Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Zur Fahrschule als Prävention

Burgwedel Zur Fahrschule als Prävention

„Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“, sagt der Volksmund – aber das Gegenteil lässt die Strafe noch ein wenig höher ausfallen. Das musste jetzt auch ein Deutsch-Afghane im Amtsgericht Burgwedel lernen.

Voriger Artikel
Ein Prototyp zum Feuerwehrjubiläum
Nächster Artikel
Verkehrsberuhigung startet mit Tempo 30

Das Amtsgericht Burgwedel hat einen 30-Jährigen zu einer Geldstrafe von 1350 Euro verurteilt.

Quelle: Symbolbild

Burgwedel.  Der 30-Jährige, der im Besitz einer deutschen und einer afghanischen Staatsbürgerschaft ist, hatte nach eigenen Angaben gar nicht gewusst, dass er mit seinem afghanischen Führerschein sechs Monate nach Ankunft in der Bundesrepublik keine deutschen Straßen mehr befahren darf. „Ich bin so oft kontrolliert worden, und nie gab es Probleme“, sagte der Angeklagte im Prozess aus. „Mir wurde immer gesagt, dass ich auf Grund meiner doppelten Staatsbürgerschaft keinen neuen Führerschein machen muss.“ Zudem habe er sogar bei einem Unfall selbst die Polizei gerufen: „So etwas hätte ich doch nicht getan, wenn ich gewusst hätte, dass ich ohne Führerschein unterwegs bin.“

Bis dahin klang seine Aussage auch durchaus schlüssig – gäbe es da nicht sein Strafregister. „Sie sind schon zweimal vorher wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt worden“, erinnerte ihn Amtsrichter Michael Siebrecht. „Wir müssen also davon ausgehen, dass Sie sich durchaus bösgläubig erneut ans Steuer gesetzt haben.“ Von diesen Urteilen wollte der 30-Jährige ebenfalls nichts gewusst haben – obwohl es laut Akten sogar eine Verhandlung gegeben hatte. „Ich mache kein Geheimnis daraus: Ich glaube Ihnen nicht“, betonte Siebrecht vor der Urteilsverkündung.

Wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis muss der Mann nun 45 Tagessätze à 30 Euro zahlen. Die ursprünglich im Strafbefehl verhängte Führerscheinsperre von einem Jahr hob Siebrecht mit seinem Urteil allerdings auf: „Die beste Prävention ist bei Ihnen, dass sie im Idealfall schon morgen einen deutschen Führerschein machen“, lautete die Begründung. Diesen will – und muss – der 30-Jährige, der beruflich auf ein Auto angewiesen ist, jetzt auch machen. Denn obwohl sein afghanischer Führerschein ungültig ist, hat ihn ein anderes Gericht, vor dem er sich wegen eines weiteren derartigen Falls verantworten muss, nun sicherheitshalber eingezogen – „damit Sie bei Kontrollen gar nicht erst den Anschein erwecken können, dass Sie glauben, fahren zu dürfen“, so Siebrecht.

Von Carina Bahl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten