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Rücksichtslosigkeit trifft auf Rechthaberei

Burgdorf Rücksichtslosigkeit trifft auf Rechthaberei

Zwei Verkehrsrowdys haben vor dem Amtsgericht einen Vergleich geschlossen. Der kommt beide nicht gerade billig. Aber billiger, als wenn sie weitergestritten hätten.

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Zivilrichter Andreas Henze hat zwei streitenden Autofahrer dazu ermuntert, sich zu vergleichen.

Quelle: Joachim Dege

Burgdorf. Zwei Autofahrer, die sich in der Tempo-20-Zone auf der Marktstraße gegenseitig provozierten und schließlich auch mit ihren Fahrzeugen aneinandergerieten, haben sich jetzt vor dem Zivilrichter im Amtsgericht wiedergetroffen. Wie im April 2016, als es zum Zusammenstoß kam, wollte auch dort keiner der beiden nachgeben. Am Ende mussten sie es doch. Und sich von Richter Andreas Henze obendrein sagen lassen: „Sie haben beide Mist gebaut.“

Die Männer, beide in gesetztem Alter, fuhren von der Hochbrücke kommend auf der unteren Marktstraße. Der eine war akkurat 20 Kilometer in der Stunde schnell, wie er stolz berichtete. Das schien dem anderen zu gemütlich. Und so fuhr dieser etwas arg nah auf. Das ärgerte den Vordermann, der mal kurz seine Bremslichter aufleuchten ließ. Der Hintermann bekam einen gehörigen Schreck. Er würgte seinen Motor ab. Als er in Höhe der damaligen Deutsche-Bank-Filiale, wo die Fahrbahn sich verengt, wieder aufschloss auf den vermeintlichen Verkehrsmusterschüler, reichte es ihm. Er trat aufs Gaspedal und setzte flugs zum Überholen an. Mit Tempo 40 bis 50, wie er dem Richter kleinlaut gestand. Trotz des Gegenverkehrs. Da nun freilich ließ der andere seine bisher an den Tag gelegte Überkorrektheit fahren und lenkte seine Karosse gemein nach links, sodass es zum Zusammenstoß kam.

Womit erklärt wäre, worin der Mist bestand, den der Richter den beiden Autofahrern anlastete: Der eine war zu schnell gefahren und hatte trotz Gegenverkehrs an einer verengten Stelle in der Tempo-20-Zone überholt. Der andere hatte gemeint, er müsse solches Fehlverhalten durch eigenes ahnden.

Den Schaden hatte wohl in erster Linie die Verkehrssicherheit auf der Marktstraße. Am Ende haben ihn auch die beiden unbeherrschten Autofahrer, die vor Gericht einen Vergleich schlossen. Sie wurden vom Richter in friedenstiftender Absicht dazu auf das Heftigste ermuntert, um weitere Kosten für einen ansonsten fälligen Verkehrsgutachter zu vermeiden.

Und so teilen sie sich nun den entstandenen Unfallschaden in Höhe von 1070 Euro. Das Gleiche gilt für die Gerichtskosten und die Rechnungen, die sie noch von ihren Rechtsanwälten bekommen werden.

Die Gerichtskosten halten sich bei einem Vergleich zwar in überschaubaren Grenzen, weil Richter Henze schließlich kein Urteil schreiben muss. Die Anwaltskosten aber fallen dafür etwas höher aus als normal, weil eine Art Vergleichsprämie fällig ist, sodass sich zum Unfallschaden von 535 Euro pro Mann noch jeweils Kosten in Höhe von 686 Euro summieren: Insgesamt werden jeweils also 1221 Euro fällig, die sich die Streithähne hinterm Lenkrad leicht hätten sparen können, hätten sie damals einen Hauch mehr Gelassenheit an den Tag gelegt.

Endgültig beigelegt ist der Rechtsstreit erst in 14 Tagen. So lange haben nun beide Parteien Zeit für einen möglichen Widerruf.

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