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"Langer Atem": 40 Jahre Amnesty-Ortsgruppe

Burgwedel/Burgdorf "Langer Atem": 40 Jahre Amnesty-Ortsgruppe

Seit 40 Jahren setzt sich die Ortsgruppe Burgdorf-Burgwedel im Namen von Amnesty International für die Menschenrechte, gegen politische Inhaftierungen und Folter ein. Der ehemalige Landtagspräsident Rolf Wernstedt sprach beim Vortragsabend über die Geschichte von Gewalt.

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Rolf Wernstedt (von links), ehemals Kultusminister Niedersachsens und Präsident des Landtags, referiert über Gewalt. Zu Gast ist Caren Marks, parlamentarische Staatssekretärin. Otto Ludwig hatte die Ortsgruppe vor 40 Jahren gegründet.

Quelle: Derlin

Burgwedel/Burgdorf. "Mit Blick auf die heutige Zeit müsste man Amnesty gründen, wenn es die Organisation nicht bereits seit 55 Jahren gäbe", leitete Gruppensprecherin Erika Büchse aus Burgdorf den Vortragsabend zum 40. Gründungstag der Ortsgruppe ein, zu dem am Sonnabend mehr als 70 Mitglieder und Freunde gekommen waren. Diese habe am Schreiben der Geschichte von Amnesty im Kleinen mitgewirkt, sich für individuelle Schicksale eingesetzt und mit Aktionen an die Gräueltaten auf der Welt erinnert, sagte Büchse.

Mit dem Pfad der Menschenrechte hatte die Ortsgruppe im Jahr 2006 ein Projekt umgesetzt, zu dem der UN-Generalsekretär Kofi Anan gratulierte. 30 Findlinge reihen sie am Fuß- und Radweg zwischen Lohne und Neuwarmbüchen aneinander, auf jedem ist ein Artikel der Menschenrechtserklärung verewigt. In Projektwochen konzentrieren sich die Gruppe auf Kernthemen wie Frauenrechtlerinnen im Iran (2014) oder die Todesstrafe (2015).

Platz fand auch die Erinnerung an die Menschen und deren Schicksale, die der Dachverband von Amnesty der Ortsgruppe anvertraut hatte oder von denen die Ortsgruppe auf anderem Wege erfuhr. Die Erfolgsgeschichte von Chuly ist ein solcher Fall: In Äthiopien half die Studentin einem Mädchen, dessen Eltern aus religiösen Gründen inhaftiert worden waren, zur Flucht. Dadurch wurde Chuly selbst zur Verfolgten. Doch das Mädchen aus Äthiopien, das auf Umwegen in Hannover landete, machte die Ortsgruppe auf Chuly aufmerksam. Mit viel Engagement gelang es den Ehrenamtlichen, auch Chuly Anfang der Achtzigerjahre nach Deutschland zu holen. Dort hat ihr Sohn in diesem Jahr sein Abitur gemacht.

"Ein langer Atem ist für solche Projekte nötig", sagte Otto Ludwig, Gründungsmitglied der Ortsgruppe. Vieles habe sich geändert, der Altersdurchschnitt der Mitglieder sei von ursprünglich 30 auf 60 und mehr gestiegen. Auch die Ausrichtung Amnestys sieht er kritisch: "Als Gefangenschaftsorganisation waren wir unverwechselbar, als Menschenrechtsorganisation sind wir eine unter vielen." Gleichwohl würden die Menschen, die man der Ortsgruppe anvertraut, im Mittelpunkt bleiben.

Rolf Wernstedt, ehemals Kultusminister und Präsident des Landtages, beendete den Abend mit einem Vortrag zur Geschichte von Gewalt. Die Selbstverständlichkeit der Menschenrechte sei in den vergangenen Jahren millionenfach in Frage gestellt worden. Er zeigte auf, dass auch die Länder Europas und Amerikas, die heute für Demokratie und die Würde des Menschen einstehen, auf Kolonialkriege, mittelalterliche Foltermethoden und Völkermorde zurückblicken. "Wir, die wir auf die Menschenrechte beharren, müssen wissen, dass unsere Geschichte auf anderem beruht und dass nichts für ewig ist."

Drei Fragen an Rolf Wernstedt

Ist Gewalt in jedem Menschen veranlagt?

Jeder Mensch ist gut und böse zugleich. Es ist unsere Aufgabe, dass das Gute überwiegt.

Sind die Menschenrechte selbstverständlich?

Überhaupt nicht. Dass wir auf Menschenrechte achten und sie durchsetzen wollen, ist eine mehr als 2000 Jahre alte Geschichte.

Warum ist die Arbeit von Amnesty International so wichtig?

Amnesty macht deutlich, dass man im Kampf gegen Folter und Grausamkeiten konkrete Adressen braucht, an die man sich wenden und mit denen man arbeiten kann und andererseits weiß, wer verantwortlich ist.

Von Katharina Derlin

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