jede positive Prognose", sagte er und fügte hinzu, solange die Drogenproblematik nicht aufgearbeitet sei, drohe eine baldige Wiederholung der Straftaten.

Richterin Rohe sprach von einem Teufelskreis: "Sie gehören sofort nach der Haft in die Therapie." Diese Einschätzung teilten auch der Angeklagte und seine Verteidigerin. "Eine Therapie ist der einzig richtige Weg, andernfalls ist der Rückfall programmiert", sagte Brettschneider auch im Namen ihres Mandanten.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6spbwii5es91l9mp4k4p
Rat peilt die schwarze Null an

Fotostrecke Burgdorf: Rat peilt die schwarze Null an