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Kein Land für Schmetterlinge?

Burgdorf Kein Land für Schmetterlinge?

Jeden Sommer geht Hobbyfotograf Bernd Moßmann auf Fotopirsch nach Schmetterlingen. „Doch die Ausbeute ist recht dünn“, berichtet er von der diesjährigen Suche. Das deckt sich mit den Beobachtungen Ernst Schmidts vom örtlichen Nabu, der vor allem die ausgeräumte Landschaft dafür verantwortlich macht.

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Wie eine Smokingfliege rahmen die beiden Zitronenfalter eine Distel am Walkenmühlenfeld in Hülptingsen ein.

Quelle: Bernd Mossmann

Burgdorf. „Früher war nach einer langen Autofahrt die Windschutzscheibe zu von Insekten, heute ist das nicht mehr der Fall. Das ist der beste Beweis, dass die Schmetterlinge von Jahr zu Jahr rapide weniger werden“, sagt Ernst Schmidt, der sich im Laufe seines ehrenamtlichen Engagements für den Naturschutz zu einem Schmetterlingskenner entwickelt hat. Hauptursache für den Rückgang der Falter und vieler anderer Insekten ist nach Ansicht des Burgdorfers die intensive Landbewirtschaftung.

Weil Ackerland immer teurer werde, würden vielerorts die letzten Eckchen beackert, kritisiert Schmidt. Die Wegeseitenränder würden nicht selten bis auf einen spärlichen Streifen umgepflügt und Wiesen für die Produktion von Energiepflanzen umgebrochen. Ein Übriges täte dann oft der Einsatz von Pflanzenschutzmittel, zählt der Nabu-Mann auf. Gerade die Feldraine haben eine zentrale Bedeutung für den Schutz von Flora und Fauna. „Denn sie sind Trittsteine, die Landschaften miteinander vernetzen“, erklärt Schmidt. „Die privaten Gärten können diesen Verlust an Lebensraum für Schmetterlinge und andere Insekten nicht ausgleichen“, macht er das Dilemma deutlich.

„Das Umpflügen von Randbereichen an Wegen, Gräben und Gehölzen ist mit nichts zu rechtfertigen“, stimmt Bezirkslandwirt Cord-Heinrich Schweer dem Naturschützer zu. Als Landvolkvertreter könne er nur immer wieder an seine Kollegen appellieren, die Freiräume für die Natur zu erhalten. Doch Schweer weist auch darauf hin, dass „die Wirtschaftswege in der Feldmark ausgebaut wurden, damit die Landwirte ihre Äcker erreichen können“.

Das Blühstreifenprogramm gibt es laut Schweer nach wie vor. Er selbst sei kein großer Freund davon. „Denn die Vorgaben sind so angelegt, dass man bei der Rekultivierung der Blühstreifen sehr viel Pflanzenschutzmittel einsetzen muss, damit Disteln und Brennesseln nicht das Feld überwuchern.“ Schweer bestellt deshalb Feldparzellen mit vorgegebenen Blühpflanzenmischungen – und zwar ganzjährig. Solch blühende Äcker sind Teil des EU-Greening-Programms.

Einige Schmetterlinge hat Bernd Moßmann dann aber doch entdeckt: am Paradiesweg und am Bösselberg in der Südstadt, an der Ampel in Beinhorn und im Stadtpark.

Stadt fehlt Personal für Erhalt der Raine

Aktuell diskutiert werden in den politischen Gremien der Stadt derzeit die gravierenden Veränderungen an Wegeseitenrändern in den Gemarkungen Sorgensen und Weferlingsen. Anlass ist eine Anfrage des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Dieser hat unter anderem in Burgdorf den Zustand landwirtschaftlicher Wegraine anhand von Luftbildern und kasteramtlich festgelegten Wegbreiten untersucht. Das Augenmerk lag auf Feldrainen, bei denen mehr als zwei Meter ihrer Ursprungsbreite umgepflügt wurden.

Das Ergebnis: Etwa 14 300 Quadratmeter sind in beiden Gemarkungen als wichtiger Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten bereits verloren gegangen. Die Untersuchung des BUND ist Teil seines Projekt „Artenreiche Wegeseitenränder als bedeutende Strukturen für die Biodiversität und den Biotopverbund in der Region Hannover“. Von der Stadt Burgdorf wollte der BUND wissen, was sie unternimmt, um ihrer gesetzlichen Verpflichtung zum Schutz ihres Eigentums und der Natur nachzukommen.

Bürgermeister Alfred Baxmann erklärte, dass die Verwaltung die Randstreifen in erster Linie „im Hinblick auf verkehrsgefährdende Sachverhalte“ kontrolliere. Die Stadt sehe sich personell und finanziell nicht in der Lage, darauf zu achten, dass die Landwirte die Raine erhalten. Deshalb werde man nur in offensichtlich gravierenden Fällen aktiv und fordere die Landwirte zur „Reparatur“ auf. Seien diese uneinsichtig, müsste die Wegparzelle auf Kosten der Stadt vermessen werden, um dem Verursacher, der häufig nicht bekannt sei, ein Bußgeld aufzuerlegen.

Der Kommentar: Zeit für ein Pilotprojekt

Landwirte, Stadt und Naturschützer sollten sich an einen Tisch setzen und gemeinsam Lösungen für den Erhalt einer vielfältigen Natur entwickeln. Denn die Felder ordnungsgemäß zu bewirtschaften, reicht dafür offensichtlich nicht aus. Als Eigentümer des Acker- und Grünlands tragen die Bauern eine besondere Verantwortung für das Lebensumfeld von Mensch und Natur direkt vor ihrer Hoftür.

Warum sollten die Burgdorfer Bürger nicht mit gutem Beispiel vorangehen und Hecken, Teiche und breite Wegrainen in den Gemarkungen anlegen – jenseits aller bürokratisch überfrachteten Förderprogramme der EU?

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