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Amtsgericht verurteilt betrügerische 96-Fans

Burgwedel Amtsgericht verurteilt betrügerische 96-Fans

War es übertriebene Fanliebe? War es der Wunsch, anderen eine Freude zu machen? Oder doch der Versuch, sich durch Verkäufe zu bereichern? Fest steht jetzt: Es war Betrug.

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Das Amtsgericht Burgwedel hat ein Paar verurteilt, das sich quer durch den 96-Fanshop geshoppt, aber nie bezahlt hatte.

Quelle: Symbolbild

Burgwedel. Das Amtsgericht Burgwedel hat am Donnerstag einen 34-Jährigen zu einer Geldstrafe von 6000 Euro und seine Ex-Freundin zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt, weil sie insgesamt 30-mal im Fanshop von Hannover 96 online Sachen bestellt, aber nie bezahlt hatten.

„Alte Liebe“, „Niemals allein“, „Eddie“ – selten darf eine Staatsanwältin wohl mit so vielen Fanvokabeln im Gerichtssaal um sich werfen. 30 Einzelbestellungen galt es in der Anklage vorzulesen, die alle rund um den Jahreswechsel 2016 im Online-Shop eingegangen waren. Vom Tretroller über Trikots, Jogginganzüge und Transparente bis hin zur Fußmatte, zu Lampen und Gutscheinen hatte das Paar bestellt. Die Bezahlung blieb aus – steckten beide doch schon damals in den Schulden, hatten sogar eine Vermögensauskunft abgegeben.

 „Da musste doch von Anfang an klar sein, dass das rauskommt“, hielt Amtsrichter Michael Siebrecht dem Paar vor, das mit dem gemeinsamen Baby auf der Anklagebank Platz genommen hatte. „So klar war mir das nicht“, gestand die 27-jährige alleinerziehende Mutter von drei Kindern. „Wir wollten anderen eine Freude machen, haben viel verschenkt“, sagte sie. „Es kommt nie wieder vor.“ Daran hatte der Richter so seine Zweifel – vor allem bei ihr: „Sie sind schon viermal wegen Betrugs verurteilt worden“, zählte er ihr vor. „Ich will meine Kinder nicht verlieren“, betonte die Angeklagte unter Tränen, als Siebrecht ihr klar machte, dass eine Geldstrafe nicht mehr infrage komme. „Ein Richter muss überlegen, wie er Eindruck hinterlassen kann, wenn jemand immer wieder betrügt.“

Die Erleichterung der Frau war ihr bei der Urteilsverkündung anzusehen: Die sechsmonatige Freiheitsstrafe wurde auf Bewährung ausgesetzt, 100 Stunden gemeinnützige Arbeit gab es obendrauf. „Verstehen Sie das als letzte Warnung“, mahnte Siebrecht. „Beim nächsten Mal müssen wir uns überlegen, wer auf Ihre Kinder aufpasst, wenn Sie im Gefängnis sind.“

Bei ihrem Ex-Freund sah die Lage etwas anders aus. Zwar hatte er mit 19 Bestellungen den Großteil der Taten begangen und so einen Schaden von knapp 2300 Euro angerichtet – seine Frau bestellte für 1900 Euro –, aber er war bis gestern nicht vorbestraft. „Ich bin schuldig“, betonte der 34-Jährige in seiner Aussage. „Es ist uns alles aus dem Ruder gelaufen“, sagte der gut verdienende Schlosser und beteuerte auf Nachfrage des Richters: „Wir haben nichts davon verkauft.“

Das Verständnis hielt sich trotz der Geldsorgen des Paares in Grenzen: „Wenn es Lebensmittel gewesen wären, aber Fanartikel?! Das ist Luxus“, sagte der Richter. „Sie sind Ersttäter, und alle Taten lagen eng zusammen“, begründete er die Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 50 Euro für den 34-Jährigen. Er appellierte zum Abschied: „Seien Sie einfach gute Eltern.“

Von Carina Bahl

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