Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
Wenn Wespen gleich nebenan ihr Nest bauen

Burgdorf Wenn Wespen gleich nebenan ihr Nest bauen

Ein bewohntes Wespennest umzusiedeln, ist meist nicht möglich: Das weiß Burgdorfs Wespenberater Ernst Schmidt aus Erfahrung. Trotzdem hat er sich in einem Garten in Schillerslage an die schwierige Aufgabe gewagt - mit Erfolg.

Voriger Artikel
Sorge vor erneutem Kita-Streik
Nächster Artikel
Berliner Ring nach Feuerwehrübung wieder frei

Ernst Schmidt hat sich zum Umsetzen des Erdwespennestes in einem Garten in Schillerslage Schutzkleidung angezogen.

Quelle: privat

Burgdorf. Wespen haben im August und September Hochsaison. Viele Menschen fühlen sich von ihnen genervt - vor allem, wenn die schnellen, stachelbewehrten Flieger ihr Nest gleich in der Nachbarschaft gebaut haben. „Ich bin derzeit drei- bis viermal am Tag unterwegs, um die Leute zu beraten. Denn an mich werden alle Hilferufe weitergeleitet, die bei Polizei, Feuerwehr und Stadtverwaltung auflaufen“, sagt Ernst Schmidt. Der Naturschützer ist ausgebildeter Wespenberater und als solcher offiziell von der Region Hannover für Burgdorf bestellt.

Oft reichen kleine Vorkehrungen, damit Wespe und Mensch auf getrennten Wegen unterwegs sind. Tipps, wie das gelingt, kann Schmidt geben. Meist hilft er auch gleich tatkräftig, Trennwände - „Es reicht schon einfache Pappe“ - oder Flugtunnel anzubringen. „Bin ich einen Meter von einem Nest entfernt und störe nicht ständig die Einflugschneise, geht keine Gefahr mehr von den Wespen aus“, erklärt er.

„Meine Aufgabe ist es, bei Problemen mit Wespen, Hummeln oder Hornissen, die Leute zu beraten“, sagt Schmidt. „Ich kläre sie über deren Lebensweise auf und wie sie mit den Tieren umgehen sollten, damit keine Seite Schaden nimmt“, zählt er auf. Wespen stehen zwar nicht wie Hornissen und Hummeln unter besonderem Schutz, trotzdem sollte der Einsatz von Gift vermieden werden, stellt Schmidt klar. „Nur im Extremfall, bei unabwendbarer Gefahr, stelle ich einen Berechtigungsschein für die Beseitigung des Nestes aus.“

Gelingen kann die Umsiedlung eines Nestes, wenn es gut zu erreichen und wenig beschädigt ist. Das war in Schillerslage der Fall. Mit einer Schaufel hat Schmidt es aus dem Boden in einen Eimer gehoben und diesen außerhalb des Gartens unter einen Baum gestellt. Den Rest erledigt das Wespenvolk selbst.

Nur die Wespenkönigin überlebt den Winter

Wespen mögen es dunkel und trocken. Deshalb bauen sie ihre Nester gern in Gartenschuppen, in Dachverkleidungen, Rolladenkästen und Erdhöhlen. Aber auch zwischen Brennholzstapel oder Polstern von Gartenmöbeln oder in vergessene Kartonstapel zieht es die Wespenköniginnen. Sie überwintern dort und legen im Frühjahr an Ort und Stelle auch schon mal den Grundstein für ihr neues Nest. „Oft werde ich gerufen, wenn im Frühling Terrasse und Balkon aufgeräumt wird“, berichtet Wespenberater Ernst Schmidt. „Wenn man nicht aufpasst, hat man schnell ein paar Stiche abbekommen, weil die Wespen ihr Nest verteidigen wollen.“

Die Königin ist die einzige des Wespenvolks, die den Winter überlebt, so sie denn ein trockenes und frostfreies Versteck findet. Sobald es wärmer wird, macht sie sich ans Werk: Sie baut ein Nest mit wenigen Waben, dort hinein legt sie die Eier. Nach einer Woche schlüpfen die Larven, die sie dann zwei Wochen lang mit Eiweißkost füttert. „Sie fangen alles, was nicht größer als sie selbst ist“, sagt Schmidt. Nach diesen zwei Wochen verpuppen sich die Larven für weitere zwei bis drei Wochen. Dann schlüpfen die ersten Arbeiterinnen, die deutlich kleiner als die Königin sind und nur sechs Wochen leben. Von nun an, so Schmidt, überlässt die Königin den Arbeiterinnen den weiteren Ausbau des Nestes. Sie selbst legt nur noch Eier und lässt sich und ihren Nachwuchs von den Arbeiterinnen füttern. Neigt sich der Sommer dem Ende zu, schlüpfen aus den Eiern nur noch Drohnen und neue Königinnen. Die alte Königin stirbt. Die letzten Arbeiterinnen verlassen nach und nach das Nest und sterben beim ersten Frost. Die neuen, von den Drohnen begatteten Königinnen suchen sich ein Winterquartier.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Von Redakteur Anette Wulf-Dettmer

doc6sn9dtnbrnthj5pmdfd
Abriss der Brandruine beginnt

Fotostrecke Burgdorf: Abriss der Brandruine beginnt