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Bitte inklusiv: Stufen, Ampeln, Poller

Großburgwedel Bitte inklusiv: Stufen, Ampeln, Poller

Wehe, wenn es dämmert: Dann schwinden die Kontraste. Sehbehinderte kämpfen in Großburgwedels Innenstadt aber auch bei Sonnenschein mit Stolperfallen, schlecht sichtbaren Barrieren und „stummen“ Ampeln. Die HAZ hat Alexander Hoppe bei einem Rundgang durch die City begleitet.

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Alexander Hoppe und viele Sehbehinderte sehen die Welt kontrastärmer als Menschen mit gesunden Augen. Für Laternenmasten fordert er eine Kennzeichnung in Augenhöhe.

Quelle: Martin Lauber

Burgwedel. Hoppe verfügt nur noch über wenige Prozent Sehkraft, trotzdem bleibt sein weißer Stock meist eingeklappt. Er kennt die City ja wie seine Westentasche. Auf 150 oder mehr schätzt das Mitglied des Blindenvereins die Zahl der stark sehbehinderten Burgwedeler - Leute wie Franz Wagenhäuser, der den Vorlesekreis „Sehen durch Hören“ ins Leben gerufen hat und nach eigener Aussage regelmäßig in unsanften Kontakt mit Laternenmasten oder auf Gehwegen platzierten hellgrauen Vermittlungskästen der Telekom kommt.

Hoppe hat die Stadt immer wieder mit Verbesserungswünschen zur Inklusion Sehbehinderter konfrontiert. Der frühere Bürgermeister Hendrik Hoppenstedt ließ einmal kurzfristig die Metallpfosten zwischen Post und Amtshof rot-weiß markieren, Fahrradständer erhielten rote Banderolen. Aber die Wunschliste ist viel länger.

Ampeln für Sehbehinderte gibt es in ganz Großburgwedel allein am Rathaus (mit fühlbarem Vibrator) und bei Ikea (Hörsignal). Dass selbst fußgängergesteuerte Ampeln wie vor der Grundschule oder an der Meineworth/Ecke Dammstraße nicht entsprechend ausgestattet sind, prangert Hoppe besonders an. Die Folge für ihn: „Ich erkenne nur, wenn ein Auto anhält. Wenn nicht, stehe ich dumm da und warte und warte.“

Verletzungsgefahren durch Stufen lauern unter anderem auf dem Domfrontplatz und - ein Dauerbrenner im Ortsrat - im Durchgang zwischen Von-Alten-Straße und Penny-Markt-Parkplatz. Von gelb-schwarzen Markierungen würden auch andere profitieren, meint Hoppe und verweist auf die DIN-Norm über Bodenindikatoren im öffentlichen Raum: „Bei Klagen hätte die Stadt gute Chancen, verurteilt zu werden“, meint er.

Das gelte auch für die fehlenden Kennzeichnungen von Pollern und Pfosten, auf die er die DIN-Norm über die „Gestaltung visueller Informationen im öffentlichen Raum“ anzuwenden empfiehlt. Ein besonderes Ärgernis seien die Granitpoller in der Von-Alten-Straße und auf dem Domfrontplatz. Bevor sie gelb angestrichen würden, erwidert Harald Rietz von der Tiefbauabteilung, sollte man lieber ganz auf sie verzichten.

Wichtig ist Hoppe dieses Anliegen - und er verweist auf Wien als Vorbild: In der österreichischen Hauptstadt seien alle Pfosten für Lampen, Schilder und Ampeln in 1,20 und 1,70 Meter Höhe Rot-Weiß-Rot gekennzeichnet.

Burgwedels Bauamtsleiter Oliver Götze räumt Nachholbedarf ein. Altersgerechtes Wohnen sei ein Riesenthema, dem sich eine Projektgruppe der Verwaltung widme. Noch gebe es kein Konzept. „Wir müssen Mobilität zu Ende denken“, sagt Götze. Leute wie Alexander Hoppe könnten dabei wichtige Ratgeber sein.

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