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Martin Luther King betreibt einen Piratensender

Burgdorf Martin Luther King betreibt einen Piratensender

Wenn Martin Luther King einen Piratensender auf einem  Schiff in der Dreimeilenzone vor Amerika betreibt – dann geht in der Martin-Luther-Kirche die Post ab beim neuesten Musical von Jan Beukenberg.

Begleitet von seinem Bodyguard (Thorsten Harms, links) und seiner Assistentin (Sunna Nolte) gibt Senator Dump (Jan Beukenberg) eine gar willkürliche Pressekonferenz. 

Quelle: Sandra Köhler

Ehlershausen.  Eigentlich, ja eigentlich hatte Pastorin Susanne Paul Jan Beukenberg angesprochen, ob er sich nicht vorstellen könne, ein Musical zum Reformationsjubiläum auf die Beine zu stellen. Der konnte. Was dann aber am Sonnabend mit Unterstützung der Hans-Lilje-Stiftung in der Martin-Luther-Luther Kirche zu sehen war: Das hätte sich so bestimmt keiner träumen lassen. Denn statt den Reformator in eine Zeitkapsel zu verfrachten und ins 21. Jahrhundert zu holen, überlegte sich Beukenberg für „Martin Luther King is on Air“  einen noch phantastischeren Plot, dem er mit Hilfe von Bürgern aus Ehlershausen und befreundeten Musikern Leben einhaucht. Doch einmal ganz von vorne...

Martin Luther King (Jonathan Ogilvy, rechts) , betreibt einen Piratensender auf dem Schiff Freedom

Martin Luther King (Jonathan Ogilvy, rechts) , betreibt einen Piratensender auf dem Schiff Freedom.  Sein Gehilfe (Timon Zimmermann) hat die Mitglieder  Band des Senators Ronald Dump (Jan Beukenberg und Andre Rössig) gekidnappt. 

Quelle: Sandra Köhler

Martin Luther King betreibt auf dem Boot Freedom in der Drei-Meilen-Zone vor Amerika einen Piratensender. In dem bringt er nicht nur zur Sprache, was die vom Senator Ronald Dump kontrollierten Medien verschweigen, sondern spielt auch Musik mit Texten, die sich gegen die Separierung von Schwarz und Weiss richten. Kurz bevor er den Sänger Rob (grandios: Daniel Fernholz als Bob Dylan) als Stargast an Bord begrüßt, hat sein Gehilfe die „Good Old Boys“,  die Propaganda-Band Dumps gefangen genommen. 

Der Sänger der Good Old Boys (Thomas Martin, Mitte) gibt begleitet von Rob (Daniel Fernholz, rechts) eine Kostprobe seines musikalischen Könnens

Der Sänger der Good Old Boys (Thomas Martin, Mitte) gibt begleitet von Rob (Daniel Fernholz, rechts) eine Kostprobe seines musikalischen Könnens.

Quelle: Sandra Köhler

Während Dump als selbstherrlicher Senator Virginias eine skurrile Pressekonferenz gibt, in der er dem Pressesprecher des Otzer Kaninchenzuchtvereins statt des Vertreters der Neuen Presse das Wort erteilt und einen Blinden des Saals verweisen lässt, macht Luther King dem Manager der Good Old Boys (Andreas Lindner) ein Angebot, das dieser nicht ablehnen kann. Statt vor 17 Leuten – inklusive Putzpersonal und Hunden des Senators – in der Carnegiehall sollen sie vor Millionen von Hörern spielen. Gemeinsam mit farbigen Musikern. Dafür müssen sie sich vom Ku-Klux-Klan und der Idee der Rassentrennung lossagen. 

Martin Luther King (Jonathan  Ogilvy, rechts) macht dem Manager der Propagandaband (Andreas Lindner) ein Angebot, das der nicht ablehnen kann 

Martin Luther King (Jonathan  Ogilvy, rechts) macht dem Manager der Propagandaband (Andreas Lindner) ein Angebot, das der nicht ablehnen kann. 

Quelle: Sandra Köhler

Das Angebot ist zu verlockend: Der Deal kommt zustande. Nach der Ausstrahlung dieses 40-minütigen Konzertes, in dem Songs wie „Georgia on my Mind“, „Bridge over Troubled Water“ und „Days like this“ gespielt werden, tritt Dump zurück und verzichtet auf seine Kandidatur zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Die Rassentrennung , von der der Musiker Greg Copeland, der sie in seiner Jugend tatsächlich noch am eigenen Leib erlebt hat, erzählte,  ist vorbei. 

Musik verbindet über alle Unterschiede hinweg

Musik verbindet über alle Unterschiede hinweg.

Quelle: Sandra Köhler

Mehr als ein Jahr lang hatte Beukenberg mit Komparsen aus dem Ort und befreundeten Musikern an seinem zweiten Musical gefeilt, geprobt und gebastelt. Beim Bühnenbild – dem Schiff Freedom - unterstützte ihn nicht nur Timon Zimmermann aus Hamburg, sondern auch Melanie Hartmann als geübte Erntewagenbauerin. Inspirieren lassen hatte er sich von den leider allgegenwärtigen Vorbehalten gegenüber Fremden ebenso wie vom Ergebnis der Präsidentenwahl in den USA. Denn dass Donald Trump das Vorbild für den eitlen, machtbesessenen und willkürlich handelnden Senator  ist, wäre auch ohne die extra in Hamburg für das Musical angefertigte Maske klar geworden. „Ich hoffe, das, was wir heute hier machen, spricht sich bis zu ihm herum. Und wenn er sich meldet, dann laden wir ihn auf ein Bier ein“, sagte Beukenberg. 

Nach der frenetisch gefeierten Aufführung war er den Tränen nahe: „Wenn du 15 Monate alles gegeben hast und dann ist der Moment da und du hast den Saal gerockt: Das ist schon was ganz Besonderes.“

Von Sandra Köhler

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