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Zehntklässler filmen Flüchtlinge

Burgdorf Zehntklässler filmen Flüchtlinge

Vier Zehntklässler des Burgdorfer Gymnasiums absolvieren derzeit ein Praktikum im Mehrgenerationenhaus. Dort lernen sie Flüchtlinge kennen und drehen mit ihnen einen Dokumentarfilm.

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Die Schüler Mirja Hüßler (von links), Milaim Kastrati, Marika Wzietek und Ruben Martinez Klie arbeiten an einem Dokumentarfilm über die Burgdorfer Flüchtlinge.

Quelle: Johanna Stein

Burgdorf. „Das kann man sich gar nicht vorstellen. Das geht nicht“, sagt Marika Wzietek. Die 15-Jährige hat sich gerade einen Deutschkurs für Flüchtlinge angeschaut. Den Kurs besuchen nur Minderjährige, die allein nach Deutschland gekommen sind. „Einer hat seit über fünf Jahren seine Familie nicht gesehen“, erzählt sie. Aber trotzdem seien die Kinder und Jugendlichen fröhlich. „Man merkt ihnen das gar nicht an“, sagt sie. „Sie wirken ganz normal.“ Marika absolviert mit drei Mitschülern - Mirja Hüßler, Ruben Martinez Klie und Milaim Kastrati - ein Praktikum im Mehrgenerationenhaus (BMGH). Zwei Wochen lang begleiten die Zehntklässler Burgdorfer Flüchtlinge mit der Kamera. Am Ende soll daraus ein etwa 45-minütiger Dokumentarfilm entstehen, den sie voraussichtlich im Februar am Gymnasium Burgdorf vorstellen. Später wird der Film möglicherweise auch im Kino gezeigt und online veröffentlicht.

„Die Dokumentation soll den Blick der Schüler und ihre Erlebnisse mit den Flüchtlingen widerspiegeln“, sagt Ursula Wieker vom BMGH, die das Projekt leitet. Dazu besuchen die Schüler verschiedene Deutschkurse, aber auch Unterbringungen in Containern, Turnhallen und Wohngemeinschaften. Sie interviewen Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern, Sozialarbeiter und Passanten auf der Straße. Dabei erfahren die vier große Unterstützung von allen Seiten: Flüchtling Ward Barbar führt sie durch die Schillerslager Turnhalle, in der er selbst gewohnt hat. Dethard Hilbig vom Fotostudio Hilbig gibt Tipps zur Technik. Und der ehrenamtliche Kagan Bölen, der auch einen Fußballkurs für Flüchtlinge leitet und im Deutschkurs aushilft, betreut die Praktikanten.

Besonders die Offenheit der Flüchtlinge überrascht die Schüler. Viele erzählen ihre Schicksalsgeschichten und zeigen Fotos von ihren Familien. Einer habe ihnen sogar ein Video von seinem zerstörten Haus vorgespielt. „Das war noch mal etwas ganz anderes als im Fernsehen, wenn man die so persönlich kennenlernt“, sagt Marika. Auch die Flüchtlinge freuen sich über das Projekt. „So können wir auch ihre Sicht zeigen“, sagt Marika. Ruben ergänzt: „Wir wollen mit dem Film nicht sagen: Alles ist gut. Aber wir versuchen, Gedanken anzuregen - auch bei Kritikern.“ Auf die Idee zu dem Projekt kam Wieker, als Ruben und Milaim beim Vorstellungsgespräch im BMGH von ihren Hobbys erzählten. Sie filmen gern in ihrer Freizeit und haben in der Schule schon kurze Filme gedreht und geschnitten. Die beiden Mädchen teilen dieses Interesse. Das Projekt war geboren.

Die größte Hürde war für die Schüler neben dem Schnitt vor allem die Verständigung mit den Flüchtlingen, die teilweise erst kurz in Deutschland leben. Manche konnten schon gut Deutsch sprechen, bei anderen klappte es auf Englisch, aber für manche Interviews brauchten sie einen Dolmetscher. Doch gerade aus diesen Begegnungen nehmen sie viel mit. „Man lernt mehr als nur die Technik“, sagt Ruben. „Sondern auch, wie man sich mit Leuten verständigt, wenn man zwei verschiedene Sprachen spricht.“

Von Johanna Stein

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