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Weniger Maisfelder gefordert

Burgdorf Weniger Maisfelder gefordert

Die Stadtverwaltung soll mit örtlichen Landwirten verhandeln mit dem Ziel, den ausufernden Maisanbau im Burgdorfer Land zu begrenzen und einzudämmen. Das fordert Michael Fleischmann (Die Linke) in einem Ratsantrag und stößt auf Widerspruch in der Landwirtschaft.

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In Sichtweite der Burgdorfer Südstadt (im Hintergrund) wird Mais angebaut.

Quelle: Norbert Korte

Burgdorf. Der Maisanbau explodiere förmlich, sagt Fleischmann, ein Kritiker der wachsenden Zahl von Biogasanlagen. Er verweist auf Flächen südlich von Heeßel und am Rande der Burgdorfer Südstadt, wo der Anbau dramatisch zugenommen habe. Hier müsse die Stadt dringend gegensteuern, damit das Burgdorfer Land nicht zu einer austauschbaren maisgeprägten Landschaft wie in vielen anderen Kommunen verkomme, heißt es in der Antragsbegründung.

Fleischmann ist nach eigenen Worten froh, dass die „Megabiogasanlage“ bei Hülptingsen verhindert worden ist, und zitiert eine Studie, wonach Biogasanlagen letztlich keinen wahrnehmbaren Beitrag zu Reduktion der Treibhausgase leisteten. Der großflächige Anbau von Mais zur Energiegewinnung führe zu drastisch steigenen Bodenpreisen für Ackerland, gehe zu Lasten der Lebensmittelproduktion und führe zu Preissteigerungen. Weiteres Problem sei der hohe Einsatz von Dünger- und Spritzmitteln.

„Maßlos übertrieben“ findet Bezirkslandwirt Cord-Heinrich Schweer Fleischmanns Einschätzung vom Umfang des hiesigen Maisanbaus. Schweer, der zu den Planern der Biogasanlage bei Hülptingsen gehörte und in diesem Jahr erstmals selbst zwei Hektar Mais angebaut hat, meldet auch Zweifel an, dass Landwirte bereit sein könnten, in Zeiten knapper Kassen freiwillig auf den Anbau bestimmter Feldfrüchte zu verzichten: „Das greift in das Eigentum ein.“ Denkbar wäre das allenfalls auf von der Stadt gepachteten Flächen.

Joachim Hasberg vom Landvolkverband geht davon aus, dass gerade im Burgdorfer Land der Maisanbau nicht ausufern wird, weil auf den beregneten Böden traditionell Sonderfrüchte wie Zuckerrüben, Kartoffeln, Sommergerste und Gemüse angebaut werden.

Unter dem Durchschnitt der Region

Der Anbau von Mais hat auch im Raum Burgdorf kräftig zugenommen, er liegt aber deutlich unter dem Regionsdurchschnitt. Das geht aus den Zahlen der Landwirtschaftskammer hervor, bei der die Anbauflächen erfasst werden.

Demnach sind mit 328 Hektar im laufenden Jahr rund 6,9 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche (4773 Hektar) für Mais verwendet worden, teilt Rainer Gerlinger, Leiter der Bezirksstelle Hannover, mit. Dieses Jahr sei aber ein Ausnahmejahr, weil viele Bauern den Mais aus Not nachgesät hätten, nachdem Winterfrüchte erfroren und anderes Saatgut kaum zu bekommen war. Im Vorjahr wurden 263 Hektar mit Mais bestellt, 2010 waren es 196 Hektar. Vor drei Jahren wuchs der Mais auf nur 1,6 Prozent (76 Hektar) der landwirtschaftlichen Flächen im Burgdorfer Land.

Im Durchschnitt der Region beträgt der Anteil des Maisanbaus nach Gerlingers Angaben derzeit 11,3 Prozent. Darunter seien Bereiche wie Neustadt mit bis zu 20 Prozent. In Niedersachsen gebe es inzwischen Gebiete, in denen auf 50 Prozent der Flächen Mais angebaut werde. Im benachbarten Uetze sind es demnach 8,5 Prozent.

Nach Ansicht der Landwirtschaftskammer dürfte eine vernünftige Obergrenze bei 25 Prozent liegen, sagt Gerlinger, nach dessen Worten der Maisanbau als zusätzliche Fruchtfolge für die Böden sinnvoll sein kann: „Das ist für den Acker nicht verkehrt, wenn es denn keine Monokultur wird.“

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