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Was ist das Gymnasium dem Rat wert?

Burgdorf Was ist das Gymnasium dem Rat wert?

Die Räume werden knapp im Gymnasium. „Und zwar nicht erst in ein paar Jahren, sondern bereits zum kommenden Schuljahr“, sagt Schulleiter Michael Loske und sieht dringenden Handlungsbedarf. Für Dienstagabend hat der Schulvorstand zu seiner nichtöffentlichen Sitzung deshalb auch die Ratspolitiker eingeladen.

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Das Schulzentrum am Berliner Ring: Vorn der halbgerissene C-Trakt, es schließen sich der A- und B-Trakt des Gymnasiums (Mitte) und die Sporthallen (links) an. Dahinter die Gebäude der BBS.

Quelle: Schilke

Burgdorf. Um die Politik mit ins Boot zu holen, hat der Schulvorstand für Dienstag Vertreter aller Parteien eingeladen. „Alle Betroffenen müssen an einen Tisch geholt werden“, betont Helge Schäl, Sprecher des Schulelternrats am Gymnasium: „Das Geld im Haushalt ist nun mal endlich.“ Er erhofft sich vom Schulträger ein positives Signal und ein Bekenntnis zum Gymnasium: „Wir wollen nicht, dass unsere Kinder nur aufbewahrt werden, es geht darum, dass pädagogische Konzepte umgesetzt werden.“

Schulleiter Michael Loske erwartet im Gegensatz zur Stadtverwaltung steigende Schülerzahlen: Statt der für den nächsten fünften Jahrgang prognos- tizierten 111 Anmeldungen erwartet er wesentlich mehr: „Wir wachsen, die Eltern schicken ihre Kinder gern zu uns. Sollen wir etwa ein Losverfahren einrichten, weil wir aus Platzgründen nicht mehr alle aufnehmen können? Momentan hat das Gymnasium 981 Schüler, demnächst werden wir über die 1000 gehen.“ Mindestens vier, eher acht bis neun Klassenräume fehlten.

Deshalb hat der Schulvorstand, der paritätisch mit Vertretern der Schule sowie der Schüler- und Elternschaft besetzt ist, hat die Stadt als Schulträger bereits aufgefordert, ein Raumkonzept zu entwickeln. So sei es angesichts der Raumnot schon jetzt nicht möglich, Klassenverbände in Arbeitsgruppen aufzuteilen, die Fachräume seien durchgängig belegt. „Es geht nicht um eine Neiddiskussion“, macht Elternsprecher Schäl klar: „Die IGS ist im Wachsen, aber das Gymnasium auch nicht im Schrumpfen begriffen.“ Somit sei nicht nachvollziehbar, dass im Haushalt 2016 für die IGS 15 Millionen, für das Gymnasium aber keine Mittel eingeplant seien.

„Wenn es im Gymnasium einen nachgewiesenen, von der Verwaltung bestätigten, Bedarf gibt, dann bekommt die Schule, was sie braucht“, sagt der Ratsfraktionsvorsitzende und Finanzexperte der SPD, Gerald Hinz, in einer ersten Stellungnahme zu den Forderungen der Schule. „Alles was nötig ist, wird gemacht. Doch schon das Nützliche geht fast gar nicht mehr angesichts der Aufgaben, die die Stadt in den nächsten Jahren erfüllen muss.“

„Die Unterrichtsversorgung ist nur ein Baustein“

Die Arbeit der Gymnasien sollte mehr wertgeschätzt und gefördert werden, fordert Michael Loske, Schulleiter am Burgdorfer Gymnasium. Dies offensiv zu vertreten, Schwierigkeiten und Chancen aufzuzeigen war Ziel eines Beitrags in der NDR-Abendsendung Hallo Niedersachsen, in der Loske zu Wort kam. Doch so richtig glücklich ist er nicht über den Bericht, der kürzlich ausgestrahlt wurde. Dieser sei ausschließlich auf Auslöser und Gründe für die Unterrichtsversorgung, die an Niedersachsens Gymnasien so niedrig ist wie zuletzt vor sieben Jahren, fokussiert. Für Loske sind das neben dem Gerichtsurteil, nach dem Gymnasiallehrkräfte die ihnen ursprünglich zugedachte zusätzliche Stunde nicht leisten müssen, vor allem die Abkehr vom Abitur nach acht Gymnasialschuljahren. Trotz einer Unterrichtsversorgung von aktuell nur 95 Prozent werde in Burgdorf komplett nach Stundentafel unterrichtet: „Ausfälle wegen Krankheit gibt es bei uns nicht mehr als an anderen Schule auch“, sagt Loske. In diesem Fall greift ein Vertretungskonzept. „Wenn wir auch diese Stunden mit den entsprechenden Fachlehrern besetzen wollten, bräuchten wir eine Unterrichtsversorgung von mehr als 110 Prozent.“ Möglich sei die komplette Abdeckung der Stundentafel ohnehin nur dadurch, dass die Lehrer am Gymnasium freiwillig mehr Stunden geben. Auch wenn er über die hohe Motivation und den Einsatz seines Kollegiums sehr froh sei, könne das trotzdem keine Dauerlösung sein, sagt der Schulleiter. Die von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt angebotene Möglichkeit zum Austausch darüber, wie Schulen von überbordenden administrativen Aufgaben entlastet werden können, begrüßt er deshalb sehr. Noch mehr wünscht sich Loske allerdings eine Veränderung an der Basis: „Die Attraktivität des Lehrerberufs muss erhöht, die Ausbildung gefördert werden.“ So mangele es beispielsweise flächendeckend an Musik-, Kunst-, und Physiklehrern. Nur mit entsprechend motivierten und gut ausgebildeten Pädagogen lasse sich letztlich die Qualität an den Gymnasien dauerhaft sichern: „Wir bilden sehr gut aus und bekommen dies von Firmen und der Wirtschaft bestätigt“, sagt Loske: „Das soll auch so bleiben.“

Von Sandra Köhler

Das sind die Ursachen

Die sich abzeichnende Raumnot hat drei Ursachen:

  • Die hohe Anwahlquote: Seit September gibt es sechs fünfte Klassen. Dadurch hat das Gymnasium laut Schulleiter Michael Loske bereits jetzt zwei Räume zu wenig, ohne dass Platz für den Differenzierungsunterricht berücksichtigt sei. „Wenn wir 2016/17 ebenfalls sechszügig in Jahrgang fünf starten, dann fehlen schon vier bis sechs Räume.“
  • Die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren.
  • Der Verlust des C-Trakts, den das Gymnasium bis zum Sommer nutzte. Der muss für den Neubau der Gudrun-Pausewang-Grundschule weichen.

Von Anette Wulf-Dettmer

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