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Alkohol- oder Knoblauchfahne?

Burgwedel Alkohol- oder Knoblauchfahne?

Hatte die Rentnerin den Wein vor oder nach ihrer Autofahrt getrunken? Und war dieser Schuld daran, dass sie in Schlangenlinien durch Burgwedel fuhr? Das konnte im Amtsgericht nicht geklärt werden - am Ende gab die Frau dennoch ihren Führerschein ab.

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Das Gericht konnte die Frage nach dem Alkoholkonsum nicht klären.

Quelle: dpa (Symbolboldbild)

Burgwedel. „Als ich neben ihr im Einkaufsladen stand, da habe ich schon ihre Alkoholfahne gerochen“, schilderte ein Zeuge sein Aufeinandertreffen mit der angeklagten Rentnerin an einem Nachmittag im Februar. Ihr Gang sei sehr wackelig gewesen. Als die Frau später vier Anläufe brauchte, um aus einer einfachen Parklücke zu kommen, reichte es ihm: „Ich bin ihr hinterhergefahren“, sagte der 45-Jährige - in Schlangenlinien und durchgängig mit Tempo 40 soll sie auch noch beinahe den Bordstein an der Fußgängerampel vor einer Schule touchiert haben. „Da habe ich die Polizei gerufen.“

Die Beamten trafen die Frau kurz nach dem Notruf zu Hause an - und ließen sie pusten. Der Atemalkoholtest ergab 0,79 Promille, der Bluttest gut eine Stunde später 0,75 Promille.

„Ich habe vor der Fahrt aber nichts getrunken“, beteuerte die Rentnerin - erst daheim habe sie sich etwas Wein gegönnt. Wie viel? Die Antwort darauf dauerte im Gerichtssaal eine halbe Stunde. Erst war es nur ein Schluck, dann waren es zwei. Als ihr Verteidiger hustete und sie dezent darauf hinwies, dass mit zwei Schluck Wein so ein Promillewert doch nicht zu erreichen sei und sie noch einmal in Ruhe überlegen solle, wurden aus zwei Schluck Wein ein ganzes Glas. Aus dem einen Glas wurden bei Nachfragen zwei - aus dem „klitzekleinen Weinglas“ auf einmal ein Wasserglas. „Das kann doch alles nicht wahr sein“, kritisierte Amtsrichter Michael Siebrecht das Rumgedruckse .

Der Verteidiger versuchte derweil die Aussage seiner Mandantin damit zu untermauern, dass ihr wackeliger Gang die Folge eines Schädel-Hirn-Traumas sei, das die 75-Jährige vor Jahren erlitten hatte. „Sie war gerade auch in der Klinik wegen Herzproblemen.“ Ihr Ehemann versuchte zudem, die Alkoholfahne in Abrede zu stellen: „Sie hatte uns eine Erbsensuppe mit kräftig Knoblauch gekocht.“

So oder so: Auch der medizinische Gutachter konnte nicht beweisen, ob der Wein vor oder nach der Autofahrt getrunken worden war. Dafür hätte es eine mehr als 1000 Euro teure Begleitstoffanalyse des Getränkes gebraucht. Da aber nach den Aussagen zur Erkrankung der Frau zwischenzeitlich infrage stand, ob sie überhaupt fahrtüchtig ist - Alkohol hin oder her - lenkte diese nach einer längeren Verhandlungspause ein. Die Rentnerin verzichtete auf das teure Gutachten und gab ihren Führerschein freiwillig ab - dafür wurde das Verfahren eingestellt.

Sollte sie sich jetzt doch noch einmal ans Steuer setzen wollen, muss sie eine medizinisch-psychologische Untersuchung bestehen.

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