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Frau missachtet Kontaktverbot

Großburgwedel Frau missachtet Kontaktverbot

Wenn es um Verstöße gegen das Gewaltschutzgesetz geht, sind meist Männer die Täter. Am Donnerstag hat das Amtsgericht Burgwedel allerdings eine Frau zu einer hohen Geldstrafe verklagt. Sie hatte ihren Ex-Mann trotz Verbots zahlreiche E-Mails geschickt.

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Das Amtsgericht Burgwedel hat eine Frau zu einer hohen Geldstrafe verklagt. Sie hatte ihren Ex-Mann trotz Verbots zahlreiche E-Mails geschickt.

Quelle: Symbolbild: dpa/Peter Steffen

Großburgwedel. "Zu einer Kommunikation gehören zwei Leute. Und wenn einer das nicht will, muss der andere das akzeptieren“, macht der Staatsanwalt der Angeklagten in seinem Plädoyer deutlich. Wer Hunger habe, könne auch nicht losgehen und ein Brot stehlen – das gebe die Rechtsordnung einfach nicht her.

Mit der Rechtsordnung hatte die 58 Jahre alte Angeklagte bereits Kontakt: Zweimal hatte ihr Ex-Mann ihr per einstweiliger Verfügung vor dem Familiengericht Kontaktsperren auferlegen lassen, die ausdrücklich auch Telefonate, Faxe und E-Mails beinhalteten. "Zwei Beschlüsse – das lässt an Deutlichkeit nicht zu wünschen übrig“, hielt Amtsrichter Michael Siebrecht der Frau vor.

Doch gehalten hatte diese sich nicht an die gerichtlichen Anordnungen. Über Monate hinweg schickte sie ihrem Ex immer wieder E-Mails, berichtete beispielsweise vom angeblichen Mobbing der Nachbarn oder einem falsch geparkten Wohnmobil auf dem ehemals gemeinsamen Grundstück in einem Burgwedeler Ortsteil. Insgesamt 29-mal verstieß sie so gegen das Kontaktverbot.

Das gemeinsame Eheleben sei fröhlich und glücklich gewesen, doch seit der Scheidung lebe sie in "nachbarschaftlicher Kontroverse“, wie die Angeklagte sich ausdrückte. "Viele spotten über uns, meine Kinder werden hintenrum attackiert“ – und dabei kämen sie doch aus einem vermeintlich erfolgsgewöhnten Haushalt. Auch die Art und Weise der Trennung sei "überhaupt nicht akzeptabel“ gewesen. "Aus seiner Familie kamen nur Häme und Spott. Er hat mich vorgeführt und bloßgestellt.“ Das alles seien Dinge, die sie nicht allein mit einem Therapeuten aufarbeiten könne, berichtete die Frau. Doch ihr Ex-Mann – der am Donnerstag nicht mehr als Zeuge gehört werden musste – entziehe sich dem.

Letztlich verurteilte Siebrecht die 58-Jährige zu 50 Tagessätzen à 140 Euro – immerhin erhält sie monatlich Unterhalt in Höhe von mehr als 4000 Euro von ihrem Ex-Mann. So menschlich verständlich ihre Schilderung teilweise auch sein möge – als Rechtfertigung könne sie nicht gelten, begründete der Richter sein Urteil. "Es ist wichtig, dass Sie loslassen, aber ich weiß nicht, ob sie das allein schaffen“, formulierte Siebrecht seine Sorge, dass sie ihr Verhalten nicht einstellen werde. Dennoch: "Das muss ein Ende haben. Sie sind es auch Ihren Kindern schuldig, dass Frieden einkehrt.“

Von Frank Walter

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