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Vaters Spur führt nach Burgdorf

Burgdorf Vaters Spur führt nach Burgdorf

Burgdorf ist am Wochenende Reiseziel der Kanadierin Daria Valkenburg gewesen. Die spürte der Geschichte ihres aus der Ukraine stammenden Vaters Wasyl Makota nach, der nach Ende des Zweiten Weltkrieges eine Zeit lang im Zwangsarbeiterlager Ohio an der Sorgenser Straße untergebracht war, bevor er nach London ausreisen konnte.

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Peter Pfeiffenbring (kleines Bild, von links) zeigt zeigt Pieter und Daria Valkenburg auf dem Stadtplan die Lage des ehemaligen Lagers Ohio.

Quelle: Heine

Burgdorf. Normalerweise ist Ahnenforschung Privatsache. Daria Valkenburgs Spurensuche indessen stößt in Burgdorf auf besonderes Interesse, weil eine Arbeitsgruppe um den Ex-Pastor Rudolf Bembenneck zurzeit das Kapitel Zwangsarbeit für eine stadtgeschichtliche Veröffentlichung aufgeschlagen hat.

„Wir wollen die NS-Zeit und ihre Folgen schonungslos aufklären. Die Stadt Burgdorf steht zu ihrer Verantwortung“, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin Christa Weilert-Penk bei einem offiziellen Treffen mit Daria Valkenburg, ihrem Mann Pieter und Mitgliedern der Stadtgeschichte-AG in der KulturWerkStadt.

Valkenburg hatte Dokumente über Ohio aus dem englischen Nationalarchiv dabei. Die besagen, dass das Lager einen guten Ruf besaß. Die Burgdorfer berichteten ihrerseits über ihren Forschungsstand. Sie zeigten dem Besuch aus Kanada zudem bei einer Stadtführung, wo sich das Lager Ohio einst befand sowie die Gräber von verstorbenen Lagerinsassen auf dem Friedhof an der Uetzer Straße.

„Beim Anblick dieser Orte fühle ich mich wie zu Hause. Mein Vater hätte sie sicher auch gern sehen wollen. Er ist aber vor zwei Jahren gestorben. Ich habe ihn sehr geliebt. Er war immer fröhlich, dachte nie schlecht über andere und pflegte meine Mutter, als sie krank war“, sagte Valkenburg. Familie sei ihm wichtig gewesen. Er habe seiner Schwester in der Ukraine wöchentlich Briefe geschrieben und dafür gesorgt, dass seine siebenjährige Tochter Daria die ukrainische Sprache lernte.

„Mein Interesse an der Familiengeschichte ist 1999, nach meiner Heirat, erwacht. Ich wollte wissen, welchen Ursprung der Name Makota hat“, sagte die 60-jährige Ahnenforscherin. Sie habe die Tagebücher ihres Vaters gelesen und Tante und Onkel in der Ukraine befragt. „Ich will etwas über meine Wurzeln wissen. Wenn mein Vater mit seiner ersten großen Liebe Ly Lilienthal aus Estland, die er im Lager Ohio kennenlernte, nach Brasilien gegangen wäre, gäbe es mich nicht“, sagte Valkenburg.

Sie weiß, dass ihr Vater aus der Westukraine südlich von Lemberg stammt. Er wurde 1941 als 14-Jähriger zum Arbeitseinsatz nach Deutschland verschleppt und kehrte nach dem Krieg nicht zurück, weil er Angst hatte, dass er der Zusammenarbeit mit dem Feind verdächtigt und nach Sibirien verbannt würde. In Kanada baute Makota sich eine Existenz auf, heiratete und wurde Vater von zwei Kindern. Daria Valkenburgs Suche nach ihren Wurzeln geht weiter.

Sybille Heine

Insassen wollten gar nicht heim

1945 beherbergte die englische Militärregierung in den ehemaligen Baracken des Feuerschutzregimentes an der Sorgenser Straße, gegenüber dem heutigen Veranstaltungszentrum, Kriegsflüchtlinge und Zwangsarbeiter, darunter mehrere Hundert Russen, Polen und Ukrainer. Das Auffanglager wurde Ohio genannt. Wie es zu der Bezeichnung kam, ist unbekannt. Die meisten Insassen wollten nicht in ihre Heimat zurückkehren, weil sie befürchten mussten, dort als Nazi-Kollaborateure verurteilt zu werden. Sie bereiteten sich darum auf ihre Auswanderung nach England, Brasilien, Kanada, Australien und die USA vor. Erst 1950 wurde das Lager aufgelöst. Einen Eindruck von dem Lagerleben gibt eine Chronik von Bogdan Koval. Er berichtet von Alphabetisierungs- und Führerscheinkursen, der Gründung einer Landwirtschaftsschule, Sportwettkämpfen, Theateraufführungen und Konzerten.

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Von Redakteur Sybille Heine

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