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Übergriff beim Gassigehen

Wettmar Übergriff beim Gassigehen

Die Polizei sucht einen Heranwachsenden, der in der Nacht zu Mittwoch eine Wettmarerin tätlich angegriffen haben soll - nach Aussage der Frau ein "Südländer". In sozialen Netzwerken wurde der Fall in einer Weise kommentiert, die die Polizei als bedenklich einstuft.

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Mit Witz wollen sie in den Burgwedeler Rat

ine 33-Jährige wurde in Wettmar beim Gassigehen offenbar Opfer eines Übergrifffs. (Symbolbild)

Quelle: Felix Kästle

Wettmar. Bisher gibt es nur die Darstellung der Wettmarerin: Als sie gegen Mitternacht mit ihrem Hund auf dem Johannes-Schrader-Ring Gassi ging, seien vier bis fünf Heranwachsende, die sich auf dem Spielplatz aufhielten, an sie herangetreten, gab die 33-Jährige zu Protokoll. Ohne erkennbaren Anlass soll einer von ihnen ihren Hund getreten haben. Als die Frau diese Person wegschubste, um ihren Hund zu schützen, „griff diese ihr an den Hals und schlug ihr mit der flachen Hand ins Gesicht“, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Verständigt worden sei die Leitstelle erst um 0.42 Uhr. Die Sofortfahndung im Umfeld des Tatorts verlief denn auch ergebnislos.

Der mit rotem T-Shirt bekleidete Verdächtige soll 17 bis 19 Jahre alt und 1,70 bis 1,75 Meter groß sein und ein „südländisches ­Erscheinungsbild“ haben. Gegen ihn besteht der Verdacht der Körperverletzung. Hinweise erbittet die Polizei unter Telefon (0 51 39) 99 10.

"Ich finde euch!"

Über Facebook verbreitete der Ehemann der Hundehalterin die Nachricht von dem Übergriff - inklusive der Drohung: „Ich finde euch!“ Die dadurch ausgelösten Kommentaren reichen von erschrockenem Mitgefühl bis hin zu Aufrufen, sich nicht mehr auf die Polizei zu verlassen. „Nimm es selbst in die Hand such dir ein paar Freunde!“, fordert einer den Ehemann auf, ein anderer will die „fresse pulier Maschine“ anwerfen - und ein User schreibt, man solle es doch manchmal „so machen, wie der Amerikaner“, und beschreibt - unter Verwendung lachender Emojis - den Fall des 2014 von einem Hausbesitzer erschossenen Schülers Diren D. aus Hamburg, den der Amerikaner damals in seiner Garage ertappt hatte.

„Leute, die Infos streuen, sollten keine Angst schüren, sondern sich überlegen, welche Reaktionen sie hervorrufen“, mahnt Burgwedels Polizeichef Günter Heller. Viele der Facebook-Posts hätten keinen Bezug zum konkreten Sachverhalt. Heller warnt vor rechtlichen Konsequenzen, falls zu Gewalt oder Selbstjustiz aufgerufen werde. Zur Kriminalitätslage sagt der Polizeichef: „Es gibt zwar auch zwischen Deutschen und Zuwanderern immer mal wieder einzelne Konflikte, aber weder in Wettmar noch in Burgwedel gibt es eine Häufung von Straftaten von Menschen mit Migrationshintergrund.“

Aggression schockiert

Schockierend – das schießt vermutlich vielen durch den Kopf. Aber nicht nur das, was der Wettmarerin geschehen ist, schockiert. Sprachlos macht auch die Aggressivität, mit der einige Facebook-User diesen Vorfall nutzen, um gegen Migranten aufzuwiegeln – und dabei nicht einmal pietätlose Vergleiche zum Fall Diren scheuen. Seit Beginn der Flüchtlingswelle engagieren sich viele Burgwedeler, helfen und beweisen Weltoffenheit. Und nun? „Meine Fresse, wie dünn hier der Lack der Zivilisation ist“, so kommentiert ein anderer User die Hetze einiger im Netz. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Von Martin Lauber und Petra Zottl

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