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Gerade noch die Kurve gekriegt

Burgwedel Gerade noch die Kurve gekriegt

Im Gartens seines Hauses mitten in einem Burgwedeler Ortsteil hatte ein 27-Jähriger eine Cannabisplantage gehegt und gepflegt. Vor Gericht kam der Mann jetzt dennoch mit einem blauen Auge davon.

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40 Hanfpflanzen hatte die Polizei im Garten des Mannes sichergestellt.

Quelle: AFP (Symbolbild)

Burgwedel. 40 Cannabispflanzen hatte die Polizei im Juli 2015 im Garten des Mannes entdeckt – einige wuchsen in einem Beet, andere in Blumenkübeln. Von einer erntereifen Größe waren die Setzlinge allerdings noch ein ganzes Stück entfernt, es zeigten sich lediglich erste Blütenansätze. Die Ermittler kamen deshalb "nur" auf etwa 14 Gramm zum Konsum geeignetes Material – juristisch betrachtet eigentlich keine große Sache. Amtsrichter Michael Siebrecht ließ im Prozess dann auch durchblicken, dass er sich durchaus eine Einstellung des Verfahrens hätte vorstellen können.

Dass letztlich doch verhandelt werden musste, das hatte sich der 27-Jährige selbst zuzuschreiben. Denn der Mann hatte es schlicht versäumt, seinen Verzicht auf die Herausgabe der sichergestellten illegalen Pflanzen zu erklären. So etwas ist ein rein formaler Akt, "sie hätten die Drogen eh niemals wiederbekommen", machte der Richter unmissverständlich klar. Doch ohne die Verzichtserklärung geht es eben auch nicht, und der Angeklagte hatte die schriftliche Aufforderung des Gerichts ignoriert.

Ignoranz gegenüber richterlichen Anweisungen hatte der Mann allerdings auch schon zuvor an den Tag gelegt, und deshalb ging es für ihn jetzt um einiges: Unter anderem für einen schweren Diebstahl – er hatte am Großburgwedeler Bahnhof ein Fahrradschloss geknackt und war dann mit seiner Beute davongefahren – hatte er in einem vorhergehenden Verfahren eine Strafe von sechseinhalb Monaten kassiert, ausgesetzt zur Bewährung. Allerdings hatte er weder die Termine mit seiner Bewährungshelferin eingehalten noch begonnen, die 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit abzuleisten.

Er habe sich die vier Euro für die Bustickets nicht leisten können, deshalb die Gespräche mit der Bewährungshelferin per E-Mail abgesagt, unternahm der Angeklagte einen Erklärungsversuch. Und dann habe er mit seinem örtlichen Pastor gesprochen, ob dieser ihn zum Müllsammeln einsetzen könne. Auf Nachfrage hatte er aber nicht einmal den Namen des Kirchenmannes parat – "der hat so dunkle Haare".

"So läuft es nicht", machte Amtsrichter dem Burgwedeler unmissverständlich klar. Wenn Sie sich jetzt nicht kümmern, dann gehen Sie in Haft." Das wollte der Angeklagte dann doch nicht, er gelobte Besserung – und muss nun innerhalb von zwei Wochen nachweisen, dass er mit Pastor und Bewährungshelferin gesprochen hat. Richter und Staatsanwältin schenkten ihm Glauben – und stellten das Verfahren wegen der Drogenplantage im Hausgarten vorläufig ein.

Von Frank Walter

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