Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Windenergie: Bürger sollen mitreden

Burgdorf Windenergie: Bürger sollen mitreden

Wo dürfen sich künftig Windräder im Stadtgebiet drehen? Diese Frage bewegt viele Burgdorfer. Etliche von ihnen ließen sich deshalb am Dienstagabend im Bauausschuss des Rates den Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms 2015 erklären.

Voriger Artikel
Stadt stellt Einsatz bei Fehlalarm in Rechnung
Nächster Artikel
Drei Frauen leiten den Baumarkt

Wo dürfen sich künftig in Burgdorf Windräder drehen?

Quelle: Joachim Dege

Burgdorf. Die Region Hannover will neue Vorrangflächen für Windräder östlich von Dachtmissen sowie zwischen Hülptingsen und Burgdorfer Holz ausweisen sowie bestehende Parks zwischen Otze und Schillerslage und nördlich von Ehlershausen erweitern. Damit würde sich die Vorrangfläche für Windenergieanlagen im Stadtgebiet von 92 auf 257 Hektar vergrößern. Als Abstand zur Wohnbebauung sind 800 Meter vorgesehen.

Das Landschaftsschutzgebiet Otzer Bruch taucht erwartungsgemäß in dem Entwurf nicht auf. Die Otzer fordern, diese Fläche fernab jeder Wohnbebauung als Vorranggebiet auszuweisen und stattdessen auf eine Vergrößerung des Windparks zwischen Schillerslage und Otze zu verzichten. „Derzeit sind Naturschutzgebiete als Windkraftstandorte ausgeschlossen“, sagte Sonja Breuning vom Team Regionalplanung der Region. Erst bei dessen Fortschreibung in zehn Jahren könnte das geändert werden.

„Ich sehe hier erheblichen Abwägungsmangel bei der Region“, sagte Ratsherr Kurt-Ulrich Schulz, der die Sitzung in Vertretung von Carl Hunze leitete. „Der Otzer Bruch ist erstens nur ein Landschaftsschutzgebiet und wurde zweitens vor rund 30 Jahren mit EU-Mitteln von Grünland in Ackerland verwandelt.“

Die Stadt wird in den Sommerferien die Stellungnahme zum Raumordnungsprogramm erarbeiten. Über diese wird der Bauausschuss am 10. September beraten. Dann zeige sich, welche Flächen noch im Rennen geblieben sind, sagte Bauamtsleiter Robert Lehmann. Für den 14. September ist eine Einwohnerversammlung geplant. „Das ist der Auftakt zur frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit“, erklärte er. Zu beiden Veranstaltungen werden die Windkraftprojektierer eingeladen, die in Burgdorf investieren wollen.

Im Anschluss nimmt die Stadt 14 Tage lang Einwände und Anregungen der Bürger entgegen, mit denen sich Burgdorfs Politiker erneut beschäftigen. „Dann liegt der Ball bei der Region, die alle Einwände wichten muss“, sagte Lehmann.

Akzeptanz der Windräder ist Sache der Projektierer

Über die Entwicklungschancen, die der Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms 2015 für Burgdorf vorsieht, hat Bürgermeister Alfred Baxmann mit Redakteurin Anette Wulf-Dettmer gesprochen.

Wie beurteilen Sie die künftigen Möglichkeiten, Wohn- und Naherholungsgebiete, Gewerbe und Landwirtschaft in der Stadt zu stärken und zu entwickeln?

Die Planung der Region eröffnet uns im Grundsatz ausreichende Entwicklungsmöglichkeiten auf den genannten Gebieten. Detailfragen sind aber in der Abstimmung mit unserer Flächennutzungsplanung noch zu klären.

Wo sehen Sie die Knackpunkte?

Knackpunkte wie die Frage der Wohnbauentwicklung in unseren kleineren Ortsteilen scheinen mit jetzt wieder 5 Prozent Entwicklungsspielraum bereits ausgeräumt. Die Region wollte bislang nur eine Zunahme der Siedlungsfläche von 2 Prozent. Unterschiedliche Auffassungen gibt es bei der Beurteilung des Landschaftsschutzgebietes im Otzer Bruch und bei der Abstandsregelung für Windkraftanlagen. Wir wollen 1000 Meter, die Region 800.

Die Akzeptanz neuer Windräder sinkt. Was erwarten Sie von den Projektierern, um diese in der Stadt zu erhöhen?

Die Projektierer werden überzeugend darstellen müssen, welchen Mehrwert ihr Projekt für die Bürgerinnen und Bürger in Burgdorf generiert. Interessante Beteiligungsmodelle, das zeigen Beispiele andernorts, sind eine Möglichkeit, die Akzeptanz zu erhöhen.

 Wie stellen Sie sich die Siedlungsentwicklung für Burgdorf vor?

Diese muss schwerpunktmäßig in der Kernstadt einschließlich Hülptingsen und Heeßel und in eingeschränktem Maße in Otze und Ramlingen-Ehlershausen stattfinden, um die vorhandene Infrastruktur auszulasten. Für die kleineren Ortsteile ist der durch das Raumordnungsprogramm vorgegebene Rahmen ausreichend.

Wird nicht bereits der Ausbau von Infrastrukturen – zum Beispiel eine neue Kita in der Südstadt – nötig, weil die Stadt zu stark wächst?

Wir brauchen ein bestimmtes Wachstum, um attraktiv für die Ansiedlung von Betrieben zu bleiben. Die Zielzahl sind 30.000 Einwohner. Neue Infrastrukturen, zum Beispiel im Kita-Bereich, sind nicht zuletzt die Folge gesellschaftlicher Entwicklung und – resultierend daraus – neuer Rechtsansprüche.

Wie läuft das Ganze mit den Planungen von Tennet zum Südlink und der Bahn zur Y-Trasse zusammen, vor allem in den Problemzonen Otze und Hülptingsen?

Das lässt sich derzeit nicht abschätzen. Unter veränderten Rahmenbedingungen, Stichwort Erdverkabelung, werden die Planungen zum Südlink auf Weisung der Bundesnetzagentur überarbeitet beziehungsweise neu gestaltet. Für die Y-Trassen-Planung und mögliche Varianten gilt Entsprechendes. Im Dialog-Forum Schiene-Nord, das bis Ende des Jahres tagen wird, werden hoffentlich Lösungen diskutiert.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6spbwii5es91l9mp4k4p
Rat peilt die schwarze Null an

Fotostrecke Burgdorf: Rat peilt die schwarze Null an