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Großes Abschiednehmen im Rat

Burgwedel Großes Abschiednehmen im Rat

Wahlen bedeuten Veränderung: 15 Ratsmitglieder, die bis zu 30 Jahre lang das Gesicht des Burgwedeler Rates mitgeprägt haben, und 16 Ortsratspolitiker sind in der letzten Ratssitzung der alten Wahlperiode am Donnerstagabend feierlich verabschiedet worden.

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Der achtjährige Julien hält mit dem Smartphone den Moment fest, in dem sein Großvaters Heinz Theo Rockahr von Bürgermeister Axel Düker für 30 Jahre Ratsarbeit geehrt wird.

Quelle: Martin Lauber

Burgwedel. Burgwedels Rat braucht einen neuen Running Gag. Denn nun kann keiner mehr die Nachnamen von Joachim Papenburg (SPD) und Fritz Papenberg (CDU) verwechseln. Beide altgediente Politiker sind im neuen Rat nicht mehr dabei – der eine nach 21 und der andere nach 20 Jahren, wobei Papenburg - äh ...berg - im Engenser Ortsrat sogar schon vor 30 Jahren gestartet war.

Als einziger der Geehrten ergriff er leicht pathetisch das Wort: „Ich kann die Jugend nur auffordern, sich für die Politik zu entscheiden. Es geht ja um unserer aller Zukunft. Und es macht Spaß, die Erfolge seiner Arbeit zu sehen.“ Sogar drei Jahrzehnte durchgängig hat Heinz Theo Rockahr dem Rat angehört – im Thönser Ortsrat will er sich aber erneut fürs Amt des Ortsbürgermeisters bewerben, der er schon seit 20 Jahren ist.

Während die SPD bei der konstituierenden Sitzung des neuen Rates im November kaum verändert nur mit zwei neuen Gesichtern unter der bisherigen Fraktionsführung von Joachim Lücke in die neue Wahlperiode startet, sind es bei der CDU acht.

Auch Urgesteine wie Otto Bahlo und Wolfgang Grüne gingen (beide nach 15 Jahren) mit Ehrennadel, Buchgeschenk und viel Applaus aufs politische Altenteil. Die Christdemokraten müssen (am 10. Oktober) zudem die scheidende Fraktionsvorsitzende Birgit Diers ersetzen. Ihr bisheriger Benjamin bleibt der CDU-Fraktion indes unverhofft erhalten – als erster Nachrücker der neuen Wahlperiode, denn der wiedergewählte Heinz Heinicke will sein Mandat nicht antreten – als Vater des vor acht Wochen geborenen Söhnchens Hubertus aus privaten, aber auch aus beruflichen Gründen.

Große Fußstapfen hinterlässt die bisherige Ratsvorsitzende Ortrud Wendt, die wegen ihrer Ämter in der Landessynode und in der Landesmedienanstalt nicht wieder für den Rat kandidiert hatte. An ihre Art der Sitzungsführung habe sich anfangs zwar mancher gewöhnen müssen, sagte Bürgermeister Axel Düker in seiner Laudatio. Aber Wendts „Mischung aus Witz, Charme, Genauigkeit und bei Bedarf auch Strenge“ habe allen viel Spaß gemacht.

Der Rat hatte Minuten zuvor noch einen letzten Wendt genießen können, als die Großburgwedelerin dem zahlreich erschienenen Publikum den Tagesordnungspunkt „Anwendung der Gemeindehaushaltskassenverordnung bis zum 31. Dezember 2017 gemäß Paragraf 63 Absatz 4 der Kommunalhaushaltskassenverordnung“ als „fast schon Realsatire“ ankündigte und erläuterte: „Das ist das Schwarzbrot, das wir hier Sitzung für Sitzung kauen. Wenn wir es nicht tun, tut es keiner.“

Wehleidigkeit über fürs Gemeinwohl geopferte Stunden und stundenlanges Stehen am Pult der Ratsvorsitzenden klang da nicht durch, ganz im Gegenteil: Wer sich engagiere, stellte sie fest, „macht von seiner Freiheit Gebrauch“.

Weitere Themen im Rat

Stiftung legt Kapital
erst nach US-Wahl an

Burgwedels Sportvereine erhielten ihre Zuschüsse bisher aus den Erträgen der 2006 gegründeten Sportstiftung. Nach zehn Jahren müssten die 2 Millionen Euro, die zuletzt bei 4,25 Prozent 85 000 Euro Zinsen pro Jahr einbrachten, eigentlich jetzt im tiefsten Zinstief neu angelegt werden. Kuratoriumsvorsitzender Rainer Fredermann kündigte an, dass die Stiftung ihr Kapital aber bis nach der Präsidentschaftswahl in den USA liegen lassen werde – „in der Hoffnung, dass die Zinsen steigen“.

Umsatzsteuer für
freiwillige Leistungen

Nach dem neuen Umsatzsteuergesetz werden ab 2017 Kommunen wie Unternehmen mit 19 Prozent besteuert. Betroffen davon sind nicht die hoheitlichen, aber alle freiwilligen Leistungen –
sogar fiktive Ausgaben wie die kostenlose Überlassung einer Sporthalle an einen Verein werden steuerpflichtig. „Wir müssen die Auswirkung auf jedes Produkt kalkulieren. Das wird ein großer Verwaltungsaufwand“, kündigte Kämmerer Christian Möhring an. Der Rat gab ihm grünes Licht, Aufschub bis 2021 zu erbitten – per Ausnahmeantrag.

Dankeschön 
fürs Ehrenamt

Wer sich in Burgwedel in hohem Maße ehrenamtlich einsetzt, bei dem bedankt der Rat sich mit Urkunde und Ehrenamtscard. Hannelore Beschmann aus Großburgwedel, die in vielen Projekten mit anderen für andere aktiv ist, erfüllt mit weit mehr als 3000 geleisteten Stunden seit 2006 die Kriterien locker. Im Montagscafé sowie den Arbeitskreisen Demenz, Kleine Hilfen und Nette Toilette der Seniorenbegegnungsstätte gehört sie ebenso zu den Aktivposten wie beim Besuchsdienst des Krankenhauses.

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Fotostrecke Burgwedel: Großes Abschiednehmen im Rat

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