Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Betrüger muss fünf Jahre ins Gefängnis

Burgwedel Betrüger muss fünf Jahre ins Gefängnis

"Das war wirklich, wirklich mies“, betonte die Staatsanwältin am Donnerstag. Und diese Einschätzung teilte sie mit dem Schöffengericht Burgwedel. „Sie sind ein krasser Bewährungsversager, und heute ist der Tag, an dem Sie dafür zahlen“, sagte Richter Michael Siebrecht zum 56-jährigen Betrüger, der fünf Jahre ins Gefängnis muss.

Voriger Artikel
Wettmar feiert drei Tage Schützenfest
Nächster Artikel
Im Tiefflug über Bella Italia

Zwei Haftstrafen zu jeweils zwei Jahren und sechs Monaten muss der 56-Jährige jetzt absitzen. Über Jahre war er immer wieder durch Betrug aufgefallen. Eine zweijährige Bewährungsstrafe hat das Schöffengericht Burgwedel daher jetzt widerrufen.

Quelle: Symbolbild

Burgwedel. Seit 30 Jahren ist der heute 56-Jährige immer wieder straffällig geworden, 15 Eintragungen zählt sein Strafregister, erst im September 2015 war er zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Damals hatte er 500 000 Euro an Sozialabgaben für seine Arbeitnehmer nicht geleistet. Am Donnerstag saß er wegen acht weiterer Betrugsfälle vor Gericht.

„Die Schadenssumme ist das eine, aber das persönliche Unglück, die menschliche Tragödie und der Flurschaden, den sie angerichtet haben, wiegen viel schwerer“, erklärte Siebrecht. Der 56-Jährige, einst Bauleiter, hatte sich 2014 von seiner damaligen Lebensgefährtin 20 000 Euro geliehen – diese musste dafür einen Kredit aufnehmen und sah das Geld nie wieder. „Sie hat ihnen vertraut“, betonte der Richter.

Vertraut hatte dem Angeklagten auch ein Paar aus Braunschweig. Die heute 43-jährige Ehefrau leidet an Multipler Sklerose, sitzt im Rollstuhl. „Wir wollten ein behindertengerechtes Haus bauen, damit sie nicht mehr in der engen Wohnung eingesperrt ist“, erzählte ihr Mann im Zeugenstand. „Wir hatten keine Ahnung von so etwas und haben deshalb einen Bauleiter gesucht, der sich um alles kümmert.“ Über eine Kleinanzeige im Internet kamen die beiden mit dem Angeklagten in Kontakt. „Er war immer nett“, schilderte der Familienvater. Mehr als 17 000 Euro hat das Paar dem 56-Jährigen überwiesen, zum Hausbau kam es jedoch nie.

Bis heute lebt die schwerkranke Frau in der Wohnung. Ihr Traum vom Haus erfüllt sich nur schwer: „Wir müssen jetzt fast alles in Eigenleistung machen, weil das Geld nicht reicht, und ich bin dadurch auch krank geworden“, schilderte der Familienvater. Für 125 000 Euro, wie einst versprochen, sei ein Bungalow gar nicht zu bauen.

Dass der Angeklagte 2016 im Lotto 10 000 Euro gewann, wirkte auf die Familie im Gerichtssaal wie Hohn. Denn statt das Geld ihnen zu geben, mietete der Mann für sich und seine neue Verlobte ein Haus für 2400 Euro monatlich an – wohl wissend, dass er schon die nächste Miete nicht mehr zahlen können würde.

"Das war Schulbuch-Kriminalität und wahrer Scheiß“, so ließ auch der Verteidiger kein gutes Haar an seinem Mandanten. „Die Verhaftung kam genau zum richtigen Zeitpunkt.“ Seit Februar sitzt sein Mandant in Haft, sei psychisch krank. „Er hat sich jahrelang in eine eigene Welt geflüchtet.“ Erst heute könne er die Taten bereuen.

„Wir sind überzeugt, dass Sie von vornherein gewusst haben, dass Sie die Familie melken wollten“, betonte Siebrecht in seiner Urteilsbegründung. „Sie sind vielleicht einmal ein erfolgreicher Bauleiter gewesen. Aber Sie sind vor allem ein erfolgreicher Betrüger, der Menschen glaubhaft machen kann, Wunder für sie zu vollbringen. Und damit ist heute Schluss!“

Mit Blick auf die laufende Bewährung und die neuen Straftaten verhängte das Gericht zwei Gesamtstrafen zu jeweils zwei Jahren und sechs Monaten. „Jetzt können Sie überlegen, ob es für Sie ein sinnstiftendes Leben nach den fünf Jahren Gefängnis geben kann“, verabschiedete sich der Richter. Die Entschuldigung des 56-Jährigen verhallte im Saal ungehört.

Von Carina Bahl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten